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Maria zieht um

15-Lourdesgrotte_BOT01 Bottrop. Wenn eine Grotte nach gut 90 Jahren umzieht, dann bedeutet das schwere Arbeit: Gut acht Wochen haben freiwillige Helfer der Kolpingsfamilie in diesem Sommer jedenfalls benötigt, ehe die Lourdesgrotte der Gemeinde St. Johnnes in Bottrop-Boy an ihrem neuen Standort am Kirchplatz errichtet war. Samstag für Samstag, Stein um Stein. Am vergangenen Samstag nun wurde sie ihrer Bestimmung übergeben – mit einer feierlichen Überführung der Marienfigur und der Segnung der neuen Grotte. Pastor Clemens Hruschka, der vor Kurzem zufällig in Lourdes war, brachte von dort auch eigens Wasser und Kerzen mit.

Seit Mitte der 1920er-Jahre gibt es in dem Bottroper Stadtteil eine Lourdesgrotte. Bergbau- und Hüttenarbeiter hatten sie aus selbstgeformten Schlackesteinen im Klostergarten des Schutzengelhauses errichtet. Dort lebten Dominikaner-Schwestern von Arenberg. „Sie haben 1925, als die Heilige Bernadette Soubirous selig gesprochen wurde, die Mariengrotte in Auftrag gegeben“, weiß Klaus Wehrhöfer, der Verwaltungsleiter der Pfarrei St. Jospeh, zu der St. Johannes heute gehört. „Ihre Seligsprechung war Auslöser einer großen Volksfrömmigkeit und Marienverehrung. Da ärmere Menschen aber nicht das Geld hatten, um nach Lourdes zu reisen, hat man nach dem Vorbild dort an vielen Orten solche Grotten erstellt.“

In Boy spielt die Mariengrotte im Gemeindeleben bis heute eine große Rolle. Vor allem die aus Portugal stammenden Gemeindemitglieder kümmern sich seit Jahren um die Marienstatue und die Grotte. Stellen stets ein Licht auf und schmücken die Grotte mit Blumen. Ihren neuen Platz auf dem Kirchplatz bekam sie, weil die Gemeinde mehr Platz für den Kindergarten braucht. Beim Abriss der alten Grotte wurde ein Stein gefunden, der das Lamm mit Siegesfahnen und das Kugelkreuz zeigt und die Inschrift „AD 1908“ und „Veritas“ trägt. 1908 wurde der 50. Jahrestag der Marien-Erscheinungen in Lourdes gefeiert. „Vermutlich wurde der Stein dafür geschaffen, und jemand hat ihn den Ordensschwestern zur Eröffnung unserer Mariengrotte ge­schenkt“, sagt Werhöfer. In der neuen Grotte hat er nun eine herausgehobene Position bekommen.    spe

Gedruckt erschienen in: Neues Ruhr-Wort Nr. 38 vom 19. September 2015. Ihnen hat unser Bericht gefallen? Sie können unsere Wochenzeitung hier ganz bequem abonnieren.

Foto: Boris Spernol