Das Annenfest gehört einfach dazu

Großer Aufmarsch der Eucharistischen Ehrengarden zum 500. Jubiläum des Annenfestes.

Ohne sie wäre das Annenfest nicht das, was es ist: die Freunde und Förderer der mehrtägigen Feier. Das Fest geht auf einen Hostienraub im Jahr 1516 zurück und zieht jährlich hunderte von Gläubigen an. Von Donnerstag, 26. Juli, bis Montag, 30. Juli, findet das Annenfest, das in diesem Jahr zum 502. Mal an der Annenkapelle gefeiert wird, mit ihrer Unterstützung statt. Zusammengefunden hatte sich der Kreis vor genau 50 Jahren. Das Gründungsdatum ist der 23. Juli 1968, zwei Jahre nach der 450.-Jahr-Feier. „In Rellinghausen ist kein Fest so populär wie das Annenfest“, hieß es im damaligen Aufruf für Mitwirkende. Und weiter: „Wiederholt wurde der Wunsch laut, eine Gemeinschaft zu bilden, die dieses Fest als traditionelles Heimatfest pflegt und fördert. Die Kolpingsfamilie hat über drei Jahrzehnte hindurch keine Arbeit gescheut, den Platz an der Annenkapelle für diese würdige Feier herzurichten. (…) Nun soll aber darüber hinaus jeder, der sich für Heimat und Brauchtum Rellinghausens interessiert, eingeladen werden, der Gemeinschaft ,Freunde des St. Annenfestes‘ beiztutreten.“
Groß gefeiert wird das Jubiläum nicht, erläutert Peter Beckmann, seit 1991 Vorsitzender der Freunde und Förderer des Annenfestes. Während der Jahreshauptversammlung, die im Anschluss an das Fest abgehalten wird, wird er das runde Jubiläum aber auf jeden Fall zu einem Punkt machen. Nach einer Dankmesse werden bei der jährlichen Hauptversammlung Spenden für das Fest entgegengenommen. Im Anschluss sei stets eine gemütliche Runde geplant, bei der das Gelingen des Annenfestes gefeiert werde. Wer spendet, zählt dann gleichzeitig auch zu den Mitgliedern des Vereins. Zusätzliche Beiträge werden nicht erhoben. In den vergangenen beiden Jahren seien die Spenden leicht zurückgegangen, sagt Peter Beckmann. „Es könnte ruhig wieder etwas mehr werden“, betont der 79-Jährige. Etwa 110 Einladungen würden im Vorfeld der Versammlung verschickt, an die 70 Spender seien es dann zuletzt gewesen.
Bei den aktiven Helfern sei es dem Verein aber „gelungen, die Mannschaft zu verjüngen“. Es gebe eher ein Loch zwischen den 40- bis 60-Jährigen. Zu den Jüngeren, die mit ihrem Einsatz helfen, das Rellinghauser Brauchtum zu pflegen, gehörten vor allem ältere Pfadfinder und Messdiener. Wer Zeit und Lust hat, sich für die Annenkapelle zu engagieren, darf trotzdem gerne mitmachen, so Beckmann.
Schließlich gibt es im Rahmen des Annenfestes genug zu erledigen, das in fleißige und zupackende Hände gehört. Der Rasen rund um die Kapelle muss regelmäßig spätestens von April bis September gemäht werden – aus einem Teil des Erlöses nach der 500-Jahr-Feier in 2016 haben sich die Helfer dafür einen Aufsitzmäher geleistet. Darüber hinaus müssen die Kapelle und der Festplatz gepflegt, der Altar auf- und abgebaut, Fahnen aufgehängt oder Festplakate aufgestellt werden.
Abgesehen von der Organisation rund um das Annenfest gibt es weitere Gründe, das Gotteshaus in Schuss zu halten. Denn die kleine Annenkapelle im gleichnamigen Annental ist auch für Brautpaare attraktiv – liegt sie doch idyllisch im Grünen. Außerdem ist sie eine Station des Jakobsweges Nummer sechs. Der Landschaftsverband Rheinland hatte im Kulturhauptstadtjahr 2010 im Auftrag der Deutschen St.-Jakobus-Gesellschaft den einstigen Weg wieder eröffnet. Immer öfter gibt es deswegen Jakobspilger, die sich für die Kapelle interessieren, hat es auch Peter Beckmann erfahren. Wenn er sich gerade an der Kapelle aufhält, die nicht durchgehend geöffnet ist, wird er häufig darauf angesprochen – auch wenn oberhalb der Kapelle eine Tafel über ihre Geschichte informiert. Für Pilger, die die Kapelle passieren, liegt zudem ein Stempel für den Pilgerpass bereit.

Tatkräftig: Helfer, die für die Pflege rund um die Annenkapelle im Einsatz sind.

Ob es dann die heilige Anna oder der heilige Jakob war, der schützend seine Hände über das kleine Gotteshaus gehalten hat: Bei einer Serie von Einbrüchen in Essener Gotteshäuser um die Jahreswende herum war auch die denkmalgeschützte Kapelle Ziel von Straftätern. Glücklicherweise hatten die Einbrecher es aber nicht geschafft, die Eingangstür des Gotteshauses aufzubrechen. Trotzdem wurde unter anderem die Tür im nachhinein mit einer Stahlplatte verstärkt, um weiterhin Diebe und Unruhestifter abzuhalten.
Ansonsten wurden die Spendengelder der Freunde und Förderer für zahlreiche Verschönerungen an der Annenkapelle eingesetzt, so für die Figurengruppe der Heiligen Jakob und Johannes, für die Darstellung der Anna selbdritt oder das Lamm über der Eingangstür. Die Laternen wurden restauriert und ein Türgitter am Haupteingang angebracht, woran eine Plakette erinnert. Größere Beträge waren in den vergangenen Jahren auch zur Reparatur der Glocke, zur Entfernung von Schmierereien an der Kapelle, für das Orchester beim Annenfest und zum Ankauf von Fahnenstoffen ausgegeben worden.
Personelle Veränderung

Im kommenden Jahr wird es für den Verein der Freunde und Förderer eine entscheidende personelle Veränderung geben. Denn Peter Beckmann, der dann seinen 80. Geburtstag feiert, möchte seinen Vorsitz in jüngere Hände geben. Auch wenn er nicht mehr für das Amt des Vorsitzenden kandidiert, erklärt er: „Die Betreuung des Festes möchte ich weitermachen.“ Schließlich gehört für ihn so wie für die meisten Rellinghauser das Fest der heiligen Anna einfach zum Leben dazu.

Ulrike Beckmann

 

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