Newsticker

An die Ränder gehen

Adveniat trotz Spendenrückgangs effizienteste deutsche Hilfsorganisation

Essen. Mit 30,6 Millionen Euro hat das Hilfswerk Adveniat im Geschäftsjahr 2012/13 2225 Projekte in Lateinamerika und der Karibik unterstützt. Und das, obwohl das gesamte Spendenaufkommen 2012 im Vergleich zum vorangegangenen Haushaltsjahr um rund eine Million Euro zurückgegangen ist. Diese Zahlen haben die Verantwortlichen des Hilfswerkes auf der Bilanzpressekonferenz bekannt gegeben.
Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, Vorsitzender der Bischöflichen Kommission Adveniat, betonte, dass das Hilfswerk auch laut Papst Franziskus eine verlässliche und nachhaltige Unterstützung für die Armen leiste. Der Adveniat-Bischof bezog sich auf die Botschaft des Papstes an die deutschen Katholiken vom vergangenen Dezember, in der er um großherzige Spenden in der Weihnachtskollekte gebeten hatte. Der Aufruf von Papst Franziskus zur Adveniat-Kollekte sei für das Lateinamerika-Hilfswerk Anerkennung und Verpflichtung zugleich, sagte Overbeck.

Papst lässt nicht nach, an die Armen zu erinnern
Der Papst lasse nicht nach, mahnend an die Armen zu erinnern, sagte der Hauptgeschäftsführer von Adveniat, Prälat Bernd Klaschka. Die von der lateinamerikanischen Kirche getroffene vorrangige Option für die Armen sei die zentrale Vorgabe für die Projektarbeit. „Adveniat geht zu den Menschen an den Rändern und folgt dabei keinem Geringeren als Jesus Christus selbst“, betonte Klaschka. Mit Blick auf die Vorgänge im Bistum Limburg und die nachfolgenden Diskussionen über die Finanzen der katholischen Kirche in Deutschland habe sich das Hilfswerk um die Kollekte an Weihnachten gesorgt. Deshalb sei ein Schreiben an alle Pfarreien in Deutschland verfasst worden, das von den Bistümern vor Weihnachten an die Pfarrer geschickt worden war.
Auf 43,9 Millionen Euro hätten sich im vergangenen Geschäftsjahr 2012/13 die Einnahmen aus Kollekten und Spenden belaufen, sagte Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens. Die verauslagten Mittel für die Projektarbeit hätten mit 39,5 Millionen Euro fast auf dem Niveau des Vorjahrs gelegen. Die Jahresrechnung schließe mit Einnahmen und Ausgaben von 51,3 Millionen Euro. Anders als im Vorjahr sei ein moderater Rückgriff auf die Rücklagen in Höhe von 1,7 Millionen Euro vorgenommen worden. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) habe Adveniat erneut das Spenden-Siegel zuerkannt. Mit einem Prozentsatz unterhalb von 10 Prozent bewerte das DZI den Werbe- und Verwaltungsanteil als niedrig, sagte Jentgens. „Im deutschlandweiten Vergleich gehört Adveniat nach wie vor zu den effizientesten und ‚kostengünstigsten’ Hilfsorganisationen“, betonte der Adveniat-Geschäftsführer.
Im vergangenen Jahr haben, so geht aus dem Jahresbericht hervor, viele Hundert junge Menschen aus Deutschland am Weltjugendtag in Rio de Janeiro teilgenommen. Adveniat unterstützte die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz bei der Vorbereitung und gab vielen Jugendlichen in Adveniat-Projekten in Rio Einblicke in die Arbeit für die Armen. 2014 steht mit der Fußball-WM erneut Brasilien im Fokus. „Adveniat wird sich mit einer besonderen Aktion an die Seite der Armen stellen und ihre Rechte einfordern“, unterstrich Bischof Overbeck. „Bei meinem Besuch in Brasilien im Sommer letzten Jahres anlässlich des Weltjugendtages habe ich in den Adveniat-Projekten erfahren, wie wichtig dies ist. Die Menschen in Lateinamerika und der Karibik, vor allem die Armen, brauchen weiterhin unsere Unterstützung.“

adveniat

Im Fokus: Der Blick richtet sich in diesem Jahr bei Adveniat erneut nach Brasilien. Nach dem Weltjugendtag 2013 in Rio de Janeiro (s. Foto) soll rund um die Fußball-WM die „Aktion Steilpass“ für Veränderungen im größten Land Südamerikas sorgen. Foto: Escher/Adveniat


Blickpunkt für 2014: Jugend in Lateinamerika
Unter dem biblischen Leitwort „Gegenwart und Zukunft: alles gehört euch“ (1 Kor 3,22) wird die Adveniat-Aktion im Advent 2014 das Thema Jugend in Lateinamerika in den Blickpunkt stellen. „Heranwachsende und Jugendliche bilden die große Mehrheit der Bevölkerung in Lateinamerika und der Karibik und stellen deshalb eine große Herausforderung und ein besonderes Potenzial für die lateinamerikanische Kirche und Gesellschaft dar“, sagte Adveniat-Hauptgeschäftsführer Klaschka. Adveniat nehme besonders die Jugendlichen in den Blick, die in armen Verhältnissen aufwachsen und aus verschiedenen Gründen marginalisiert werden. „Sie sind die Zukunft Lateinamerikas“, sagte Klaschka. Die Eröffnung der Adveniat-Aktion 2014 findet am 1. Advent in Augsburg statt.