Wenn der Buchsbaumzünsler wütet

Kaum ein Buchsbaum, der nicht dem großen Fressen zum Opfer fiel. Kahle Astgerippe statt der immergrünen Zweige, die hierzulande meist den Palmzweig stellen. Schlechte Zeiten für Bastler – doch es gibt Alternativen.

(Foto: Bernhard Friesacher / pixelio.de)

Der immergrüne Buchsbaum steht im Christentum als Symbol für das ewige Leben – doch derzeit erinnern viele der bis aufs Astgerippe abgefressenen Buchsbaumpflanzen eher an Gevatter Tod. Schuld ist der Buchsbaumzünsler, der sich seit einigen Jahren in Mitteleuropa verbreitet. 2006 wurde er erstmals in Baden-Württemberg, bald darauf auch in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gesichtet. 2017 breitete sich der in China beheimatete Zünsler, ein weißer Falter mit dunklem Saum, rasant im ganzen Bundesgebiet aus. Das ist tragisch für Gärtner und Naturliebhaber und stellt auch viele Kirchgänger in diesem Frühjahr vor ein Problem. Denn am 25. März ist „Palmsonntag“ – der erste Tag der Karwoche, der an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnert. Der Evangelist Matthäus schreibt über den Ritt Jesu auf einem Esel vom Ölberg hinunter in die Stadt: „Viele Menschen breiteten auf dem Weg ihre Kleider aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf die Straße.“ Daher stammt der Brauch der Palmzweige, die zu Beginn der Palmsonntagsliturgie gesegnet werden.

Hierzulande werden dafür zumeist Buchsbaumzweige oder Weidenkätzchenbüschel verwendet. In vielen Gemeinden ist das Basteln der Palmzweige mit Kindern ein fester Brauch. Die Zweige werden an das obere Ende eines Stocks gebunden, etwa mit bunten Papierbändern, ausgeschnittenen Pappvögeln oder ausgeblasenen Eiern geschmückt und später während der Palmsonntagsprozession mitgeführt. Anschließend nimmt man die Sträußchen mit nach Hause und steckt sie dort als Zeichen des Lebens hinter ein Kreuz, in manchen Gegenden auch in Viehställe oder auf Ackerflächen. Sie sollen Unheil abwenden und etwa vor Seuchen oder Missernten schützen. Erst am Aschermittwoch des folgenden Jahres werden die Palmzweige abgenommen und verbrannt. Mit der Asche zeichnen sich die Gläubigen an diesem Tag ein Kreuz auf die Stirn. Fünfeinhalb Wochen lang müssen Haus und Hof dann ohne den Segen des Palmzweigs auskommen, bevor der nächste geweiht wird.

Doch in diesem Jahr droht der Buchsbaumzünsler allen Palmzweigbastlern einen Strich durch die Rechnung zu machen. Bereits im vergangenen Sommer herrschte bundesweit rasantes Buchsbaumsterben. Kaum eine Pflanze, die dem großen Fressen nicht zum Opfer fiel. Die Übeltäter sind die Larven des Zünslers. Das Weibchen legt seine Eier auf den Buchsbäumen ab; die schlüpfenden Raupen fressen zunächst sämtliche Blätter, später auch die Rinde – die Pflanze stirbt in kurzer Zeit ab. Zurück bleiben weiße Gespinste und traurige Pflanzenskelette. Das Bekämpfen des Zünslers ist schwierig. An kleinen Buchsbäumen kann helfen, die Raupen abzusammeln. Bei größeren Pflanzen bleibt nur der Einsatz von Spritzmitteln. Das Umweltbundesamt empfiehlt biologische Mittel auf Basis des Bakteriums Bacillus thuringiensis, das für die meisten Nützlinge harmlos ist. Chemische Pflanzenschutzmittel seien hingegen nur bedingt wirksam; unter anderem, weil die gegen den Zünsler zugelassenen Produkte nur zweimal je Kultur angewendet werden dürfen – der Falter aber in der Regel drei Generationen im Jahr hervorbringt. Zudem seien viele chemische Wirkstoffe giftig für Fische und andere Wasserlebewesen und könnten durch Wind und Verdunstung in Gewässer oder Kanalisation gelangen.

Was also tun, wenn das Basteln der Palmzweige ansteht, aber im Garten nur traurige Buchsbaumleichen ihre trockenen Äste gen Himmel recken? Es gibt Alternativen. Während etwa im Rheinland häufig ausschließlich Buchsbaum verwendet wird, kommen in anderen Regionen auch Zweige anderer immergrüner Pflanzen wie Wacholder, Thuja, Eibe oder Stechpalme zum Einsatz. Seidelbast- und Haselruten oder Weidenzweige mit ihren silbrigen, auch als „Palmkätzchen“ bezeichneten Blüten machen sich ebenfalls gut als Palmzweige. Dem konsequenten Buchsbaumverfechter bleibt zuletzt noch der Rückgriff auf die Kunststoffalternative. „Dunkelgrün, robust und wetterfest“, so wirbt der Handel. Dann aber: Lieber kein Verbrennen am Aschermittwoch!

Von Inga Kilian (KNA)
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