Gericht: Basta mit dem „Gott der Pasta“

Spaghetti

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Templin in der brandenburgischen Uckermark liegt zumeist im Schatten des öffentlichen Interesses. Erwähnung findet das Landstädtchen allenfalls, weil dort die evangelische Pfarrerstochter Angela Merkel ihre Jugend verbrachte. Doch auch sonst unbedeutende Orte können das Zeug zum Ursprung einer Weltreligion haben. Man denke nur an das biblische Bethlehem. Das mochten sich die Jünger der „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters“ gedacht haben. Sie erkoren Templin aus, um sich die Gleichberechtigung mit den Kirchen zu erstreiten.

Mit Straßenschildern wiesen sie auf ihre wöchentlichen „Nudelmessen“ hin, in denen sie ihre Verehrung der Teigwaren mit Gerstensaft zelebrieren, und das gleich unter den Ankündigungen für christliche Gottesdienste. Dies rief Brandenburgs Landesbetrieb für das Straßenwesen auf den Plan. Er versagte der Handvoll „Pastafaris“, wie sich die Anhänger des „Spaghetti-Monsters“ nennen, die Genehmigung für ihren Schild(bürg)erstreich.

Mögen ihre „religiösen“ Gebräuche auch einem südländischen „dolce vita“ entspringen, beseelt sind sie von einem germanisch-resoluten Rechtsempfinden. Nach einer – vergeblichen – Klage vor dem Landgericht Frankfurt/Oder zogen sie vor das Brandenburgische Oberverwaltungsgericht. Doch auch diese Instanz zeigte nun keine Einsicht. Sie sprach dem Verein die Eigenschaft einer Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft ab. Es fehle der Gottesbezug oder ein konsistentes Gedankensystem, das sich umfassend mit Fragen nach dem Wesen und Sinn der Welt und der Existenz des Menschen befasse und daraus zu Werturteilen gelange. Da zog das Argument nicht, dass sich die Anhänger des „Spaghetti-Monsters“ einst als Reaktion auf US-Kreationisten gründeten, die gegen die Evolutionstheorie sind.

Nach Art der großen Religionsstifter geben die „Pastafaris“ auch jetzt nicht klein bei. Weil das Oberlandesgericht keine Revision zuließ, wollen sie beim Bundesgerichtshof eine Nichtzulassungsbeschwerde einreichen. Bis dahin dürfen aber keine Schilder darauf hinweisen, wann das „Monsterunser“ ertönt, um künftig Justitia günstig zu stimmen.

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