KAB: „Der Mensch soll nicht den Maschinen dienen“

Zum „Tag der Arbeit“ am 1. Mai veröffentlicht die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) traditionell einen Aufruf. In diesem Jahr rückt der Verband die digitale Arbeitswelt in den Mittelpunkt. Die KAB im Bistum Essen schließt sich dabei den Forderungen des Bundesverbandes an und veröffentlicht entsprechende Forderungen. „Es ist Zeit für gerechte Löhne! Es ist Zeit für mehr Mitbestimmung! Es ist Zeit für mehr Zeitsouveränität!“ lauten die Forderungen der KAB. In den Blick nimmt sie vor allem die mehr als zwei Millionen Arbeitnehmer, die nach Angaben der KAB im digitalen Sektor tätig sind. „Crowd- und Klickworking“ – ausgelagerte internetbasierte Dienstleistungen – sei eine neue Form von Arbeit, die oftmals von den gesetzlichen Leit- und Schutzplanken ausgenommen sei.

Hermann-Josef Schepers. (Foto: Spernol)

Dah fordert die KAB – nicht nur für die Arbeitnehmer in diesem Bereich – einen armutsfesten Mindestlohn. Arbeits- und Sozialrechte im Bereich Crowd-Working und in den IT-Jobs müssten ausgebaut werden, erklärt die KAB. „Internetarbeit darf nicht zum rechtsfreien Raum ohne Tarifbindung und Mitbestimmung werden!“ Die KAB im Bistum Essen fordere daher Politik und Wirtschaft auf, die Mitbestimmungsrechte aller Mitarbeiter zu stärken. Auch dass die Grenzen zwischen Leben und Arbeiten immer mehr verschwimmen und viele Arbeitnehmer mittlerweile rund um die Uhr und auch im Urlaub erreichbar sein sollen – oder sich dazu verpflichtet fühlen –, was zu immer mehr Druck führt und oft einer der Auslöser für stressbedingte Erkrankungen ist, macht der KAB Sorgen. „Die Flexibilisierung der Arbeitszeit hat sich dem Gemeinwohl sowie der Zeitsouveränität der Menschen unterzuordnen“, betont Diözesan-Vorsitzender Hermann-Josef Schepers.

KAB auf dem Katholikentag

„Die KAB im Bistum Essen fordert deshalb eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit sowie das Recht der Arbeitnehmer auf Unerreichbarkeit“, so Schepers. Jeder Mensch müsse die Möglichkeit haben, am gesellschaftlichen Zeitrhythmus teilzuhaben, also eine Balance zwischen Arbeit und Freizeit herzustellen. „Eine digitale Wirtschaft und Arbeitswelt 4.0 hat dem Menschen und der Gesellschaft zu dienen und nicht umgekehrt der Mensch den Algorithmen der Roboter und Maschinen“, betont der KAB-Vorsitzende.

Auch auf dem Katholikentag, der vom 9. bis 13. Mai in Münster stattfindet, rückt der Bundesverband der KAB das Thema unter dem Hasttag „#Digitale_Arbeit_ Menschen_Würdig“ in den Mittelpunkt. Am Donnerstag, 10. Mai, findet um 15 Uhr ein Gespräch mit Abbé Clement Mevo, dem Generalpräses der Katholischen Laien-Bewegungen Kameruns, und mit Kevin Momendeng von der KAB Kamerun statt (Veranstaltungen jeweils: Schlossplatz Süd, Kirchenmeile Süd, VB 39). Am Freitag, 11. Mai, steht ein Gespräch zum Leitantrag „Arbeit macht Sinn.“ mit NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann auf dem Programm (13 Uhr). Am Nachmittag berichtet Bischof Álvaro Ramazzini Imeri aus Guatemala, ein Kämpfer für die Rechte der armen Landbevölkerung, von seiner Arbeit und seinen Erfahrungen (15 Uhr). Am Samstag, 12. Mai, ist die KAB Mitveranstalter bei einer Podiumsveranstaltung zum Thema „Friedliche digitale Arbeitswelt 4.0 – Chancen und Gefahren für eine menschenwürdige Arbeit“ mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, dem KAB-Bundesvorsitzenden Andreas Luttmer-Bensmannn und anderen Podiums­teilnehmern (Fürstenberghaus, Domplatz 20-22, 14 Uhr).

rwm

(Foto: pixabay)

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