„Die Figur hat mich berührt“

Günter Lamprecht in der Oberhausener Lichtburg. Foto: Spernol

Günter Lamprecht in der Oberhausener Lichtburg.
Foto: Spernol

Oberhausen. Der Schauspieler Günter Lamprecht (86) kritisiert die Programmgestaltung im deutschen Fernsehen. „Wir erleben da ja eigentlich nur noch Mord und Totschlag“, sagte der 86-Jährige am Donnerstagabend bei einem Filmgespräch in der Oberhausener „Lichtburg“. An jedem Abend seien „fünf Leichen garantiert“, sagte Lamprecht. „Es reicht, was da produziert wird, zum Teil.“

Der Schauspieler, der von 1991 bis 1995 in acht Folgen den „Tatort“-Kommissar Franz Markowitz verkörperte, kritisierte auch den zunehmenden Hang der Krimi-Reihe zum Komödiantischen: „Wenn ich das sehe in Münster, wo die Leichen auseinandergenommen werden. Da werden Witze gemacht. Wir haben überhaupt keine Respekt mehr vor dem.“ Er sei „sehr betroffen und sehr erschüttert, wo das hingeht mit diesen Sendungen, die war da dauernd schlucken müssen“.

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Lamprecht war einer Einladung zum 1. Oberhausener Katholikentag (3. Bis 11. September) gefolgt, um dort in Kino „Lichtburg“, über seinen Film „Liebfrauen“ zu sprechen, in dem er 1984 den katholischen Pfarrer Philipp Millstatt in einer nicht näher bezeichneten Ruhrgebietsstadt verkörperte. Im Mittelpunkt dieses Fernsehspiels von Johannes Reben steht die Auseinandersetzung mit seiner 70-jährigen Mutter, gespielt von Marianne Hoppe (1909-2002), die ihn nach nach 20 Jahren wiedersieht und  sein Leben als Priester in Frage stellt.

Der gebürtige Berliner Lamprecht war der Einladung gerne gefolgt, zumal er von 1959 bis 1961 am Theater Oberhausener engagiert war und bis heute eine enge Beziehung zu der Ruhrgebietsstadt hat. „Das war eine herausragende und sehr wichtige Figur“, sagte Lamprecht. Nachdem er mit dem Regisseur Rainer Werner Fassbinder dem Mehrteiler Berlin Alexanderplatz abgedreht hatte, habe er das Angebot für „Liebfrauen“ bekommen. Das Drehbuch habe ihn „berührt, die Figur hat mich berührt, die Auseinandersetzung mit der Mutter, ganz stark“, berichtet der 86-Jährige nach der Wiederaufführung des Films in dem Oberhausener Kino. Der Oberhausener Stadtdechant Dr. Peter Fabritz, der das Gespräch mit Lamprecht führte, sagter Film entsprech in großen Zügen  „der priesterlichen Wirklichkeit auch meines Alltags“. Er komme ohen Klischees aus und spreche großartig von der Würde des Menschens.

Der heute fast in Vergessenheit geratene Film, der sich fast nur im Pfarrhaus abspielt, sei harte Arbeit gewesen, erinnerte sich Lamprecht. „Wir hatten nicht diesen äußerlichen Spaß, wir waren alle für diese Wochen, wo wir zusammen waren“, so Lamprecht. Alles seien beseelt gewesen „von diesem Gedanken und wir haben uns diesem Thema voll hingegeben“. Der Film sei authentisch. „Ich bin immer noch beeindruckt.“

Es sei für ihn stets wichtig gewesen „in Stücken, Rollen oder Drehbüchern aufzutreten in denen ich eine Message hatte, also irgendetwas wichtiges, was ich vermitteln konnte.“ Er bekomme immer wieder Rollenangebote, „die ich zurückgebe, weil ich sage, ich möchte bei der Volksverdummung nicht dabei sein“. Derzeit werde ein Film für ihn vorbereitet, in dem er einen einsamen Rentner spiele, der mit der Welt nicht mehr zurechtkomme. „Und ich glaube mit dieser Figur kann ich eine Menge erreichen und auch die Leute etwas nachdenklich stimmen und so verstehe ich meine Beruf als Schauspieler.“ Dann könne er sich morgens in die Augen schauen.

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