Brücken des Friedens: Gemeinschaft Sant’Egidio setzt Hoffnungszeichen

Die Euphorie der Globalisierung ist verpufft. Mehr noch: statt der Einen Welt, die endlich ein gutes Leben für alle ermöglicht, scheint die Weltgemeinschaft sich weiterhin in Kriegen, Konflikten, Terror und ungelösten Problemen von Armut bis Hunger aufzureiben. All dem zum Trotz setzt die Gemeinschaft Sant’Egidio auch in diesem Jahr ein Hoffnungszeichen für den Frieden. In Bologna trafen sich Tausende zum internationalen und interreligiösen Friedenstreffen unter dem Leitwort „Brücken des Friedens“.

(Foto: pixabay)

Zum 32. Mal fand das Treffen im Geist des Friedenstreffens von Assisi statt, zu dem der verstorbene Papst Johannes Paul II. 1986 erstmals eingeladen hatte. Seitdem ist der Faden des Dialogs über den Frieden nicht abgerissen, wie der Gründer von Sant’Egidio, Andrea Riccardi erklärte. Doch der Dialog habe Szenarien erlebt, die „schwierig, kriegerisch und feindselig waren, wie auch unerwartete Friedensschlüsse“.

Dass die Globalisierung nicht in eine neue „Belle Epoque“ – eine neue Blütezeit für die Menschheit – geführt habe, liege auch an den Religionen, machte Riccardi deutlich. Denn „es fehlte eine spirituelle Vereinigung, die es im Dialog zu verwirklichen gilt“. Die Religionen hätten „oft die Globalisierung nicht als Abenteuer des Geistes wahrgenommen“, sodass nicht nur „die globale Welt keinen Frieden hervorgebracht“, sondern „schreckliche Kriege generiert hat, wie in Syrien, wo der Krieg seit 2011 andauert“.

Religionskriege oder religiöse Gewalt seien gerechtfertigt worden, so Riccardi weiter. Der Großimam der Al-Azhar-Universität in Kairo, Ahmad AlTayyeb, betonte dagegen: „Die Religionen trifft keine Schuld an dem Blut, das im Namen der einen oder anderen Religion vergossen wird.“ Terrorismus könne kein Werk eines gläubigen Volkes sein. „Er entsteht hingegen aus dem Handel mit den Gewissen und mit den Waffen.“

„Nur die Jugend kann uns retten“

Der für seinen Einsatz gegen die mexikanischen Drogenkartelle und für Migranten oft mit dem Tod bedrohte Priester Padre Javier Solalinde sprach ebenfalls von einer „spirituellen Schwäche unserer Gesellschaften“. „Auf meinem Weg mit den Migranten“, sagte er vor hunderten Jugendlichen, „habe ich entdeckt, dass die Religion nutzlos wird ohne eine Praxis der Gerechtigkeit und Solidarität.“ Die reichs­ten und mächtigsten Menschen des Planeten, „die blutrünstigsten Drogenkartelle, nennen sich Katholiken, aber sie sind Komplizen des Neoliberalismus, der die Armen vertreibt und die Migranten tötet“, so Solalinde. Sein Fazit und Appell: „Nur die Jugend kann uns retten.“

Dass eine Welt ohne Rassismus, Gewalt und Krieg keine Utopie ist, sondern eine Vision, die verwirklicht werden kann, machte die baptistische Pastorin und Tochter von Martin Luther King, Bernice King, deutlich. Sie legte den Jugendlichen ein Leben nach dem Motto „Nonviolence 365“ ans Herz – Gewaltfreiheit 365 Tage im Jahr. „Das ist eine Art zu denken und zu leben, die eine tägliche Veränderung mit sich bringt, indem sie die Würde aller schützt“, so King.

Gewaltlosigkeit sei nicht passiv, „sondern für mutige Personen“, sagte die Pastorin. „Sie versucht, mit Freundschaft und Verständnis zu siegen. Sie will die Ungerechtigkeit besiegen, aber nicht die Personen.“ Leid könne zur Befreiung werden, wenn es die Liebe wähle, erinnerte Bernice King an die Forderung der Seligpreisungen Jesu für die bedingungslose Liebe zur ganzen Menschheit. Darin wurzelt auch ihre Hoffnung: „Schließlich glaubt der Gewaltlose, dass das Universum auf Seiten der Gerechtigkeit steht.“

Hildegard Mathies

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