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„Visionen und Orientierung“

Diözesanrat fordert eine lebendige Kirche.
Foto: Schnaubelt

Foto: Schnaubelt

Mülheim. Die Pfarreientwicklungsprozesse prägen derzeit die Diskussionen überall in den Pfarreien im Ruhrgebiet und märkischen Sauerland. Der Diözesanrat der Frauen und Männer im Bistum Essen beschloss auf seiner Vollversammlungen am 30. November in der Katholischen Akademie Die Wolfburg, diese Prozesse mit einem Impulspapier „Visionen und Orientierung“ aktiv zu begleiten.

Ohne Gegenstime beschlossen die Mitglieder der Vollversammlung das Positionspapier „Visionen und Orientierung für die Pfarreientwicklungsprozesse“, welches ausdrücken soll, wie die Laienvertretung „künftig eine lebendige Kirche gestalten möchte“. Die Vertretung der Frauen und Männer im Bistum orientiert sich hierbei bewusst am Zukunftsbild des Bistums und seinen Projekten, möchte aber auch eigene – weitergehende – Akzente setzen. Wörtlich heißt es: „Der Diözesanrat möchte damit einen ermutigenden Beitrag zur Erneuerung der Kirche im Bistum Essen leisten“.
Der Diözesanrat setzt dabei sowohl auf ein „Miteinander mit allen Verantwortlichen des Bistums“ als auch auf eine „gleichberechtigte Beteiligung aller Gremien der Gemeinden und Pfarreien“. Wie dies konkret aussehen könnte, beschreibt die Diözesanratsgeschäftsführerin Mechthild Jansen: „Wir wollen die ‚Visionen und Orientierungen‘ einerseits in alle Pfarreien tragen und beispielsweise bei den Vernetzungstreffen vorstellen und andererseits auch in den Gesprächen mit der Bistumsleitung thematisieren.“ Der Diözesanrat sieht das Positionspapier als Diskussionsgrundlage und als „Impuls zu einer ‚Kultur der gemeinsamen Verantwortung‘ aller Gläubigen.
Die Idee zum Positionspapier ist auf der Diözesanratsvollversammlung im April entstanden. Seitdem hatte eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Diözesanratsvorstandes das Papier als „grundsätzliche Orientierung und Vision für die zukünftige Entwicklung im Bistum Essen“ erarbeitet.

Christian Schnaubelt

Info: Der Diözesanrat hat seine Entschließung vorgelegt, „ausgehend vom II. Vatikanum, das ,das gemeinsame Priestertum aller Getauften‘ und damit die gemeinsame Verantwortung aller Gläubigen für den Auftrag und die Sendung der Kirche (LG 10-13) den Christinnen und Christen zugeschrieben hat“. Er möchte einen Impuls zur „Kultur der gemeinsamen Verantwortung“ geben. Wichtig sei, dass die Kirche im Bistum „lebendig bleibt angesichts der bis 2030 eingeschätzten Entwicklung der Anzahl der Gottesdienstfeiernden, der Seelsorgerinnen sowie von Finanzmitteln, Strukturen und Gebäuden“. Hierbei dürfe es nicht nur ums Sparen gehen: „Bei Finanzüberlegungen sollen pastorale Planungen vorrangig betrachtet werden und dazu beitragen, gute pastorale Arbeit weiterhin zu ermöglichen. Das Subsidiaritätsprinzip der katholischne Soziallehre ist zu beachten. Dies wird nur gemeinsam durch die gleichberechtigte Beteiligung aller Gremien der Gemeinden und Pfarreien erreicht.“

Die positive Vision des Diözesanrates lautet, dass es 2030 es im Bistum „keine Kirchenaustritte mehr“ gebe „und die Zahl der Katho­liken, der Gottesdienstfeiernden und der Anwärter/innen für seelsorgliche Berufe“ deutlich gestiegen sei. „Diese nahe und vielfältige Kirche lebt die Botschaft Jesu überzeugend für alle. Sie wird wirksam durch die Partizipation und Mitverantwortung aller: der Kinder und Jugendlichen, die die Zukunft der Kirche sind, der Menschen, die an den Rändern der Gesellschaft leben, und durch ein generationenübergreifende Miteinander von Jung und Alt.“
Diese nahe und vielfältige Kirche gründe auf fünf Orientierungen:

1. Partizipation und Mitverantwortung: „Alle sind beteiligt und werden beteiligt an der lebendigen Erneuerung der Kirche im Bistum Essen“. Dazu gehört: „Die im Dialog- und Zukunftsbildprozess mit Nachdruck geforderte ,gemeinsame Verantwortung aller‘ wird auch bei der Finanz -und Personalplanung verbindlich berücksichtigt.“ Damit werde das gemeinsame und gleichberechtigte Zusammenwirken aller nicht nur „als strategische, sondern als praktisch gebotene und theologisch zwingende Aufgabe konzipiert und kultiviert“.
2. Kinder und Jugendliche – Zukunft der Kirche: „Kinder und Jugendliche haben vielfältige Möglichkeiten, Kirche zu sein, sie mitzugestalten und darin mitzuwirken.“ Dazu gehört, die Erwartung: „Die bestehenden jugendpastoralen Angebote auf allen Ebenen werden unter der Perspektive der ,Zukunftssicherung’ geprüft, entsprechend personell und finanziell so ausgestattet, dass sie langfristig abgesichert bleiben.“
3. Kirche an den Rändern der Gesellschaft: „In den Pfarreientwicklungsprozessen wird der Satz ,Die Armen sind der Schatz der Kir­che’ ernst genommen.“
4. Nahe Kirche: „ ,Kirche ist für alle da!’, gerade dort, wo Menschen mit ihren existentiellen Fragen und Suchen, mit ihren Fragen nach Gott und nach dem Glauben keinen offenen, vorurteilsfreien Raum vorfinden, sondern den möglichen Druck spüren, sie müssten sich zuerst anpassen.“
4. Jung und Alt im Miteinander – gemeinsam für die Zukunft: „Kirche wird nicht nur als Serviceangebot gesehen, sondern als Gestaltungsraum im aktiven Miteinander von Jung und Alt. Dafür werden Ressourcen eingesetzt, um generationsübergreifend die Frage nach Gott und den Glauben zu besprechen und sich berührend und wirksam darüber austauschenzu können.“    spe

Gedruckt erschienen im Neuen Ruhr-Wort, Nr. 49, vom 9. Dezember 2015. Lesen Sie in der nächsten Augabe einen weiteren Bericht zum Thema Familienpolitik. Sie können unsere Wochenzeitung hier ganz bequem abonnieren.