Kirchen schließen Grabeskirche aus Protest gegen Politik Israels: „Genug ist genug“

(Foto: pixabay)

Warten vor verschlossenen Toren? Das passiert an der Jerusalemer Grabeskirche so gut wie nie. Am Sonntag aber schlossen die Kirchenführer die Heilige Stätte aus Protest gegen die israelische Politik.

Aus Protest gegen die israelische Politik gegenüber den Kirchen haben örtliche Kirchenführer die Grabeskirche in Jerusalem bis auf weiteres geschlossen. Die „systematische und offensive Kampagne“ gegen Kirchen und Christen habe mit der Ankündigung der Verantwortlichen in Jerusalem, Kircheneigentum wegen angeblicher Steuerschulden zu beschlagnahmen, „ein ungekanntes Ausmaß“ erreicht, heißt es in einer am Sonntag vom griechisch-orthodoxen Patriarchen Theophilos III. öffentlich verlesenen Erklärung. Zu den Unterzeichnern gehören neben Theophilos auch Franziskanerkustos Francesco Patton sowie der armenische Patriarch Nourhan Manougian.

Die Forderung nach einer Steuerpflicht widerspreche der historischen Stellung der Kirchen in Jerusalem, so die Kirchenführer. Die Maßnahmen der Stadt „brechen bestehende Abkommen und internationale Verpflichtungen, die die Rechte und Privilegien der Kirchen garantieren“. Das Vorgehen Israels gegen die Kirchen gipfele in dem geplanten Gesetz der Parlamentsabgeordneten Rachel Azaria, das am Sonntag vom zuständigen Ministerrat beraten werden soll. Es sieht vor, dem Staat die Enteignung von an Privatinvestoren verkauftem Kirchenland zu ermöglichen. „Dies erinnert uns alle an Gesetze ähnlicher Natur, die gegen die Juden in den dunklen Zeiten in Europa erlassen wurden“, so die drei Kirchenvertreter.

Opfer des auf die „Schwächung der christlichen Präsenz“ angelegten Vorgehens seien verarmte Familien, „die ohne Nahrung und Wohnung ausgehen, ebenso wie die Kinder, die nicht mehr zur Schule gehen können“. Die Grabeskirche in der Jerusalemer Altstadt zählt zu den wichtigsten Orten der Christenheit und ist jedes Jahr Ziel Hunderttausender Besucher. Christen verehren dort den Ort der Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung Jesu. Die Kirche ist heute gemeinsamer Besitz verschiedener Konfessionen. Die größten Teile entfallen auf griechisch-orthodoxe, westlich-katholische (lateinische) und armenisch-orthodoxe Christen. Die drei Kirchen teilen sich die Besitzrechte und sind für den Status quo sowie die Verwaltung der heiligen Stätten im Heiligen Land verantwortlich.

Laut der Stellungnahme handelt es sich bei der Schließung der Grabeskirche um einen Präzedenzfall. Vertreter der Franziskaner und des lateinischen Patriarchats bestätigten hingegen gegenüber der Katholischen Nachrichen-Agentur (KNA), dass es bereits 1990 während der ersten Intifada sowie 2000 während der zweiten Intifada ähnliche Schließungen der Kirche als Zeichen der Solidarität mit den Palästinensern gegeben habe.

kna

 

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Warten vor verschlossenen Toren? Das passiert an der Jerusalemer Grabeskirche so gut wie nie. Am Sonntag aber schlossen die Kirchenführer die Heilige Stätte aus Protest gegen die israelische Politik.

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Es ist der jüngste Akt im sich verschärfenden Streit zwischen Kirchenführern und israelischen Autoritäten um kirchliches Eigentum und dessen Besteuerung: Die Schließung der Grabeskirche. Am Sonntagmittag drängten sich Dutzende Journalisten und Pilger vor den verschlossenen Toren. „Bis auf weiteres“ und „als Maßnahme des Protests“ habe man sich zu diesem „beispiellosen Schritt“ entschlossen, verlas der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilos III. im Beisein des Franziskanerkustos Francesco Patton und des Vertreters des armenischen Patriarchen Nourhan Manougian, Erzbischof Sevan Gharibian, die Erklärung der drei Kirchen.
„Genug ist genug – Stoppt die Verfolgung der Kirchen“, war auf großen Transparenten zu lesen. Der Protest der Kirchenführer gilt jüngsten Maßnahmen der Stadt Jerusalem, Kommunalsteuern für Kirchenbesitz einzutreiben sowie einem Gesetzesvorhaben, das den Verkauf von Kirchenland betrifft. In den Augen der Kirchen ist dies der bisherige Höhepunkt einer „systematischen Kampagne gegen die Kirchen und die christlichen Gemeinschaften im Heiligen Land“ sowie eine „schamlose Verletzung des bestehenden Status quo“. Missbrauch, Diskriminierung, Rassismus: Die Wortwahl in der kirchlichen Stellungnahme ist nicht zimperlich. Auf Kosten der ärmsten christlichen Familien würde…
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