Ein Dornenstrauch enthüllte das Verbrechen

Das Altarbild in der Annenkapelle zeigt das Aufsammeln der Hostien. Foto: Beckmann

Das Annenfest, das immer rund um den 26. Juli, gefeiert wird, geht auf die Legende eines Hostienraubes zurück. 1516 soll es gewesen sein, als zwei Verbrecher Hostien aus dem Rellinghauser Gotteshaus stahlen – und zwar ziemlich genau am 25. Juli, dem Tag des heiligen Jakobus, an dem vermutlich Kirchweihe oder Kirmes gefeiert wurde. Die Gauner schlichen in die nach der Feier leere Kirche und nahmen einen Lederbeutel mit, in dem sie Kollektengelder vermuteten. Tatsächlich befand sich darin aber ein Silbergefäß mit geweihten Hostien.
Während der eine Täter voller Erschrecken flüchtete, schüttete der andere die Hos-tien in einen Dornenstrauch, um wenigstens das Gefäß verkaufen zu können. Ein Schäfer beobachtete den Missetäter, überwältigte ihn und führte ihn dem Richter vor. Schließlich wurden beide Diebe verurteilt und hingerichtet, denn im Gefängnis verriet der gefasste Gauner seinen Komplizen. Einen Tag nach dem Hos-tienraub – es war der 26. Juli, der Gedenktag der heiligen Anna – machten sich die Stiftsfrauen und Priester begleitet von Gläubigen auf den Weg zum Dornenstrauch im Annental.

Ziel vieler Pilger

Nachdem der Priester die Hostien wiederaufgesammelt hatte, zog die Prozession zur Rellinghauser Stiftskirche zurück. So besagt es zumindest eine Version der Legende. An der Stelle des Hostienfundes wurde dann später die Annenkapelle errichtet – zunächst eine Kapelle aus Holz, die später durch den jetzigen Bau ersetzt wurde. Von diesem Zeitpunkt an war die Annenkapelle jährlich das Ziel vieler Pilger, die den Gottesdienst im Freien mitfeierten und in einer Prozession zur Pfarrkirche zogen. Über 500 Jahre – in diesem Jahr zum 502. Mal – hat sich diese Tradition erhalten. Das Rellinghauser Kirchweihfest, das bis 1516 am St.-Jakobs-Tag gefeiert wurde, verlagerte sich auf den St.-Annen-Tag am 26. Juli.
Das Altarbild der Annenkapelle zeigt den Priester, der die geweihten Hostien aus dem Dornenstrauch aufsammelt. Es wurde von Johann Bartscher aus Oelde in Westfalen angefertigt. Das Original aus der Zeit um 1700 wird im Pfarrhaus aufbewahrt.

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