Bibelfilm-Boom

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Foto: © 2015 Sony Pictures Releasing GmbH

Rund um Ostern stoßen klassischerweise Kinofilme mit biblischen und anderen religiösen Themen auf besonderes Interesse – erst recht in den USA. Auch in Deutschland laufen in den nächsten Wochen einige dieser Filme an.

200 Millionen US-Amerikaner, die sich als bekennende Chris­ten bezeichnen, warten auf das Fest der Auferstehung. Seit einigen Jahren ist das genau die Zeit, in der US-Kinos Filme wie „Heaven Is for Real“ oder „Son of God“ spielen. Der Kollisionskurs, auf dem sich Religion und Hollywood häufig befinden, weicht dann der kommerziellen Einsicht, dass sich mit billig produzierten Bibel- und Bekenntnisfilmen Geld verdienen lässt.

Zum Beispiel, indem man aus dem Nahtod-Erlebnis eines zwölfjährigen Mädchens ein tränenreiches Wunder macht, wie in dem – zumindest laut Werbung – „christlichen“ Film „Miracles from Heaven“, der in Deutschland im Juni unter dem Titel „Himmelskind“ anlaufen wird. Oder in „The Young Messiah“ nach einem Roman der vornehmlich durch Vampir-Bücher bekannten Anne Rice – in Deutschland ab 12. Mai zu sehen als „Der junge Messias“.

Aktuell gehört auch „Risen“ („Auferstanden“) dazu, ein Film, der zehn Jahre in der Entwicklung war und letztlich bei einem Sony-Ableger gelandet ist, der auf „Filme für Kirchgänger“ spezialisiert ist. In Deutschland läuft er seit dem 17. März in den Kinos, also pünktlich vor der Karwoche und Ostern. Natürlich passt es da auch gut in die Strategie, dass Hauptdarsteller Joseph Fiennes vor kurzem bei Papst Franziskus war und nach dem Treffen verkündete, er denke nun über eine Rückkehr zum katholischen Glauben nach.
Ungewöhnlich ist, dass „Auferstanden“ die Perspektive verschiebt, aus der die Geschichte der Kreuzigung und Auferstehung erzählt wird. Die Hersteller versprechen sich viel davon, das biblische Geschehen nicht aus dem Blickwinkel eines Gläubigen, sondern aus dem eines Ungläubigen zu präsentieren. Clavius, ein römischer Centurio, wird von Pontius Pilatus mit „einer Menschenjagd beauftragt, die den Lauf der Geschichte verändert“, heißt es auf dem Filmplakat. Gemeint ist, dass Clavius den Leichnam des auferstandenen Jesus finden soll. Zu Pilatus’ Kummer wird aus dem kampfgestählten Centurio aber ein Gläubiger, nachdem er auf Jesus und die Apostel gestoßen ist und einige Wunder miterlebt hat.

„Nicht wie eine Predigt“

Die Frage bleibt, ob sich die Anstrengung lohnt, eine Mischung aus Bibeltreue und freier Fantasie zu kreieren. Die Antwort der Hersteller ist einfach genug: Viermal haben sie den Film vor großem Publikum getestet und nach Aussage des Produzenten nichts als Begeisterung geerntet. „Was wir sogar von Nicht-Christen und Menschen, die nicht regelmäßig in die Kirche gehen, zu hören bekamen, ist vor allem, dass sie den Film nicht wie eine Predigt empfinden.“ Regisseur Kevin Reynolds wurde bekannt mit Filmen wie „Robin Hood: König der Diebe“ und „Waterworld“ und gab sich in der Tat alle Mühe, „Auferstanden“ von übertriebener Ehrfurcht und Sentimentalität freizuhalten. Nachdem die Kreuzigung anders als in Mel Gibsons Kassenerfolg „The Passion of the Christ“ ohne allzu viel Blutvergießen abgehakt ist, spult er die Handlung eher wie einen in die Historie versetzten Krimi ab: „Game of Thrones“ trifft „CSI“.

Zugegeben, der in letzter Zeit nicht gerade überbeschäftigte Joseph Fiennes, der einst schon Martin Luther spielen durfte, vermeidet das Heldengebaren ähnlicher Figuren. Angenehm zurückhaltend macht er seine schwer zu vermittelnde Wandlung glaubhaft. Ein wirklich guter Film ist dadurch noch nicht entstanden. Aber wohl einer, der wenigstens nicht die anbiedernde Gefühlsklaviatur bedient, die man von vielen hauptsächlich für evangelikale Gemeinden im amerikanischen Hinterland produzierten Filmen gewohnt ist.

Dem anvisierten Publikum hat der Verleih vorab eigens zugeschnittenes Werbematerial geschickt und verbilligte Eintrittskarten angeboten. Empfehlende Worte aus Pastorenmund zeigen ebenfalls Wirkung: An den ersten drei Tagen in den US-Kinos spielte der für 20 Millionen Dollar produzierte Film schon 12 Millionen wieder ein. Das Genre scheint sich zu etablieren. Waren es zunächst nur kleine, unabhängige Herstellerfirmen, die sich auf solche „christlichen Filme“ einließen, sind inzwischen sogar Hollywood-Studios wie Sony und Universal an Bord.

Franz Everschor

Ihnen gefallen unsere Themen? Der Bericht ist gedruckt erschienen im Neuen Ruhr-Wort Ausgabe 11/16 vom 19. März 2016.

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