Kierspe erhält Papst-Relique

St.-Josef-Kirche in Kierspe. Foto: Görlitzer

St.-Josef-Kirche in Kierspe. Foto: Görlitzer

Die Gemeinde St. Josef im sauerländischen Kierspe freut sich auf ein ganz besonderes Ereignis: Sie bekommt eine Reliquie ersten Grades des heiligen Papstes Johannes Paul II. (1978-2005). Überreicht wird diese in einem feierlichen Pontifikalamt am Sonntag, 3. September, von Mieczyslaw Mokrzycki, seit 2008 Erzbischof von Lemberg in der Ukraine. Die heilige Messe, an der auch Domkapitular Johannes Broxtermann aus Lüdenscheid teilnimmt, beginnt um 10 Uhr.

Wie Gemeindepastor Gregor Myrda dem Neuen Ruhr-Wort erklärte, handele es sich bei dieser Reliquie um Haare des 2005 verstorbenen und 2014 heiliggesprochenen Papstes Johannes Paul II. Sie sollen künftig in einem Reliquien-Gefäß neben dem Marienaltar und damit am Ende des Kreuzwegs ausgestellt werden und sind damit stets zu den Öffnungszeiten der Kirche zugänglich. Der Erzbischof von Lemberg spricht laut Myrda in seinem Anschreiben an die Gemeinde den Wunsch aus, dass die Verehrung der Reliquie des heiligen Johannes Paul II. dazu führen möge, „auf seine Fürbitte hin Gnaden zu empfangen und ihn im Glauben und im Eifer nachzuahmen.“

Mieczyslaw Mokrzycki war von 1996 bis 2005 Sekretär von Papst Johannes Paul II. und auch Papst Benedikt übernahm ihn als zweiten Sekretär neben Georg Gänswein, bis Mokrzycki 2007 zunächst Koadjutorerzbischof und 2008 Erzbischof von Lemberg wurde. Dass er nun im Rahmen eines Deutschlandbesuches auch ins sauerländische Kierspe kommt und eine Reliquie des heiliggesprochenen Papstes an die Gemeinde übergibt, ist durch die persönlichen Kontakte zu Gregor Myrda zustande gekommen. Neben seiner Tätigkeit als Gemeindepastor in Kierspe ist Myrda auch Renovabis-Beauftragter des Bistums Essen für Osteuropa. Myrda ist stolz, dass seine Gemeinde diese Reliquie bekommt: „Es bleibt zu wünschen, dass die Spuren Christi, die der heilige Papst Johannes Paul II. hinterlassen hat, auch in unserer Zeit und bei uns heutigen Menschen heilsame Wirkung zeigt“, sagt er und lädt alle Interessierten ein, die heilige Messe zur Übergabe der Reliquie mit seiner Gemeinde zu feiern.

Der Pastor erinnert in diesem Zusammenhang an die Bedeutung von Papst Johannes Paul II., der sich während seines 26-jährigen Pontifikats immer wieder für die Ökumene, die Einheit der Christen, den Dialog der Weltreligionen, für Aussöhnung und Frieden in der Welt eingesetzt habe. Herausragende politische Bedeutung komme seinem Kampf gegen kommunistische Machthaber zu. Besonders seine Reisen nach Polen und seine Unterstützung der antikommunistischen politischen Gewerkschaft „Solidarnosc“ hätten den politischen Umbruch in Polen beeinflusst und seien mit ein Auslöser für den Zusammenbruch des gesamten kommunistischen Machtbereiches und der Wiedervereinigung Deutschlands gewesen.

 

„Es bleibt zu wünschen, dass die Spuren Christi, die der heilige Papst Johannes Paul II. hinterlassen hat, auch in unserer Zeit und bei uns heutigen Menschen heilsame Wirkung zeigt“

Ein großes Herzensanliegen sei für ihn die christliche Jugend gewesen, die er auf all seinen Reisen besonders angesprochen habe. Papst Johannes Paul II. habe außerdem durch sein ganz persönliches Glaubenszeugnis im Leben und Sterben überzeugt, indem er dem Attentäter, der ihn am 13. Mai 1981 mit drei Kugeln in den Unterleib schwer verletzt hatte, noch auf dem Krankenbett vergeben habe. Als sich 2005 sein Gesundheitszustand dramatisch verschlechterte, habe er sich nicht aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und auch so bewusst ein Zeichen gesetzt, sagt Myrda.

Bettina Görlitzer

Info

Reliquien („relinquere“: „zurücklassen“, „Überbleibsel“) sind sichtbare Spuren, Zeichen, die Jesus Christus in unserer Welt gelassen hat, die in und für jede Zeit heilsame Wirkungen hervorrufen können. Für Gläubige bedeuten „Überbleibsel“ herausragender christlicher Persönlichkeiten (Heilige) neben der ansteckenden Erinnerung an ihr vorbildliches christliches Leben auch die Hoffnung, dass der Heilige bei Gott Hilfe und Segen erbittet. Indem wir mit einem Heiligen in „Tuchfühlung“ kommen, treten wir durch ihn mit Gott in Berührung. Wichtig ist, dass eine erfahrene Hilfe nicht der (magischen) Wirkung eines Gegenstandes, sondern der Fürbitte des Heiligen zugeschrieben wird.

Ihnen gefallen unsere Themen? Hier geht es zum bequemen Print-Abo!