Meisner-Nachlass erzielt bei Versteigerung 840.000 Euro 

28 Kunstwerke aus dem Nachlass von Kardinal Joachim Meisner (1933-2017) haben bei einer Versteigerung am Mittwoch in Köln den Gesamterlös von 840.000 Euro erzielt. Wie das Kunsthaus Lempertz mitteilte, fließt die mit Arbeiten aus dem 14. bis 19. Jahrhundert erzielte Summe an die Kardinal-Meisner-Stiftung. Sie fördert die Seelsorge im Erzbistum Köln und die Kirche in Mittel-, Ost- und Südeuropa.

Joachim Kardinal Meinser beim Empfang zum Abschied aus dem Amt. Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Ob Kardinal Joachim Meisner dieses Wissen noch hätte gut schlafen lassen? Einem 46,5 Zentimeter hohen Klapp-Altar gab der im vergangenen Jahr verstorbene Kölner Erzbischof in seinem Schlafzimmer einen Ehrenplatz. Die Darstellung mit thronender Madonna hatte ihm die 1987 verstorbene Bildhauerin Hildegard Domizlaff vermacht. Vom materiellen Wert hatte Marienverehrer Meisner keine Ahnung. Bei einer Versteigerung am Mittwoch erzielt die Arbeit den Sensationspreis von netto 400.000 Euro.

28 Kunstwerke aus dem Besitz des Erzbischofs – Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen des 15. bis 19. Jahrhundert – wechseln an diesem Tag im Kölner Kunsthaus Lempertz den Besitzer. Der Gesamterlös beläuft sich auf 840.000 Euro. Die meisten Arbeiten kommen aus dem Erbe von Domizlaff, mit der Meisner schon in DDR-Zeiten befreundet war und die sein Bischofskreuz und seinen -ring gefertigt hatte. Aus ihrem Besitz stammte also der Klapp-Altar, der nun nach dem letzten Willen des Erzbischofs mit anderen Werken unter den Hammer kommt – alles für die Kardinal-Meisner-Stiftung. Diese fördert die Seelsorge im Erzbistum Köln und in Mittel-, Ost- und Südeuropa.

Für die Versteigerung hat das Kunsthaus den Klapp-Altar genauer unter die Lupe nehmen lassen. Ergebnis der Expertise: Das Kunstwerk mit zwei Flügeln ist dem im 14. Jahrhundert in Florenz tätigen Meister des Tobias (Maestro di Tobia) zuzurechnen. Für die Auktion wurde der Schätzwert von 120.000 bis 160.000 Euro angesetzt. Lempertz-Inhaber Henrik Hanstein, der die Versteigerung persönlich leitet, zeigt sich überrascht, als die Gebote in immer höhere Gefilde schnellen. Schließlich lässt er bei 400.000 Euro den Hammer aufs Pult knallen. Ein Ergebnis dank Meisner-Bonus? Das wird so geheim bleiben wie der „internationale Käufer“ anonym. Er muss noch zusätzlich rund 100.000 Euro Aufgeld an das Auktionshaus zahlen. Auf die Kommission des Verkäufers, das Abgeld, verzichtet Lempertz.

Im Gegensatz zum Klapp-Altar erzielt die „Madonna mit Kind“ eines mittelrheinischen Meisters mit 12.500 Euro den erwarteten Preis. Das Bild hatte Meisner laut Hanstein 1982 selbst bei Lempertz ersteigert. Der weit überwiegende Teil des Nachlasses sei aber dem Kardinal geschenkt oder vermacht worden, betont Meisners Testamentsvollstrecker, der Kölner Monsignore Markus Bosbach.

Eigentlich wurde das Erbe von Domizlaff laut Hanstein zu 90 Prozent schon vor 30 Jahren versteigert. Man darf also davon ausgehen, dass die aktuell angebotenen Kunstwerke dem Erzbischof persönlich viel bedeuteten. Für den Auktionator war der Kardinal ein kunstsinniger Mensch: „Seine Seele hing vor allem in der Romantik.“ Ein Spiegel dafür sind die Bilder aus dem 19. Jahrhundert, die am Nachmittag aufgerufen werden. Etwa das Bild „Tor bei einer gotischen Kirche im Mondschein“ von Carl Gustav Carus (1789-1869), das mit 78.100 Euro netto fast doppelt so viel erzielt wie zunächst geschätzt.

Die verkauften Arbeiten unterstreichen, dass der Kardinal wie in der Theologie auch beim Kunstgeschmack konservativ tickte. „Er war kein Fan des Abstrakten“, so Hanstein. Aber auch wenn er das Richter-Fenster im Kölner Dom nicht gemocht habe, so habe er als Vater des „Kolumba“ doch ein Kunstmuseum geschaffen, das heute zur Avantgarde zähle, betont der Experte im gleichen Atemzug. Zum Nachlass des Kardinals gehören mehrere hundert Antiquitäten wie Ikonen, Skulpturen, Grafiken oder Porzellanarbeiten. Diese preiwerteren Stücke sollen im September angeboten werden. Das dürfte dann die Stunde für Souvenir-Jäger mit dem kleineren Geldbeutel sein. Zum Angebot gehören etwa 50 bis 60 Ansichtstassen, die Meisners Geburtsort Breslau und viele Städte zeigen, mit denen er verbunden war.

Wer nicht bis zum Herbst auf ein Erinnerungsstück warten will, kann sich den 1. Juni vormerken. Unter „Lot 469“ wird eine kleine Bronzeplastik von Gerhard Marcks (1889-1981) veräußert, die eine knieende Kuh darstellt. Auch hierbei handelt es sich um ein Kunstwerk, an dem Meisner besonders viel gelegen haben muss. Denn er hatte es einst selbst erworben.

Von Andreas Otto (kna)

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