Geschichte aus Plastik

Domschatzkammer stellt Essener Geschichte mit Spielzeug nach.
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Foto: Mikolasch

Essen. Da steht sie nun, die riesige Ladung Gold, die Kaiser Otto I. geschenkt wurde. Neben ihm die junge Äbtissin Mathilde, später einmal verantwortlich für das Frauenstift in Essen. Sie stehen vor einer großen Burg, deren Mauern weit über ihre Köpfe hinwegragt. Doch weder die Burg, noch Mathilde und Otto sind echt. Beide sind aus Plastik, genauer gesagt sind sie Figuren, die bei viele tausend Kindern zu Hause sind – Playmobil.

Die Essener Domschatzkammer stellt mit ihnen familiengerecht biblische Themen dar. Doch statt sie gesondert auszustellen, sind die Figuren direkt in die normale Ausstellung integriert. „Ich merke, dass Playmobil auch viele Erwachsene interessiert“, sagt Dr. Birgitta Falk, Leiterin der Schatzkammer bei der Eröffnung. „Mit Äbtissin Mathilde durch den Winter“, so der Name der Sonderausstellung, soll Geschichten der Bibel, Essener Stadtgeschichte sowie alte Bräuche ins Gedächtnis rufen, denn meist „weiß keiner mehr, was dahinter steckt.“

Foto: Mikolasch

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Elf Szenen insgesamt werden mit den Figuren nachgestellt. An einer Stelle ist Martin Luther bei der Übersetzung der Bibel zu sehen. An einer anderen die Arche Noah, die mit Tieren beladen wird. Zudem werden drei vom Bistum Essen mit Playmobil-Figuren produzierte Kurzfilme gezeigt.

Die Idee, mit Playmobil Essener und kirchliche Geschichte näher zu bringen, stammt von Rainer Teuber. Seit 1995 Besucherführer in der Domschatzkammer, begann er vor circa vier Jahren, Playmobilfiguren mit religiösen Motiven zu sammeln. „Ich fand das toll, dass ein Spielzeughersteller sich mit biblischen Themen beschäftigt“, sagt Teuber über den Beginn seiner Sammelleidenschaft. Teuber hat schon als Kind mit Playmobil gespielt und somit eine besondere Bindung zu den kleinen Plastikfiguren. Er ist damit nicht nur Ideengeber und Kurator, sondern auch noch Verleiher der Ausstellungsstücke, die er sich über die vergangenen Jahre zusammengesammelt hat.

Figuren stehen in Bezug zu Ausstellungsstücken
Foto: Mikolasch

Foto: Mikolasch

„Wenn es möglich war, haben wir das Playmobil in Bezug zu den Ausstellungsstücken gestellt“, sagt Teuber. So stehen Mathilde und Kaiser Otto direkt unter dem Otto-Mathilden-Kreuz, das ein Bild der beiden am Fuße des Kreuzes zeigt. Somit werden feste Bestandteile der Ausstellung zusammen mit Playmobil verknüpft, um für Kinder, aber auch für Erwachsene den Hintergrund des Exponats zu vereinfachen. Nur St. Martin mit einem Martinszug und eine Kirche mit einem sich das Ja-Wort gebenden Brautpaar bekommen eine eigene Vitrine. Alle anderen Bestandteile der Sonderausstellung sind so platziert, dass der Besucher sie betrachten kann, sie aber trotzdem nicht die Sicht auf die anderen Exponate verdecken. „Es ist so dezent, dass sich der Normalbesucher nicht gestört fühlt“, sagt Teuber.

Begleitet wird die Ausstellung von einem Heft, dass, so verspricht es Teuber, auch ohne die Ausstellung funktioniert. Darin erklärt sind die Hintergründe und Geschichten der einzelnen Ausstellungsstücke sowie der Ursprung von Bräuchen und Traditionen. Und wer sich schon immer gefragt hat, wie all die Tiere auf die Arche Noah passen konnten, kann sich jetzt in der Domschatzkammer ein Bild davon machen.

Jan Mikolasch

Gedruckt erschienen im Neuen Ruhr-Wort, Nr. 45, vom 7. November 2015. Ihnen hat unser Bericht gefallen? Sie können unsere Wochenzeitung hier ganz bequem abonnieren.

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