Großes Interesse WDR-Stadtgespräch in Antonius Abbas

(Foto: Mathofer)

Zu einem Gespräch über Kirchenschließungen lädt der Radiosender WDR 5 am kommenden Donnerstag, 12. April, von 20.05 bis 21 Uhr, in den Ge­meindesaal von St. An­tonius Abbas in Essen-Schö­ne­beck, Kiek Ut 6 ein. „Kirche dicht und fertig? – Mitgliederschwund in der katholischen Kirche“ heißt das Thema. Es diskutieren Magdalene Bußmann, von der Basisbewegung „Wir sind Kirche“, der Essener Ge­ne­ralvikar Klaus Pfeffer und der Liturgiewissenschaftler Prof. Dr. Albert Gerhards (Uni Bonn), der den Umgang mit Kirchengebäuden wiederholt kritisiert hat. Die Moderation haben Judith Schulte-Loh und Olaf Biernat.

Da im Gemeindesaal nur 200 Personen zugelassen sind, sich aber nach Ge­meindeangaben bereits ein großes Interesse ab­zeichnet, wird die Ver­anstaltung auch in die Kirche St. Antonius Abbas live übertragen. Einlass ist sowohl im Gemeindesaal als auch in der Kirche ab 19 Uhr.

Seit der Jahrtausendwende wurden von den rund 24500 katholischen Kirchen in Deutschland etwa 500 aufgegeben, 140 abgerissen – eine Entwicklung, die noch nicht abgeschlossen ist. Vor allem das Bistum Essen ist von Sparmaßnahmen betroffen. In den vergangenen Jahren wurden dort rund 105 Kirchen aufgegeben, davon 31 abgerissen. Eine kürzlich in Kassel vorgestellte Studie der Evangelischen Bank ergab, dass 90 Prozent der befragten Verwaltungseinheiten innerhalb der vergangenen fünf Jahre bereits Kirchenimmobilien verkauft hat – neben Kirchen etwa auch Pfarr- und Gemeindehäuser oder Kindergärten. 69 Prozent der befragten Immobilienverantwortlichen, darunter allein zwölf Vertreter von Landeskirchen mit rund 10 Millionen Gläubigen, gehen davon aus, dass es künftig mehr Immobilienverkäufe aus kirchlicher Hand geben wird.

Abriss als „ultima ratio“

Der Abriss eines nicht mehr genutzten Gotteshauses gilt nach der Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz als „ultima ratio“, als letzte Möglichkeit. Vorzuziehen sei eine eingeschränkte liturgische Nutzung oder ein Verkauf des Gebäudes. Könnte also theoretisch eine McDonald’s-Filiale in einem früheren Kirchengebäude eröffnen? Das komme auf die Vertragsgestaltung an, sagt der Bonner Liturgiewissenschaftler Albert Gerhards. Dauerhaft habe die Kirche wenig Einfluss auf die künftige Verwendung des Gebäudes – was vielen Gläubigen ein Dorn im Auge sei. Dazu kommt ein weiteres Problem: „Je mehr zweckentfremdete Kirchen es gibt, desto weniger werden die Gebäude künftig mit der ursprünglichen Bedeutung identifiziert.“ Deshalb bevorzugten einige Bischöfe einen Abriss, erklärt der Theologe. Gemeinden seien mit solchen Entscheidungen oft allein gelassen, kritisiert Gerhards. „Das sind schwierige Zeiten“, räumt Gerhards ein. Nicht alle Kirchen könnten erhalten werden. Dennoch sieht der Theologe in den aktuellen Entwicklungen einen Prozess der „Selbstzerstörung“ und warnt: „Wenn die Bischöfe so weitermachen, wird Kirche in ein paar Jahren nur noch an ausgewählten Orten stattfinden.“

Es setzen sich nicht nur Kirchgänger, sondern auch Kultur- und Heimatinteressierte für den Erhalt der Bauten ein. Denn für den weit überwiegenden Teil der Bevölkerung seien Kirchen von Bedeutung – unabhängig von der Religion, betont Gerhards. Daher sieht der Theologe auch eine „Chance für Kirche, sich in der Gesellschaft, wo sie ansonsten im Rückzug ist, zu positionieren“. Wichtig sei, Orte der Kommunikation und Gemeinschaft zu etablieren und auch nicht-religiöse Menschen ins Boot zu holen. „Als Leuchttürme machen Kirchengebäude einen Stadtteil interessant“, sagt Gerhards. Aktuell habe es jedoch den Anschein, als laute das Motto: „Der Letzte macht das Licht aus.“

rwm/kna

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