Ein persönlicher Brückenschlag – ein Gastbeitrag von Bischof Dr. Felix Genn zum Ludgerusfest

Die Teilnahme am Ludgerusfest 2018 ist für mich ganz persönlich ein Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Denn der heilige Liudger verbindet das Bistum Essen, dessen Bischof ich sechs Jahre lang sein durfte, und das Bistum Münster, dessen Bischof ich seit 2009 bin. In Essen-Werden hat er das Kloster Werden gegründet, ist er begraben worden, und feiern wir deshalb ja das jährliche Ludgerusfest. Zusätzlich ist Liduger zweiter Patron des Bistums Essen. Im von ihm begründeten Bistum Münster war Liudger seit dem 30. März 805 erster Bischof, und verehren wir ihn als dessen Patron.

(Foto: Bistum Münster)

Dabei verbindet mich aus meiner Essener Zeit noch eine besondere, weil einzigartige Erinnerung mit diesem Heiligen. Denn es war während meiner Amtszeit im Jahr 2007, dass ich eine Öffnung des Sarges anordnen musste, um eine Prüfung der heiligen Reliquien zu ermöglichen. Die jährlichen Prozessionen, verbunden mit Erschütterungen und Stößen der Reliquien, hatten das nötig gemacht. Die Reliquien wurden untersucht, dokumentiert und in der Folge durch einen neuen Edelstahlsarg besser geschützt.

Unabhängig von dieser persönlichen Verbindung zum Heiligen Liudger nehme ich auch deshalb gern am Ludgerusfest teil, weil mir das Wiedersehen und Austausch mit vielen Menschen ermöglicht, die ich aus meiner Zeit als Bischof von Essen kenne und schätze. Dabei freue ich mich besonders darüber, dass wir das Ludgerusfest auch ökumenisch mit unseren christlichen Brüdern und Schwestern feiern. Schließlich war der heilige Liudger weder ka­tholisch noch evangelisch, son­dern Christ, die Verbreitung des Glaubens an den auferstandenen Jesus Christus war sein Anliegen. Genauso sind auch wir, wenn wir heute als missionarische Kirche in einer säkularisierten Welt sichtbar und vernehmbar sind, das vor allem als Christen, als diejenigen, die der Glaube an diesen Auferstandenen verbindet.

Wenn wir als solche heute überzeugt und überzeugend wahrgenommen werden wollen, dann muss uns ein weiterer Grundsatz des heiligen Liudger leiten: Seine Mission war – alles andere als selbstverständlich in der damaligen Zeit – immer friedlich. Er hat den christlichen Glauben nicht mit Zwang und Schwert verbreitet, sondern war eben augenscheinlich überzeugt und daher auch überzeugend. Ich glaube, dass das auch heute das Rezept für uns Christen ist, wenn wir Menschen auf Gott neugierig machen, Ihn in ihrem Leben sichtbar machen wollen: dass wir nicht ausgrenzen, sondern einladen, dass wir uns nicht abschotten, sondern als Kirche und als Christen zu den Menschen gehen. „Der Glaube kommt auf zwei Beinen“: So ist der heilige Liudger durch Friesland und bis Münster gezogen, so sind auch wir die besten Botschafter Gottes da, wo wir den Glauben an Ihn leben.

Das ist für mich etwas, was wir auch heute noch nach rund 1150 Jahren aus dem Leben und Wirken des heiligen Liudger für uns mitnehmen können und was – hoffentlich – bei den Feiern und Begegnungen rund um das Ludgerusfest an- und durchklingt. Zumindest wünsche ich das allen, die dieses Fest mit uns feiern.

Herzliche Segenswünsche
Ihr Dr. Felix Genn

Neues Ruhr-Wort

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