„Die Kirche muss die Distanz zu den Menschen überwinden“

Damit die Kirche auch in Deutschland und Europa eine Zukunft hat, muss sich nach Einschätzung von Margret Dieckmann-Nardmann, Entscheidendes ändern. „Die Amtskirche muss die Distanz zu den Menschen überwinden“, fordert die Präsidentin des Päpstlichen Missionswerkes der Frauen – Frauenmissionswerk, im ausführlichen Interview mit der Wochenzeitung „Neues Ruhr-Wort“ (Samstagsausgabe vom 1. September). Offene Gemeinden und eine einladende Kirche, die auf die Menschen zugehe, seien notwendig.

(Foto: Frauenmissionswerk)

„Ich wünsche mir, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene die Chance bekommen, Kontakt zu engagierten Christen zu bekommen“, sagt die Präsidentin des Frauenmissionswerks, das am 9. September in Koblenz sein 125-jähriges Juiläum feiert. „Doch besonders im Kindergarten und in den Schulen fehlen sie. Es gilt, die Kirche vor Ort lebendig zu gestalten, nicht alles in weit entfernten Kirchengebäuden zu zentrieren. Und nicht alles von der Anwesenheit eines Priesters abhängig zu machen.“ Im Gegensatz zu Gemeinden und Laien etwa in Afrika stelle sie bei Laien in deutschen Gemeinden oft eine große Unsicherheit und abwartende Haltung fest. Viele Ehrenamtliche seien verunsichert, „ob sie alles richtig machen, ob es den Ansprüchen der Hauptamtlichen und Mitchristen genügt“, so Dieckmann-Nardmann. „Vielleicht gab es zu lange die ,Hauptamtlichen’, die zuständig waren und sind.“ In Afrika etwa seien Laien selbstverständlich und selbstverantwortlich in vielen Bereichen des Gemeindelebens tätig, ein Priester komme oft nur alle paar Wochen zum Gottesdienst feiern, berichtet sie von ihren Besuchen in Partnerländern des Frauenmissionswerkes.

In vielen Ländern gelte es allerdings weiterhin, Mädchen und Frauen zu stärken und über ihre Rechte aufzuklären, erklärt Dieckmann-Nardmann. „Empowerment und Gleichberechtigung bleiben weiterhin wichtige Themen, besonders auf dem Land, wo die Menschen noch stark nach den Sitten und Gebräuchen ihrer Kulturen leben“, so die Präsidentin. „Für Mädchen und Frauen, die die Schule besucht und studiert haben, ist es heute selbstverständlich zu arbeiten, wenn genügend Jobs zur Verfügung stehen. Die Situation der Frau wandelt sich durch Bildung und Schulbildung – darum sind diese so wichtig.“

Oft sei es in Projekten aber erst notwendig, die Männer davon zu überzeugen, dass die Frauen an Programmen und Projekten teilnehmen können. Wichtig sei es, den Männern die eigenen Vorteile aufzuzeigen, die sie durch das Projekt erlangen können. „Es ist unerträglich für mich wahrzunehmen, dass die Frau nicht frei entscheiden kann, ob sie an einem Projekt teilnehmen möchte, sondern dass sie von der Zustimmung des Mannes abhängig ist“, sagt Dieckmann-Nardmann. Mit Blick auf die notwendigen Veränderungen in der deutschen katholischen Kirche bekräftigt die Präsidentin des Frauenmissionswerkes, dass „die Gemeinschaft der Gläubigen ihre Fenster und Türen öffnen“ müsse. Sie müsse die Menschen einladen, vor Ort ansprechen und besuchen, ansprechende Angebote machen sowie Gastfreundschaft pflegen. Außerdem gelte es, ein authentisches, lebendiges Christentum zu verkörpern. „Wünschenswert wäre eine lebendige christliche Gemeinschaft, nicht grau und verstaubt, die mit den Menschen lebt, ihnen beisteht, die christliche Hoffnung lebt.“

So werde eine Gemeinde und die Kirche auch attraktiv für Jugendliche und junge Erwachsene. „In dieser Gemeinde werden junge Menschen ernst genommen, ihnen wird zugehört, ihre Ideen finden Umsetzung – da gibt es keine ,klugen Sprüche’, die sprachlos und tatenlos machen“, weil man sie den jungen Menschen überstülpe.

Liebe Leserinnen und Leser,
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Damit die Kirche auch in Deutschland und Europa eine Zukunft hat, muss sich nach Einschätzung von Margret Dieckmann-Nardmann, Entscheidendes ändern. „Die Amtskirche muss die Distanz zu den Menschen überwinden“, fordert die Präsidentin des Päpstlichen Missionswerkes der Frauen – Frauenmissionswerk, im ausführlichen Interview mit der Wochenzeitung „Neues Ruhr-Wort“ (Samstagsausgabe vom 1. September). Offene Gemeinden und eine einladende Kirche, die auf die Menschen zugehe, seien notwendig.

(Foto: Frauenmissionswerk)


„Ich wünsche mir, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene die Chance bekommen, Kontakt zu engagierten Christen zu bekommen“, sagt die Präsidentin des Frauenmissionswerks, das am 9. September in Koblenz sein 125-jähriges Juiläum feiert. „Doch besonders im Kindergarten und in den Schulen fehlen sie. Es gilt, die Kirche vor Ort lebendig zu gestalten, nicht alles in weit entfernten Kirchengebäuden zu zentrieren. Und nicht alles von der Anwesenheit eines Priesters abhängig zu machen.“ Im Gegensatz zu Gemeinden und Laien etwa in Afrika stelle sie bei Laien in deutschen Gemeinden oft eine große Unsicherheit und abwartende Haltung fest. Viele Ehrenamtliche seien verunsichert, „ob sie alles richtig machen, ob es den Ansprüchen der Hauptamtlichen und Mitchristen genügt“, so Dieckmann-Nardmann. „Vielleicht gab es zu lange die ,Hauptamtlichen’, die zuständig waren und sind.“ In Afrika etwa seien Laien selbstverständlic…
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