Sternberg: „Die Zeiten sind vorbei, in denen die Kirche hierarchisch funktionierte“

Der über Monate in der katholischen Kirche öffentlich ausgetragenen Streit um die Kommunion­erteilung an evangelische Ehepartner katholischer Christen hat nach Meinung von Professor Dr. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Schaden in der Kirche und für die Kirche verursacht. Sternberg erklärte im „Neuen Ruhr-Wort“, unabhängige katholische Wochenzeitung mit Sitz in Gelsenkirchen (Samstagsausgabe vom 7. Juli 2018), mit Blick auf die bereits jahrezehntelange pastorale Praxis des gemeinsamen Empfangs der Kommunion, der Streit sei „völlig überflüssig“gewesen.

Thomas Sternberg. Foto: Hoeffchen

Bei der Handreichung zum Kommunionempfang, welche die deutschen Bischöfe im Herbst des vergangenen Jahres mit einer Dreiviertelmehrheit verabschiedet hatten, sei es um ein Zeichen der öffentlichen Anerkennung einer seit langem in Gemeinden und Diözesen gut und selbstverständlich ausgeübten Praxis gegangen sowie um die Klärung überfälliger Fragen.„Das ist durch den Streit jedoch völlig daneben gegangen“, so der ZdK-Präsident. „Es ist traurig, dass dadurch das gute Bild, das die katholische Kirche in diesem Jahr beim Katholikentag in Müns­ter abgegeben hat, wieder verzerrt worden ist.“

Sternberg hofft nun aber auf eine Umsetzung der in der vergangenen Woche als Orientierungshilfe „Mit Christus gehen –Der Einheit auf der Spur“veröffentlichten Handreichung auf eine Umsetzung in allen deutschen Diözesen. Die Orientierungshilfe ermöglicht es jedem Ortsbischof, für seine Diözese zu entscheiden, ob er evangelische Ehepartner zur Eucharistie zulassen will. Auf die Diskrepanz zwischen den positiven Signalen durch Papst Franziskus und die strikten Verlautbarungen der Glaubenskongregation zum Kommunionstreit angesprochen erklärte Sternberg: „Es hat sich gezeigt, dass der Papst und der Vatikan zwei verschiedene Dinge sein können.“

Mit Unverständnis reagierte der ZdK-Präsident auf die mangelnde Einsicht der katholischen Kirche in die Anforderungen und Bedürfnisse sowie die Mündigkeit moderner Christinnen und Christen: „Die Zeiten sind vorbei, in denen die Kirche hierarchisch funktionierte. Die Freiheit eines Christenmenschen ist auch bei den katholischen Christen längst angekommen.“Wer sich in seiner Gemeinde oder seiner Diözese nicht mehr beheimatet und anerkannt fühle, der suche sich einen anderen Weg, engagiere sich anderswo –oder verlasse im schlechtesten Fall die Kirche. Sternberg hofft aber, dass der durch den Kommunionstreit angerichtete Imageschaden für die Kirche sich nicht in steigenden Austrittszahlen niederschlägt: „Man tritt ja auch nicht aus der Bundesrepublik Deutschland aus, wenn einem die Politik einzelner Politiker oder Parteien nicht gefällt“, so der ZdK-Präsident.

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Es hätte eine Farce sein können, der monatelang öffentlich geführte und dann auf Weltkirchenebene verschobene Streit in der Deutschen Bischofskonferenz über die mögliche Erteilung der Kommunion an evangelische Ehepartner. Denn längst ist der Empfang der Kommunion beim gemeinsamen Gottesdienstbesuch eine gute und selbstverständliche pastorale Praxis in vielen Gemeinden und Diözesen. Doch zum Lachen ist dabei niemandem zumute, denn der Schmerz für viele der betroffenen Paare ist real. Und das Bild, das die Katholische Kirche bei dem Streit im Jahre 2018 abgegeben hat, ist bitter und beschämend.

Thomas Sternberg. Foto: Hoeffchen


Professor Dr. Thomas Sternberg, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) erklärte jetzt im Gespräch mit dem „Neuen Ruhr-Wort“: „Natürlich ist dabei Schaden angerichtet worden!“ Nach der Veröffentlichung der Handreichung „Mit Christus gehen – Der Einheit auf der Spur“ hofft der ZdK-Präsident jetzt aber auf eine Umsetzung in allen deutschen Diözesen. Die in der vergangenen Woche als Orientierungshilfe veröffentlichte Handreichung überlässt dem jeweiligen Ortsbischof die Entscheidung, ob er sie in seiner Diözese in Kraft setzt – und damit den Kommunionempfang evangelischer Partner zulässt.
Die ersten Bischöfe, Bistümer und Erzbistümer haben sich öffentlich positioniert und werden dies ermöglichen. Dazu zählen etwa das Erzbistum Paderborn, das Bistum Osnabrück…
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