Greenpeace-Proteste verzögern Kirchenabriss

(c) Bernd Lauter/Greenpeace

Aktivisten von Greenpeace haben am Montag den Abriss des „Immerather Doms“ verzögert. Mindestens sechs Personen haben sich am Montagmorgen an die Fassade der Kirche Sankt Lambertus und einen Bagger gekettet. Gegen Mittag holten Polizeikletterer sie von der Fassade und beendeten die Aktion. Kirche und Dorf Immerath stehen auf dem Gebiet des Braunkohletagebaus Garzweiler II, der von RWE Power betrieben wird.

Ortspfarrer Werner Rombach verwies auf die Verantwortung für die Umwelt und forderte, „Alternativen bei der Energieversorgung“ zu nutzen. Es sei daher ein gutes Zeichen, „wenn der zeitliche Ablauf des Abrisses ein wenig gestört“ werde und der Protest Menschen aufmerksam mache. Am Mittag starteten dann zwei Bagger die Rückbauarbeiten am Chor des Kirchenschiffs. Trotz Verzögerung soll der geplante Zeitrahmen von zwei Wochen nach Angaben des Energieunternehmens RWE Power eingehalten werden. Rund um die Kirche protestierten die Aktivisten mit Transparenten wie „Tagebau stoppen! Rote Linie A61“ und „Wer Kultur zerstört, zerstört auch Menschen“ gegen den Braunkohleabbau und für den Erhalt von heimischen Kulturgütern.

Abriss als Symbol überholter Energiepolitik,

In den vergangenen Tagen hatte die Forschungsstelle Glasmalerei nach eigenen Angaben 14 der 42 Glasfenster der Lambertus Kirche ausgebaut. 16 Glasfenster befänden sich noch im Dom und seien damit verloren, darunter das figürliche Fenster „Heilige Agathe“ des Mönchengladbacher Glasmalers Ernst Jansen-Winkeln. Ortspfarrer Werner Rombach rechnet nach eigenen Worten nicht damit, dass viele Immerather den Rückbau der Kirche mit ansehen werden. Vielmehr seien hauptsächlich Fremde da. Die Emotionen seien nicht mehr so groß wie beim Entwidmungsgottesdienst vor drei Jahren, betonte er. Die Immerather hätten mit der Aktion weitgehend abgeschlossen und blickten nach vorne. Dennoch freue es ihn, dass die Kirche jetzt mit den Protesten „noch einmal so eine Rolle spielt“.

RWE schaffe in Immerath Fakten, während in Berlin zur gleichen Zeit über ein mögliches Ende der Kohlenutzung beraten wird, kritisierte die Umweltorganisation. Anike Peters, Energieexpertin von Greenpeace erklärte: „Es ist unglaublich, dass ausgerechnet eine CDU-geführte Landesregierung die Zerstörung von Kirchen für den Kohleabbau zulässt, während sie zugleich in Berlin über den Kohleausstieg verhandelt. Greenpeace fordert einen schrittweisen, sozialverträglichen Kohleausstieg bis zum Jahr 2030.“ Der Abriss der Kirche in Immerath sei das Symbol einer Energiepolitik, die längst überholt ist. „RWE baggert Menschen Haus und Hof weg“, so Peters. „Dabei ist klar: Das Klima muss geschützt werden, und ein Kohleausstieg ist dafür unvermeidbar.“

Das Gotteshaus mit der Doppelturmfassade ist eines der letzten Überbleibsel von Erkelenz-Immerath, einem bereits weitgehend abgerissenen Ort im nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg. Am 13. Oktober 2013 wurde in Sankt Lambertus die letzte Messe gelesen. Nach ihrer Entwidmung wurde die katholische Kirche an RWE Power verkauft. Das Dorf wird seit 2006 wenige Kilometer weiter nach „Immerath neu“ umgesiedelt. Im alten Dorf leben nur noch wenige Landwirte. In „Immerath neu“ wurde eine Kapelle Sankt Lambertus errichtet.

spe/rwm/kna

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