Mit Plastik gegen Polio

Mit 500 Plastikdrehverschlüssen von Kunststoffflaschen lässt sich eine Impfung gegen Kinderlähmung (Poliomyelitis) finanzieren. Pastor i. R. Gerhard Witzel rief jetzt beim „Sonntagstreff“ von Herz Jesu in Essen-Burgaltendorf zum Sammeln auf. Mit 16 hatte sich Witzel bei der Polio-Epidemie 1952 mit dem tückischen Virus infiziert. Er lag einige Wochen isoliert im Krankenhaus in seiner Heimat Altena. „Alle Schulen waren geschlossen worden, um eine weitere Ansteckung zu verhindern“, berichtete er jetzt im Gemeindeheim. Er besuchte damals die elfte Klasse des Gymnasiums. Einige Freunde starben an der Infektion, die unter anderem auch die Atmung lähmen kann. Eine Impfung gab es damals nicht.

(Foto: Dierichs)

Die Krankheit kann auch wieder auftreten und Spätkomplikationen mit sich bringen. „2001 traten bei mir wieder die ersten Symptome auf“, so Witzel. „Vom Post-Polio-Syndrom hatte ich bis dahin noch nie etwas gehört.“ In einer Zeitung entdeckte der Geistliche einen Artikel über die Selbsthilfegruppe PPS, mit der er Kontakt aufnahm. In Deutschland gilt Polio wegen der konsequenten Impfung mittlerweile als besiegt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will die Krankheit in den kommenden Jahrzehnten global ausrotten. Ausbrüche gibt es vor allem in Asien und Afrika. Seit 1998 wird in Europa ein Totimpfstoff verwendet, der Kindern mit einer Spritze verabreicht wird. Zuvor wurde ein Lebendimpfstoff als „Schluckimpfung“ auf Zucker verabreicht.

Jeder kann helfen

Der „Rotary International Club“ hatte bereits 1979 ein Projekt gegen Polio gestartet. Das Programm erreichte sechs Millionen Kinder auf den Philippinen. 1985 dehnte man die Kampagne aus. In Kooperation mit der „Bill & Melinda Gates Foundation“ setzt sich Rotary weiter gegen die Krankheit ein. In Burgaltendorf wird seit Wochen eifrig mitgemacht. Jeder kann mithelfen: Einfach die Schraubverschlüsse der Kunststoffflaschen aufheben – das Flaschenpfand bleibt erhalten –, sammeln und zum Beispiel bei den örtlichen Entsorgungsbetrieben oder im Gemeindeheim an der Alten Hauptstraße in Essen-Burgaltendorf abgeben. Die Deckel werden verkauft, der Erlös fließt in die Aktion „End Polio Now“.
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