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„Berater am Limit“

 

Dr. Jürgen Holtkamp Foto: cde

Dr. Jürgen Holtkamp
Foto: cde

Essen. Der Caritasverband für das Bistum Essen weist auf die „inzwischen unhaltbare Situation“ der Beratungsstellen für zugewanderte erwachsene Migranten hin. „Es besteht die Gefahr, dass die Berater unter der andauernden Überlastungssituation gesundheitliche Schädigungen davontragen, Beratungsstellen geschlossen werden müssen und das nahezu flächendeckende Angebot der Beratungsstellen nicht erhalten werden kann“, sagte Dr. Jürgen Holtkamp, Abteilungsleiter bei der Caritas im Bistum Essen aus Anlass des bundesweiten Aktionstages der Migrationsberatung . Ein Ausbau mit Mitteln des Bundes sei zwingend erforderlich.

Die sogenannte Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) steht allen erwachsenen Migranten offen, die über einen geregelten Aufenthaltstitel und die Berechtigung zur Teilnahme an einem staatlichen Integrationskurs verfügen. Die große Zahl von Flüchtlingen in den Städten des Ruhrbistums „fordert die Wohlfahrtsverbände als Träger der Beratung außerordentlich“. Trotz der stark gestiegenen Zahlen gibt es im Ruhrgebiet nur sieben Vollzeitstellen an acht Caritas-Standorten, in Bochum, Essen, Bottrop, Gelsenkirchen, Gladbeck, Duisburg, Oberhausen und Hattingen.

Im ersten Halbjahr 2016 hat sich die Zahl der Ratsuchenden mehr als verdoppelt. Das Bundesamt erlaube eigentlich nur eine maximale Anzahl von 150 Langzeitberatungen pro Vollstelle, so die Caritas. „Derzeit liegen die Zahlen zwischen 270 und 310 Langzeitberatungen“, sagt  Holtkamp. „Unsere Migrationsberater arbeiten am Limit der persönlichen Belastbarkeit. Diese hochspezialisierte Beratung ist nicht mit einem kurzen Gespräch zu erledigen. Integration ist ein mehrjähriger Prozess, der langfristige Begleitung erfordert. Das gibt es nicht zu Dumpingpreisen“, sagte Holtkamp.

Die Aufgaben der MBE seien Grundlage für eine gelingende Integration: Sie unterstützt erwachsene Zuwanderer, ihre Alltagsprobleme zu bewältigen, vermittelt Hilfen und begleitet Neuzuwanderer. Der Rückgang der Flüchtlingszahlen bedeute keine Entlastung, da Asylsuchende wegen der langen Registrierungs- und Anerkennungsverfahren verzögert in der Migrationsberatung ankommen.

Seit 2005 werden die Migrationsdienste für erwachsene Zuwanderer (MBE) vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanziell gefördert. Damit wird nach Angaben der Caritas ein gesetzlicher Auftrag erfüllt. Die Arbeit wird von den Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege geleistet, in Essen derzeit von der Arbeiterwohlfahrt, dem Caritasverband, dem Diakoniewerk, dem PLANB Ruhr e.V. und dem V.i.B.B.

Viele anerkannte Flüchtlinge sind in den letzten Monaten nach Essen gezogen, berichtet die Caritas weiter. „Zuwanderer aus Syrien bilden mit über 7000 Personen mittlerweile die drittstärkste Community. Mit weiteren Zuzügen ist zu rechnen.“ Und weiter: „ Im Vorfeld der Haushaltsberatungen für das Jahr 2017 werden die Essener Bundestagsabgeordneten persönlich angeschrieben und gebeten, sich dafür einzusetzen, damit die gesamtgesellschaftliche Aufgabe der Integration der Neuzuwanderer gelingen kann und das Ziel selbstständig Leben und Arbeiten in Essen erreicht werden kann.“

rwm