Westfälischer Friedenspreis für Baltenstaaten und Pfadfinder

Pfadfinder bringen das Friedenslicht (Foto: RDP/RdP/R. Adloff)

Der Internationale Preis des Westfälischen Friedens geht in diesem Jahr an die baltischen Staaten und die Pfadfinder. Die Auszeichnung ist mit 100.000 Euro dotiert und wird je zur Hälfte unter den Preisträgern geteilt, wie die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe (WWL) am Mittwochabend in Münster mitteilte. Am 14. Juli findet die Verleihung im Rathaus in Münster statt. Die internationale Jury würdigte die baltischen Staaten für ihre besonderen Bemühungen um Integration in Europa. „Aufgrund ihrer exponierten Lage als nördliche ‚Außenposten’ der EU sind Estland, Lettland und Litauen heute nicht frei von einer möglichen Verwundbarkeit“, so die Begründung. Das Thema Frieden bewege die Bevölkerung in den baltischen Ländern seit ihrer Unabhängigkeit in den 1990er-Jahren.

Zu den Pfadfindern erklärte die Jury, sie wollten als weltgrößte Jugendbewegung „zu einer friedensorientierten Entwicklung junger Menschen beitragen“. Mit gemeinsamen Werten wie dem gleichberechtigten Zusammenleben, der Toleranz gegenüber anderen und dem Respekt vor der Umwelt bauten die Pfadfinder auf dem Ideal auf, dass „alle Menschen in Frieden miteinander leben können“. „Die Auszeichnung ist eine schöne Bestätigung unserer Arbeit“, sagte Sebastian Ritter. DPSG-Diözesanvorsitzender im Bistum Essen dem Neuen Ruhr-Wort. „Pfadfinder sind eine weltweite Jugendbewegung, Völkerverständigung ist Teil unserer Verbands-DNA.“ Im Bistum Essen gebe es rund 1000 ehrenamtliche junge Menschen, „die diesen Verband am Laufen halten, damit Kinder soziale Interaktionsformen lernen, sodass es zu einem friedlichen Miteinander kommt.“ Für Ländergrenzen, Religionen und Konfessionen hinweg lebten Pfadfinder gemeinsamen Werte und schöpften aus gemeinsamen Erfahrungen.

Mit rund 7000 Mitgliedern in 100 Stämmen sei die Zahl der DPSG-Pfadfinder im Bistum zuletzt sogar leicht gestiegen. „Das Thema der Pfadfinderei scheint an Aktualität über ein Jahrhundert hinweg nicht verloren zu haben. „Bei uns ist jeder willkommen, unabhängig von einer bestimmten Leistung“. Das oberste Ziel sei es, Kinder und Jugendlichen zu Selbständigkeit zu verhelfen und ihnen die Möglichkeit geben „sich als Teil einer sozialen Gruppe zu erleben und hierbei auf reflexive und gesichtswahrende Art und Weise zu erfahren, wie man in einer Gruppe wirkt.“

Der Preis des Westfälischen Friedens wird seit 1998 alle zwei Jahre vergeben. Stifterin ist die Wirtschaftliche Gesellschaft Westfalen und Lippe, ein Zusammenschluss von Unternehmern. Die Auszeichnung erinnert an den Westfälischen Frieden, der 1648 in Münster und Osnabrück geschlossen wurde. Das historische Vertragswerk besiegelte das Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648).

Die Auszeichnung ehrt Persönlichkeiten und Institutionen, die zum Vorbild für Friedensarbeit geworden sind. Auch junge Menschen, die sich für politische, soziale und ökologische Versöhnung einsetzen, gehören zu den Preisträgern. Zu den bisher Ausgezeichneten zählen der ehemalige tschechische Staatspräsident Vaclav Havel, Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD), Dirigent Daniel Barenboim und die Sternsinger. 2016 ging der Preis an Jordaniens König Abdullah und die Aktion Sühnezeichen Friedensdienst für ihre Jugendarbeit.

spe/kna

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