Schwierige Zeiten für Flüchtlingshelfer

Die Zeit der großen Hilfe scheint vorbei zu sein, wenn man den Medien folgt. Aber wir merken noch nicht so viel davon. Es melden sich nicht mehr so viele freiwillige Ehrenamtliche wie früher, aber noch immer versuchen wir, den „Überhang“ abzuarbeiten. Bei unserem kleinen Verein, der „Caritas-Flüchtlingshilfe Essen e.V.“ hatten sich seit dem Sommer mehrere hundert Leute gemeldet, die irgendwie helfen wollen oder wollten. Eine Ehrenamtliche sortiert seit Wochen nun diese Anfragen, sucht aus, leitet weiter. Und das geht vielen anderen Organisationen ebenso.
„Wir wollen keinem die Armen wegnehmen“, steht in unserem Prospekt in der Zielsetzung. Deshalb haben wir mit einem Bereich begonnen, der arbeitsintensiv ist und kaum von Anderen wahrgenommen wird, nämlich mit einem Möbellager, um den Flüchtlingsfamilien, die in Wohnungen ziehen, zu ermöglichen, eine vernünftige Ausstattung zu bekommen.

Nach Krieg und Flucht zur Ruhe kommen

Seit Juni 2015 betreiben wir im Pfarrsaal der ehemaligen Gemeinde St. Barbara in Essen-Frillendorf ein Möbellager. In den vergangenen vier Monaten konnten wir rund 150 Familien helfen, ihre Wohnungen einzurichten. Das machen wir mit 6 bis 7 deutschen ehrenamtlichen Mitarbeitern und 8 bis 10 großteils jungen Flüchtlingen, die fast alle noch in Heimen leben. Diese Arbeit ist uns wichtig, weil eine eigene Wohnung der erste Punkt ist nach Krieg, Flucht und Heimen, wo Familien zur Ruhe kommen können.
Da dieses Pfarrheim mehr bot als nur den Saal, haben wir dies genutzt, um weitere Dienste anzubieten: Wir bieten für auf den offiziellen Sprachkurs Wartende Kurse an, die sie befähigen sollen, sehr schnell im Alltag besser klarzukommen und einige Grundkenntnisse zu erwerben. Seit Juli laufen neun Kurse, zwei Alphabetisierungskurse und sieben Grundkurse. Ab Ende Oktober werden wir im Pfarrheim von St. Laurentius in Essen-Steele weitere vier Kurse anbieten für die Bewohner des Flüchtlingsdorfes auf dem alten Sportplatz am Pläßweidenweg in Steele.
Für die Flüchtlinge, die schon einen Sprachkurs absolviert haben, aber wenig Gelegenheit haben, deutsch zu sprechen, haben wir im Pfarrheim St. Barbara auf der Elisensstraße ein Erzählcafé eingerichtet, wo sich Deutsche und Ausländer treffen können, um einfach miteinander zu reden.
Nach längerem Vorlauf werden wir ab November Beratung und Begleitung mit Ehrenamtlichen für Flüchtlinge anbieten, sowie eine Formularausfüllhilfe, die mit Sicherheit sehr gefragt sein wird.
Darüber hinaus haben wir im vermehrten Umfang schon gut einem Dutzend Leute geholfen, in Jobs zu kommen, zum Teil über die Rotarier, zum Teil über unser katholisches Umfeld. Weiter haben wir fast ein Dutzend Wohnungen vermittelt für Flüchtlinge, die noch im Heim lebten, aber auch zum Teil in einem schlechten Umfeld oder schlechten Wohnungen.
Nach einer anfänglichen großen Welle der Begeisterung schlägt diese nun langsam um in Ablehnung. Bis zu inzwischen über 500 Brandattentate auf Flüchtlingsunterkünfte hat es bisher gegeben. Darüber hinaus Angst machende Demonstrationen, vor allem im Osten Deutschlands, und neuerdings auch versuchte Mordanschläge, an denen, die hier Flüchtlingen helfen wollen, siehe Köln.

Rudi Löffelsend, Stellvertretender Vorsitzender der Caritas-Flüchtlingshilfe Essen e.V.

Rudi Löffelsend,
Stellvertretender Vorsitzender der Caritas-Flüchtlingshilfe Essen e.V.

Abgebot von Mitarbeit ist positives Zeichen

Aber zwei Dinge finde ich an dieser gewachsenen Arbeit bemerkenswert:
1. Jedes Angebot von Mitarbeit ist ein positives Zeichen, dass Flüchtlinge willkommen sind und man sich gegen die dumpfe Fremdenfeindlichkeit, die ja auch vor Brandstiftung, Attentaten und gewalttätigen Demonstrationen nicht zurückschreckt, durch praktisches Tun wehrt.

2. Ein schönes Beispiel aus der Praxis, nämlich, dass deutsche Ehrenamtliche und junge Flüchtlinge, die auch ehrenamtlich arbeiten, gemeinsam sehr gut miteinander arbeiten können. Hier ist noch zusätzlich zu vermerken, dass die meisten ehrenamtlichen Flüchtlinge aus einer katholischen Gemeinde aus dem Irak stammen und die „Kundschaft“ zum größten Teil Muslime sind. Auch das ist ein hoffnungsvolles Zeichen.
Rudi Löffelsend

Gedruckt erschienen im Neuen Ruhr-Wort, Nr. 43, vom 24. Oktober 2015. Ihnen hat unser Bericht gefallen? Sie können unsere Wochenzeitung hier ganz bequem abonnieren.