Revolution in der Kirche?

Aebtissin-web

Machtvolle Kirchenfrau im Mittelalter: die Essener Äbtissin Mathilde leitete das Frauenstift von 971 – 1011. Sie war eine Enkeltochter von Kaiser Otto I. Auf diesem Email-Täfelchen ist sie gemeinsam mit ihrem Bruder Otto, dem Herzog von Bayern und Schwaben, zu sehen. Foto: Domschatz Essen an.

Rom. Papst Franziskus ist immer für Überraschungen gut. Bei einem Treffen mit 870 Ordensoberinnen in Rom äußerte sich der Papst zu einer möglichen Öffnung des Diakonenamtes für Frauen. Auch wenn es bislang keine konkreten Aussagen zur offiziellen Wiedereinführung des Diakoninnenamtes in der katholischen Kirche gibt, sorgen die Äußerungen bereits für große Hoffnungen und rege Diskussionen.

Auf Nachfrage einer Ordenschefin nach der „Rolle geweihter Frauen in der Kirche“ und der Wiedereinführung des Diakonats der Frau, das es in der Urkirche gab, antwortete Franziskus bei dem Treffen, er „möchte eine offizielle Kommission einrichten, die diese Frage durchdenkt. Ich denke, es wird der Kirche gut tun, diesen Punkt zu klären. Ich bin einverstanden und werde darüber reden, damit etwas in dieser Art geschieht.“

Wie immer in solchen Fällen beeilte sich Vatikansprecher Federico Lombardi zu versichern, es sei zu früh, um Aussagen über die genauen Absichten des Papstes zu machen. Es habe sich um eine spontane Äußerung von Franziskus gehandelt. Möglicherweise gehe es schlicht darum, die Rolle von weiblichen Diakonen in der frühen Kirche historisch zu untersuchen, so Lombardi.

Dem widersprach die Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, Schwester Katharina Ganz, die bei dem Treffen anwesend war. Sie sagte gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur, sie könne sich nicht vorstellen, dass der Papst eine rein historische Betrachtung des Themas ohne Konsequenzen für die heutige Praxis der Kirche im Sinn habe. Franziskus habe wörtlich gesagt: „Wir brauchen da mehr Klarheit.“

Verschiedene Verbände und Gremien der katholischen Kirche haben die Ankündigung des Papstes bereits begrüßt, darunter die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB), der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).

Die kfd-Bundesvorsitzende Maria-Theresia Opladen sagte: „Es wäre ein deutliches Signal für die Glaubwürdigkeit der Kirche, wenn in diese Frage sichtbare Bewegung käme. Daher begrüßen wir jeden Schritt in Richtung einer notwendigen Öffnung hin zu mehr Geschlechtergerechtigkeit, wird die Kirche doch an der Basis mehrheitlich von Frauen getragen.“ Die kfd setzt sich seit Jahrzehnten für die Wiedereinführung des Diakonats der Frau ein und ist Mitglied im Netzwerk Diakonat der Frau.

Auch der KDFB ist seit Jahrzehnten für den Diakonat der Frau engagiert. Die Präsidentin, Dr. Maria Flachsbarth, bekräftigte: „Die Zeit ist reif, Frauen zu Diakoninnen zu weihen.“ Die Weihe von Diakoninnen wäre ein sichtbares Zeichen auf dem Weg zu einer partnerschaftlichen Kirche und würde Frauen sakramental stärken, die bereits heute mehrheitlich diakonische Dienste in den Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen leisten, betonte die CDU-Politikerin. „Diakoninnen muss es um der Glaubwürdigkeit der Kirche willen geben. Als ersten Schritt wünschen wir, dass in die vatikanische Kommission eine angemessene Zahl von Theologinnen und diakonisch tätigen Frauen berufen wird.“

Auch der BDKJ setzt sich seit langem für die Zulassung von Frauen zu kirchlichen Ämtern beziehungsweise Weiheämtern ein. Der Bundesvorsitzende Wolfgang Ehrenlechner sagte: „Die fundamentale Gleichheit aller Menschen vor Gott kommt in der Gestalt unserer Kirche noch nicht richtig zur Geltung. Die Prüfung des Diakonats für Frauen ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.“ Viele Frauen wirkten bereits wie Diakoninnen, weil sie die entsprechenden Aufgaben – oft ehrenamtlich – übernehmen. „Die spirituelle Bestätigung ihres Dienstes als Gottesdienst bleibt ihnen bisher aber verwehrt“, kritisiert Ehrenlechner.

Die ZdK-Vizepräsidentin und CDU-Politikerin Claudia Lücking-Michel betonte, dass ein „Diakonenamt light“, bei der Frauen keine Weihe, sondern nur einen Segen erhalten, keine Alternative sei. Lücking-Michel engagiert sich ebenfalls seit langem für den Diakonat der Frau – und für die Gleichstellung der Frau in der Kirche und ihre Beteiligung an der Macht. „Fangen wir mit dem Diakonat der Frau an“, sagte sie einmal. Es gebe keine zwingenden Gründe, die Wiedereinführung des Diakonats der Frau weiter aufzuschieben – „und keine theologischen Argumente dagegen, das Priestertum der Frau nicht direkt hinterher einzuführen“.

Der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper rechnet bereits damit, dass Franziskus’ Äußerungen in der Weltkirche für einigen Wirbel sorgen werden. „Ich glaube, jetzt beginnt eine heftige Debatte“, sagte er der italienischen Zeitung „La Repubblica“.

Hildegard Mathies

 

Info

Kirchenrechtlich sind Frauen derzeit von allen entscheidenden Weiheämtern ausgeschlossen. In der Vergangenheit hatten die Päpste dies stets bestätigt und bekräftigt. Papst Franziskus hatte zwar bislang mehrfach betont, dass Frauen mehr Mitsprache und Mitwirkungsmöglichkeiten in der Kirche erhalten müssten – die Zulassung zur Priesterweihe aber in der Vergangenheit ebenso ausgeschlossen wie seine Vorgänger. Die Nichtzulassung von Frauen zum Priesteramt wurde von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1994 als unabänderliche kirchliche Lehre definiert. Auch Franziskus hat dies mehrfach bekräftigt. Über eine Öffnung des Diakonenamts für Frauen wird jedoch seit längerem diskutiert. Hierzu gibt es bislang nach Ansicht vieler Theologen keine endgültige lehramtliche Entscheidung.

Das Wort „Diakonen“ bedeutet „Diakonen“. In der römischen Kirche der ersten Jahrhunderte wirkten Diakone in der Armen- und Krankenpflege oder als Gehilfen des Bischofs in der Gemeindeverwaltung und beim Gottesdienst. Seit dem fünften Jahrhundert verlor das Amt in der römischen Kirche an Bedeutung. Im Gegensatz zur orthodoxen Kirche wurde in der katholischen Kirche der Diakonat nun zu einer Durchgangsstufe für die Priesterweihe.

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) belebte ihn als Weiheamt neu. Seit 1968 können auch verheiratete Männer in der katholischen Kirche zu „Ständigen Diakonen“ geweiht werden; sie streben also kein Priesteramt an. Ständige Diakone dürfen auch über die Nottaufe hinaus das Taufsakrament spenden und predigen, nicht aber die Messfeier leiten oder Beichte hören.

Auch Frauen waren in der frühen Kirche als Diakoninnen in speziellen Diensten der Gemeinde tätig, beispielsweise in der Glaubensunterweisung, der Armenfürsorge und der Arbeit mit Frauen. Sie hatten aber nach Einschätzung vieler Kirchenhistoriker keine Funktion am Altar. In der lateinischen Westkirche sind Diakoninnen vom 6. bis ins 13. Jahrhundert bezeugt. In der Ostkirche lebte die Tradition der Diakoninnen weiter.

Unter Berufung auf die gleiche Würde der Frauen und das Priestertum aller Gläubigen wurden nach dem Zweiten Vatikanum auch in der katholischen Kirche Forderungen nach einer Diakoninnenweihe von Frauen laut. Die Würzburger Synode der westdeutschen Bistümer (1972-1975) appellierte an den Papst, „die Frage des Diakonats der Frau entsprechend den heutigen theologischen Erkenntnissen zu prüfen“. Die Deutsche Bischofskonferenz lehnte eine Diakoninnenweihe immer wieder mit dem Argument ab, dass eine Teilhabe von Frauen am priesterlichen Weiheamt nicht möglich sei.

2013 regte der deutsche Kardinal Walter Kasper an, über ein eigenes Diakoninnenamt nachzudenken, eine Art „Gemeinde-Diakonin“. Diesem Vorschlag schloss sich der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, an.

Ihnen gefallen unsere Themen? Sie können unsere Wochenzeitung hier ganz bequem abonnieren.

Oder möchten Sie eine Ausgabe zur Probe zum Einzelpreis von 1,95 Euro bestellen? Schreiben Sie an: Aboservice[at]|neuesruhrwort.de 

1 Kommentar zu "Revolution in der Kirche?"

  1. Christian Haarmann | 14. Mai 2016 um 10:56 |

    Einige Formulierungen im Artikel sind doch reichlich irritierend: „Ein Ständiger Diakon ist ein geweihter Laie“ – was für ein Unsinn. Entweder ist er geweiht, dann ist er Kleriker, oder er ist nicht geweiht, dann ist er Laie. Was aber soll ein geweihter Laie sein? Ein schwarzer Schimmel? Noch bedenklicher finde ich die Freud’sche Fehlleistung: „für die Gleichstellung der Frau in der Kirche und ihre Beteiligung an der Macht“ Darum geht es? Um die Macht? Claudia Lücking-Michel sollte dringend ihre Nase ins Evangelium stecken, um zu lernen, dass darum ganz gewiss nicht geht! Im übrigen plädiere ich dafür, doch bitte den Ball flachzuhalten. Der Papst hat zugesichert, eine Kommission einzusetzen, die diese Frage prüft. Kein Grund also, so zu tun, als stünde der Diakonat für Frauen vor der Tür. Was, wenn die Kommission zu einem ablehnenden Ergebnis kommt? Dann ist das Geschrei und Gejammer wieder groß, weil überzogene Hoffnungen geweckt wurden.

Kommentare sind deaktiviert.

Neues Ruhr-Wort

Kostenfrei
Ansehen