„Die Menschen haben Angst vor dem Fremden“

Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende. (Foto: privat)

Die rassistische Anfeindungen gegen Olivier NdjimbiTshiende (68) als Pfarrer in Zorneding sorgten 2016 für Aufsehen. Lokalpolitiker der CSU traten zurück, ein Rentner wurde wegen Volksverhetzung verurteilt. Tshiende verließ die Pfarrei, ging nach Eichstätt und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Nun hat er ein Buch mit dem Titel „Und wenn Gott schwarz wäre … – Mein Glaube ist bunt!“  vorgelegt. Im Interview erzählte er Neues Ruhr-Wort über seine Erlebnisse, seinen Glauben und sein Buch.

Nachdem Sie die Gemeinde in Zorneding verlassen haben, haben Sie sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Jetzt haben Sie Ihr Buch veröffentlicht und geben wieder Interviews. Warum haben Sie sich dazu entschieden?

Die Erlebnisse und Erfahrungen in Zorneding haben mich zum Nachdenken gebracht. In meiner Ruhepause habe ich sehr viel darüber nachgedacht, wie Christen sich so verhalten können, dass sie trotz des höchsten Gebots der Liebe den Hass im Herzen pflegen. Deswegen habe ich mich mit den Worten der Bibel und unserem Leben vor allem theologisch, philosophisch und soziologisch auseinandergesetzt. Das, was ich neu entdeckt habe, möchte ich mit meinem Buch auch Anderen mitteilen. Damit wir uns über unsere Gesellschaft und das Christ- und Menschsein Gedanken machen können.

Was bedeutet der Titel Ihres Buchs? Was wäre, wenn Gott schwarz wäre?

Die rassistischen Vorfälle in Zorneding waren ja der Auslöser für das Buch. Wenn Gott schwarz wäre, wäre der Rassismus ganz deutlich sinnlos, machtlos und erfolglos. Aber nicht etwa weil Gott schwarz ist, sondern weil er die Liebe verkörpert. Egal welche Hautfarbe er nach unseren Vorstellungen hat, er ist die Liebe. Wenn Gott uns alle nach seinem Abbild geschaffen hat, bekämpft quasi jeder, der andere Menschen bekämpft, auch sich selbst. Jeder Mensch ist gleich, das möchte ich damit sagen.

 

Liebe Leserinnen und Leser,

wir freuen uns, dass Sie sich für unsere journalistischen Angebote interessieren.

Lesen Sie das vollständige Interview hier oder in unserer gedruckten Ausgabe 39/2017


Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende. (Foto: privat)

Ein mutiges Plädoyer für die Kirche

„Wir schicken dich du Arschloch nach Auschwitz. Du Nigger!“, steht auf der Postkarte, die Olivier Ndjimbi-Tshiende im November 2015 aus seinem Briefkasten holt. In den nächsten Monaten werden die Drohungen gegen den Pfarrer in Zorneding noch heftiger. Unter Polizeischutz geht er in die Kirche der Gemeinde St. Martin, um seinen Gottesdienst zu halten. Ein unbekannter Mann steht zitternd vor Zorn vor dem Altar, lässt den Pfarrer während der Messe nicht aus den Augen, lehnt unentwegt an einer Säule. Am Ende bleibt es bei einer hitzigen Diskussion mit dem Unbekannten. Doch die Drohungen der nächsten Wochen machen dem Pfarrer das Gemeindeleben zunehmend schwerer. Der Abschied aus Zorneding folgt schließlich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion. Das Ordinariat ruft ihn an: „Bereiten Sie bitte vor, was Sie mitnehmen können!“ Im Schutz der Dunkelheit verlässt Ndjimbi-Tshiende den bayrischen Ort mit einem Koffer und einer Büchertasche.
Das erste Kapitel seines Buchs liest sich wie ein Krimi. Ein bayrischer Krimi, der in der kleinen Gemeinde rund 20 Kilometer von München leider genau so passiert ist. Detailliert, aber pointiert erfährt der Leser von den Ereignissen, die zur Flucht des Pfarrers geführt haben. Es ist ein Einstieg, de…
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