St. Josef gibt seine Kirche auf

Die Kirche St. Josef wurde 101972 an der Buddestraße errichtet. Foto: Spernol

Alle Pfarreien des Bistums Essen sind seit drei Jahren aufgefordert, sich einem Pfarrei-Entwicklungsprozess (PEP) zu stellen und bis 2030 rund die Hälfte ihrer Ausgaben einzusparen. St. Urbanus hat nun am Wochenende erste Zwischenergebnisse veröffentlicht. Mit einem Faltblatt wurden die Gläubigen in den Gottesdiensten der Großpfarrei in den sieben Gemeinden mit ihren derzeit noch insgesamt elf geöffneten Kirchen über erste Schwerpunkte informiert. Demnach seien „zum jetzigen Zeitpunkt noch keine letztgültigen Entscheidungen“ getroffen worden. Und „mit einer Ausnahme“ könne noch nichts über die Schließung oder Veräußerung von Kirchengebäuden und Gemeindezentren mitgeteilt werden.

Das ehemalige Pfarrhaus an der Feldhauser Straße. Foto: Spernol

Konkrete Pläne gibt es allerdings für den Standort der Gemeinde St. Josef, zu deren Gebiet Bülse, Scholven und Oberscholven gehören. Hier sollen die 1972 errichtete Kirche und das dazugehörige Gemeindezentrum inklusive der Wohnungen an der Buddestraße aufgegeben werden. Stattdessen sollen zwei kleinere Immobilien neu hergerichtet werden.

Die Gemeinde habe sich „schon lange bevor im Bistum Essen die Pfarrei-Entwicklungsprozesse angestoßen wurden“ mit der Erarbeitung einer Gemeindevision begonnen und diese Ergebnisse nun in den Gesamtprozess eingebracht, heißt es. Als „sozialraumorientierte Gemeinde“, die unter andere durch das Quartiersprojekt der Caritas gut im Stadtteil vernetzt sei, benötige sich nach eigener Einschätzung keine großen Gebäude mehr.

Zum einen solle das ehemalige Pfarrhaus an der Feldhauser Straße 208 zu einem sozialkirchlichen Zentrum umgebaut werden, an dem die caritativen Angebote der Gemeinde einen festen Ort haben sollen. Das benachbarte ehemalige Schwesternhaus mit seiner bereits vorhandenen Kapelle solle als Standort für spirituelle Angebote wie Gottesdienste an Werktagen genutzt werden.

Im ehemalige Pfarrhaus waren zwei Wohnungen vermietet worden. Eine Mieterin ist indes bereits ausgezogen, ihre Nachbarn befinden sich derzeit in den Vorbereitungen zum Auszug. Das ehemalige Schwesternheim befindet sich auf dem angrenzenden Gelände des Don-Bosco-Kindergartens. Nach den Vorstellungen der Gemeinde könnte das Kirchengrundstück an der Buddestraße für den Bau von seniorengerechten Wohnungen oder einer Pflegeeinrichtung freigegeben werden, an denen es in Scholven mangele.

Das ehemalige Schwesternheim mit Kapelle am Don-Bosco-Kindergarten. Foto: Spernol

Insgesamt gesehen sollen „in möglichst vielen Stadtteilen unserer Pfarrei Standorte erhalten bleiben beziehungsweise nach Bedarf umgebaut werden“, heißt es. Dies müssten jedoch „nicht unbedingt Kirchengebäude“, sondern könnten auch „andere Versammlungsorte“ sein. In der Buerschen Innenstadt wird ein „citypastorales Konzept“ entwickelt. Dem jugendpastoralen Zentrum („JuHu“), zurzeit an der St.-Ludgerus-Kirche an der Horster Straße angesiedelt, sollen „weiterhin geeignete Räumlichkeiten und Ressourcen zur Verfügung gestellt werden“. Noch werde geprüft, „in welcher Weise und welchem Ort ein ökumenisches Zentrum weiterbestehen kann“.

Die Pfarrei St. Urbanus möchte künftig an möglichst vielen Standorten „als Kirche präsent und damit nah bei den Menschen sein“. Gleichwohl solle in der Großpfarrei, die vor mittlerweile zehn Jahren gebildet wurde, das „Kirchturmdenken“ überwunden werden. Man wolle „noch enger zu einer Gemeinde zusammenwachsen“.

Deshalb sollen in Zukunft „wesentlich mehr Gelegenheiten geschaffen und befördert werden“, um sich „über die alten Gemeindegrenzen hinweg zu begegnen“. Dazu gehörten zum Beispiel regelmäßige Pfarreigottesdienste. Ob auch auf die Abgrenzung einzelnen Gemeinden mit eigener Leitung und eigenen Gremien verzichtet werden können „muss noch gut überlegt und geprüft werden“, heißt es im Zwischenbericht der Pfarrei.

Schon jetzt kündigt die Pfarrei für den 21. Januar kommenden Jahres eine Pfarreiversammlung um 15.30 Uhr in der Propsteikirche St. Urbanus an. Bis dahin wird das pastorale Zukunftskonzept fertiggestellt sein. „Es soll dann umfassend vorgestellt und die Entscheidungen über konkrete Standorte bekanntgeben werden.“ Nach einer kurzen Phase, in der „noch kleinere Anpassungen“ vorgenommen werden könnten, soll das Votum am 28. Februar 2018 „zur endgültigen Entscheidung dem Bischof vorgelegt werden“.

Eine offene Zukunftswerkstatt oder Arbeitsgruppen, wie es sie in den anderen drei Gelsenkirchener Pfarrein und auch in den Nachbarstädten bereits gab und an der sich alle Gläubigen der Pfarrei beteiligen konnten, ist in St. Urbanus offenbar nicht geplant. Das Bistum Essen hatte für den PEP indes vorgegeben, „möglichst viele Menschen an den Überlegungen zur künftigen Gestalt der Kirche in ihrem Ort oder Stadtteil beteiligt werden“ sollten. Urbanus ist mit rund 34 000 Katholiken die größte Pfarrei in Deutschland.

Boris Spernol
Neues Ruhr-Wort

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