Abgase: Wenige Dienstfahrzeuge der Kirchen erfüllen EU-Grenzwert

Unter allen hochrangigen Kirchenvertretern fährt Hamburgs katholischer Erzbischof Stefan Heße den umweltfreundlichsten Dienstwagen. Ihm folgt der evangelische Landessuperintendent Dietmar Arends aus der Lippischen Landeskirche, wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) am Mittwoch in Berlin mitteilte. Heße fährt einen VW Golf Variant mit Erdgasbetrieb, Arends einen Audi A3 Sportback g-tron.

Nur die zwei von 47 Kirchenoberhäuptern führen einen Dienstwagen mit realem CO2-Ausstoß im Einklang mit EU-Flottengrenzwert von 130 Gramm je Kilometer, betont die Studie. Wird auch die weitere Leitungsebene der Kirchen betrachtet, gehört mit dem BMW i3 das klimafreundlichste Fahrzeug zur Evangelischen Kirche in der Pfalz.

Wende nicht erkennbar

Alle anderen Dienstfahrzeuge überschreiten den Grenzwert von 130 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer, wie die DUH mitteilte. Bei Autos hochrangiger Kirchenvertreter sei der Ausstoß in den vergangenen Jahren zwar tendenziell gesunken. Allerdings liege der reale Wert im Schnitt bei 175 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer und damit etwa 50 Gramm über dem offiziellen Wert der Hersteller.

Die stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz sagte, es sei erschreckend, dass gerade Kirchenvertreter, die sich die „Bewahrung der Schöpfung auf die Fahnen geschrieben haben“, oft mit klimaschädlichen Fahrzeugen unterwegs wären. Etwa zwei Drittel (64 Prozent) der Befragten unterhalte noch immer ein Dieselfahrzeug, obwohl die „wahre Spritschlucker“ seien. Eine Wende zu klimafreundlichen Autos sei nicht erkennbar.

Realer CO2-Ausstoß erfasst.

Die DUH untersuchte den Angaben zufolge 128 Autos von 47 Bistümern und Landeskirchen sowie ihren Hilfsorganisationen nach dem Kohlendioxid-Ausstoß der Dienstwagen. Erstmals erfasste sie dabei den realen CO2-Ausstoß. Dazu nutzte die Umwelthilfe nach eigenen Angaben einen Korrekturfaktor, um den Wert der durchschnittlichen Abweichungen zu den Herstellerangaben zu berechnen. Die Daten zeigten, dass insgesamt die Lücke zwischen dem realen und dem offiziell angegebenen CO2-Ausstoß von Neuwagen weiter wachse.

Schlusslicht der diesjährigen Bewertung der höchsten Kirchenvertreter ist laut DUH bei den Benzinfahrzeugen der Dienstwagen von Präses Annette Kurschus aus der Evangelischen Kirche von Westfalen. Der klimaschädlichste Diesel steht dem Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, Ralf Meister, zur Verfügung.  Der Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck, steht mit seinem Diesel-Fahrzeug, einem Audi A8 L50 TDI quattro triptronic, und einem realen CO2-Ausstoß von 216 g/km auf dem drittletzten Platz

Zwei Bistümer verweigern Auskunft

Positiv fallen die Vorsitzenden der kirchlichen Hilfsorganisationen auf: Weder der Caritasverband noch die Malteser, die Johanniter-Unfall-Hilfe oder das Hilfswerk Misereor unterhalten einen Dienstwagen für die Leitung.

Das Bistum Regensburg sowie das Bistum Augsburg verweigerten laut DUH in diesem Jahr die Angaben und glänzen durch Intransparenz. Regensburg hat bereits die Jahre zuvor die Antwort verweigert und Augsburg schnitt 2016 mit am schlechtesten ab.

kna/rwm

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