Revolutionär der Liebe

Ben Becker im Neuen Ruhr-Wort über Gott, Verantwortung und sein neues Bühnenwerk „Ich, Judas“.

Für Ben Becker war Jesus von Nazareth der erste Revolutionär. Und zwar nicht irgendeiner – sondern „ein Revolutionär der Liebe“, wie der vielfach preisgekrönte Charakterdarsteller im großen Interview mit der in Gelsenkirchen verlegten unabhängigen katholischen Wochenzeitung Neues Ruhr-Wort erklärt (Ausgabe vom 27. Februar 2016).

Ben Becker, Jahrgang 1964, der sich selbst als „Kommunist“ bezeichnet, stammt aus einem „68er-Haushalt“ und ist ohne Verbindungen zum christlichen Glauben oder zu anderen Religionen aufgewachsen. Die Auseinandersetzung mit Glaube und Religion sowie die Parallelen zwischen Christentum und Kommunismus, hätten ihn gerade deshalb besonders interessiert, schildert er dem Neuen Ruhr-Wort.

Ben Becker. Foto: Friz Brinkmann

Ben Becker.
Foto: Friz Brinkmann

Entscheidend sei dabei für ihn die Frage: „Wie versteht man die Lehre Christi?“ Becker übersetzt sie auf seine Weise in die heutige Zeit: „Ich finde das spannend, was der Typ gemacht hat! Und der war ja nun auch nicht ohne… Der ist mal eben rausgegangen und hat den Mercedes Benz in Brand gesetzt und gesagt: ,Was wollt ihr mit dem Scheiß?!’ Das kann ich nachvollziehen, das finde ich irgendwie gut. Und deswegen schätze ich den auch so als Revolutionär! Aber als Revolutionär der Liebe…“

Der sonst mit Aussagen über Gott nach eigenem Bekunden zurückhaltende Künstler gibt im Interview mit dem Neuen Ruhr-Wort auch Einblicke in sein Gottesbild – und Menschenbild. So kann es für ihn nicht darum gehen, unsere Schuld oder Verantwortung einer „übergeordneten Figur aufzuladen“. Vielmehr gehe es darum, Gott im anderen Menschen und in der Schöpfung zu sehen und sich der eigenen Verantwortung bewusst zu sein. „Wir sollten erstmal schätzen und lieben lernen, was wir hier haben! Wie unser Gegenüber. Und wir sollten auf unseren kleinen blauen Ball ein bisschen besser aufpassen“, sagt der Vater einer 15-jährigen Tochter. Wenn er auf seine Mitmenschen und in die Natur blicke, sei für ihn klar: „Mehr Gott geht doch nicht!“

„Wir sollten erstmal schätzen und lieben lernen, was wir hier haben! Wie unser Gegenüber. Und wir sollten auf unseren kleinen blauen Ball ein bisschen besser aufpassen.“

Ben Becker, der vielen als der größte Schauspieler seiner Generation und als einer der herausragendsten Charakterdarsteller Deutschlands gilt, ist derzeit mit seinem Stück „Ich, Judas – Einer von Euch wird mich verraten“ auf Tournee. Es ist nach seinem Bühnenprogramm „Die Bibel“ (Erstaufführung: 2008) der zweite biblisch-religiöse große Stoff, den Becker nicht nur verkörpert, sondern auch inszeniert und als Regisseur auf die Bühne gebracht hat. Zu Grunde liegt vor allem „Die Verteidigungsrede des Judas Ischariot“ von Walter Jens sowie der Text „Judas“ (Kapitel 47) von Amos Oz.

„Ich, Judas“ wirft vor allem Fragen auf – Fragen nach Schuld, nach Verantwortung, aber auch nach Unausweichlichkeit. Denn: Ohne Judas’ Verrat wäre der Erlösertod Jesu Christi, der eine alttestamentliche Messiasprophezeihung erfüllte, nicht möglich gewesen. Becker sieht in dem Stück nicht nur universale Menschheitsthemen gespiegelt, sondern auch aktuelle Probleme und Themen – vom Auschwitz-Prozess in Detmold über den NSU-Prozess und Beate Zschäpe bis zu den monumentalen Flüchtlingsbewegungen. „Warum läuft eine Mutter mit ihrem Kind an der Brust zu Fuß über den winterlichen Balkan Richtung Bremerhaven?“, fragt er. „Wer hat die Frau verraten? Die macht das ja nicht aus Spaß!“ Antworten müsse der Zuschauer selbst finden, er könne als Künstler nur die Fragen aufwerfen. „Das sollte man jedenfalls als Theatermensch, als Künstler – wir haben ja irgendwo auch eine Verantwortung“, sagt Ben Becker.

Die nächsten Aufführungstermine von „Ich, Judas – Einer unter Euch wird mich verraten“: 4. und 5. März 2016, Hamburg; 11.-13. sowie 23. März 2016, Berlin; 17. März 2016, Düsseldorf; 18. März 2016, Bochum; 20. März 2016, Leipzig; 17. April 2016, Erfurt; 18. April 2016, Erfurt. Informationen unter www.benbecker.de

Das vollständige Interview lesen Sie unser Ausgabe 8/2016 vom 27. Feburar 2016. Ihnen gefallen unsere Themen? Den ganzen Bericht lesen Sie im Neuen Ruhr-Wort Ausgabe 53/15. Sie können unsere Wochenzeitung hier ganz bequem abonnieren.

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