Bericht: Nach Missbrauchsstudie prüfen fünf Behörden Ermittlung

Nach der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie für die katholische Kirche prüfen nach einem Bericht des „Spiegel“ (Samstag) fünf Staatsanwaltschaften Ermittlungen. Das habe eine Umfrage des Magazins bei Staatsanwaltschaften in allen 27 Bistümern ergeben. Dabei gehe es um den Verdacht von teils schwerem sexuellen Missbrauch, bisweilen bis ins Jahr 2016.

(Foto: © Ginasanders | Dreamstime.com)

Eine Gruppe Strafrechtsprofessoren um den Passauer Holm Putzke habe Anzeige gegen unbekannt erstattet und sie bei Staatsanwaltschaften im Bezirk jeder Diözese eingereicht. Die Professoren sprechen laut Bericht von einer „unbedingten Pflicht“, dem „Anfangsverdacht“ nachzugehen. „Viele Fälle“ seien noch nicht verjährt.

„Ermittlingen überfällig“

Noch habe keine Staatsanwaltschaft Akten beschlagnahmt, nur die Generalstaatsanwaltschaften in Bayern hätten an die dortigen Diözesen appelliert, „relevante Dokumente“ auszuhändigen, hieß es. Auf Anfrage, warum sie nicht ermitteln, verweisen demnach die Behörden etwa in Ingolstadt, Münster oder Mainz auf die Anonymität der Studie: Weder Betroffene noch Tatzeiten oder Tatorte seien identifizierbar. Anderswo heiße es, es hätten sich keine Betroffenen gemeldet. In Fulda verlasse man sich auf das „vorbildliche“ Anzeigeverhalten durch die Kirche selbst.

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) sagte dem Magazin: „Es gibt keine Geheimarchive im Rechtsstaat.“ Wo ein Verdacht bestehe, müssten „alle nötigen“ Ermittlungen erfolgen. „Die Kirche kann sich einer juristischen Aufklärung nicht verweigern.“ Der Sprecher der Opferinitiative „Eckiger Tisch“, Matthias Katsch, sagte: „Es ist überfällig, dass die Staatsanwaltschaften tätig werden.“

Staat steht „in der Pflicht“

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, sagte, der Staat übertrage den Kirchen zwar die Verantwortung für Kitas und Schulen, gebe damit aber nicht die Verantwortung für die Kinder ab. Der Staat stehe für sie „natürlich in der Pflicht“, sei dieser aber „nicht immer gerecht geworden“.

Für die katholische Kirche hatten Wissenschaftler die „Studie über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch Geistliche im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ Ende September in Fulda bei der Herbstvollversammlung der Bischöfe vorgestellt. In den kirchlichen Akten der Jahre 1946 bis 2014 hatte das Forscherteam Hinweise auf 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe und auf rund 1.670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute gefunden. Die Experten gehen zudem von weiteren Fällen aus, die nicht in den Akten erfasst sind.

kna
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