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Ein starkes Zeichen

Gemeinde St. Theresia gestaltet Kreuzweg

Der Andrang ist groß in der Kirche der Gemeinde St. Theresia vom Kinde Jesu in Oberhausen-Walsumermark. Hier an der Mergelkuhle 1, im beschaulichen Norden der Ruhrgebietsstadt, ist gerade der sehr gut besuchte Gottesdistat1enst am zweiten Fastensonntag zu Ende gegangen. Dabei haben die Gläubigen die offizielle Eröffnung eines ganz besonderen Kreuzwegs gefeiert, der in einer wahren Gemeinschafts-Arbeit entstanden ist. 15 Darstellungen des Leidenswegs Jesu Christi – kein Bild ist größer als ein Quadratmeter – hängen nun dank selbst hergestellter Gerüste über den Darstellungen des traditionellen Kreuzweges im Kirchenbau.

„Die Idee, in der Gemeinde einen eigenen Kreuzweg zu gestalten, entstand im letzten Jahr“, erklärt Pfarrer Hans-Werner Hegh. „Wir haben dann zur Mitarbeit aufgerufen und einen Initiativkreis mit vielen kreativen Köpfen gegründet.“ Es war dabei das erklärte Ziel, möglichst viele Mitglieder der Gemeinde einzubinden, damit der Kreuzweg ein starkes Zeichen der Gemeinschaft in St. Theresia wird. So übernahmen zahlreiche Gruppen, Verbände und Einzelpersonen – Kinder, Jugendliche und Erwachsene, zum Teil auch unter fachkundiger Anleitung – die Aufgabe, einzelne Stationen auf ganz unterschiedliche Art und Weise zu gestalten. Das Ergebnis ist so vielfältig geworden wie das Gemeindeleben selbst – zahlreiche, unterschiedliche Stile, Farben und Materialien finden sich in den Darstellungen wieder.

Sand, Erde, Stöcke, Stroh

Zum Beispiel haben die jungen Pfadfinder die erste Station gestaltet, bei der Jesus zum Tode verurteilt wird. Die Gruppe nahm Natur-Materialien wie Sand, Erde, Stöcke oder Stroh und klebte sie auf das Bild. Die beiden Hauptpersonen Pilatus und Jesus füllen als detailliertere Figuren diese abstrakte Szenerie mit Leben.

stat7Die kfd malte ein Bild, das an alle erinnern soll, die miterleben müssen, wie ein geliebter Mensch ein schweres Schicksal erleidet. Das markante Element ihrer vierten Station mit dem Titel „Jesus begegnet seiner Mutter“ ist der Lichtstrahl einer kleinen Lampe, der Maria und den Kreuz tragenden Heiland wie eine sanfte Aura umhüllt. Christus trägt dabei eine Dornenkrone mit Glasstücken, denn das Licht, das durch die Glasstücke fällt, soll daran erinnern, dass es auch im größten Leid noch immer einen Lichtstrahl der Hoffnung gibt.
Bunte Mosaike bilden derweil die Grundlage für die siebte Station „Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuze“, entworfen von den Kommunionkindern. Sie schufen ein Legebild aus Mosaiksteinen, das trotz des ernsten Themas einen fast fröhlichen Akzent im Gotteshaus setzt.

Die neunte Station „Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz“ ist dagegen regelrecht düster gehalten, denn Jesus muss hier den Weg alleine vor einem gewitter-verhangenen Hintergrund gehen. Ellen Peisker, eine Engagierte der Gemeinde, arbeitete hier ebenfalls mit natürlichen Materialien und setzte Jesus eine Dornenkrone auf, die sie aus dem Zweig eines Christusdorns geformt hat – für die Künstlerin eine schmerzhafte Angelegenheit.
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Pfarrer Hegh war besonders wichtig, dass es auch eine 15. Station gibt, welche die Auferstehung Christi symbolisiert. Diese Darstellung hängt nun prominent unter dem großen Kreuz im Altarraum. In Anlehnung an den Künstler Matthias Klemm und sein Werk „Passion – Auferstehung J. S. Bach (2. Fassung)“ entstand das Bild dank des Einsatzes der Gemeinde-Kita. Die Erzieherinnen sprachen im Vorfeld mit den Kindern über die Auferstehung Jesu, und der Nachwuchs sammelte seine Ideen. So beschloss die Gruppe, dass der Tod sehr dunkel ist und durch ein dunkles Kreuz symbolisiert werden kann. Die Kinder malten mit weißer Ölkreide Kreuze auf die Leinwand, die erst durch verriebene Asche zum Vorschein kam.

Aus diesem Dunkel der Asche sollte nun das „Licht“ hervorbrechen, denn für die Auferstehung wollten die Kinder etwas Helles und Leuchtendes verwenden. So entschieden sie sich für die Sonne, die sie mit Hilfe einer LED-Lichterkette und mit Filzwolle bastelten. Nun überstrahlt das Licht das Dunkel und setzt einen warmen Farbtupfer, der schon die Vorfreude auf die Osterzeit schürt.

Arbeitsweise und Intention

Die Künstlerinnen und Künstler stehen stolz an ihren Stationen, erklären mit einem Mikrofon ihre Arbeitsweise und Intentionen, nehmen Glückwünsche entgegen und stellen sich den interessierten Besuchern für Gespräche zur Verfügung. stat15Das Publikum klatscht, raunt und steht noch lange zwischen den Kirchenbänken, um die Eindrücke zu diskutieren. Eine Besucherin ist ganz begeistert: „Wenn man bedenkt, dass am Anfang nur eine vage Vorstellung stand und dann kommen so viele Beiträge aus der ganzen Gemeinde, ist das schon irre, was sich hier entwickelt hat.“

Pfarrer Hegh kann da nur zustimmen und blickt bereits in die Zukunft: „Wir wollen ein kleines Bilderheft des Kreuzweges erstellen mit den Erläuterungen aller Künstler.“ Bis zum 4. Mai bleiben die Werke noch in der Kirche und können jeweils vor und nach den Gottesdiensten, aber bei Interesse auch nach Vereinbarung oder zu geregelten Öffnungszeiten besichtigt werden. Schnell kam zudem die Idee auf, dass der Kreuzweg als Wanderausstellung bestehen bleibt. Die Identifikation mit den Kunstwerken scheint jedenfalls groß zu sein – und schon dafür hat sich der Einsatz der vielen freiwilligen Künstler gelohnt.
Christopher Friedburg

Info Weitere Informationen und noch mehr Fotos zur Entstehung sowie der feierlichen hochamtlichen Einweihung des Kreuzweges unter http://infos.st-theresia-oberhausen.de/st-theresia-gestaltet-einen-kreuzweg