Internationale Bischofsgruppe beendet Heilig-Land-Besuch – Gleichheit aller Bürger Israels „muss Lebensrealität werden“

Knapp eine Woche lang machten sich Bischöfe aus Europa und Nordamerika ein Bild von den täglichen Auswirkungen des Nahost-Konflikts auf das Leben der Christen in Israel. Ihr Befund macht wenig Mut.

Mit einer Forderung nach Gleichberechtigung für die Christen und aller Bürger in  ist am Donnerstag das 19. „Internationale Bischofstreffen zur Solidarität mit den Christen im Heiligen Land“ zu Ende gegangen. Unter dem Thema „Herausforderungen und Möglichkeiten“ richteten die Vertreter von Bischofskonferenzen aus Europa, den USA und Kanada den Fokus auf die Christen in Israel.

Bei breitgefächerten Begegnungen und Besuchen bekamen sie einen Eindruck von dem beträchtlichen Engagement, mit dem sich Christen in die israelische Gesellschaft einbringen. Gleichzeitig wurden sie zu Zeugen der anhaltenden Schwierigkeiten, vor denen die nichtjüdischen Bürger Israels vielfach stehen.

Brückenbauer

Christen wollen sich als Bürger und Brückenbauer für das Wohl der israelischen Gesellschaft engagieren: Das war die Botschaft, die die Delegation aus 15 Bischöfen bei Besuchen in christlichen Schulen, Krankenhäusern und Gemeinden mitnahm. Unabhängig von ihrer persönlichen Herkunft gibt es israelische Bürger, die miteinander leben und gemeinsam für ihr Land einsetzen, so eine zweite Erfahrung des 19. Delegationsbesuchs. Welchen Wert interreligiöse Dialogbemühungen im Ringen um ein friedliches Miteinander darstellen, betonten Vertreter der verschiedenen Religionen in Israel bei einem interreligiösen Gespräch im Weltzentrum der Baha’i in Haifa.

Unüberhörbar blieben unterdessen die Warnungen vor dem sich verschärfenden politischen Klima im Land. Wie ein Roter Faden zog sich die Kritik am „Nationalitätengesetz“ durch die Begegnungen. Der Versuch Israels, den jüdischen Charakter des Staates zu sichern und zu stärken, stelle die ohnehin spürbare Diskriminierung von Minderheiten im Land auf eine gesetzliche Grundlage, äußerten Gesprächspartner wie die christliche Abgeordnete Aida Touma-Suliman oder der Leiter des Lateinischen Patriarchats in Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa.

Ausgrenzung und Diskriminierung

Wiederholt wurde deutlich, wie weit das Empfinden von Ausgrenzung und Diskriminierung in das Leben reicht und wie tief die Wunden des anhaltenden Konflikts sind. Vom Streit über Kreuzdarstellungen am Arbeitsplatz bis zum seit 70 Jahren verwehrten Rückkehrrecht in ihr 1948 von Israel evakuiertes Dorf Ikrit an der libanesischen Grenze hörten die Bischöfe Zeugnisse für die Herausforderungen des Christseins in Israel. Weitere Auswirkungen des anhaltenden Konflikts sahen sie beim Besuch palästinensischer Flüchtlinge in Jenin. Zusätzlich zum Besatzungsalltag erschweren im dortigen UNRWA-Lage umfangreiche Budgetkürzungen seitens der US-Regierung die Grundversorgung.

Die Lage im Heiligen Land ist komplex, sagte der Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz bei dem Treffen, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vor Ort. Die vertiefenden Einblicke, die der regelmäßige Solidaritätsbesuch erlaube, machten dabei „vorsichtiger im Urteil“.

Abschlusserklärung

Keinen Zweifel hingegen ließen die Delegationsmitglieder an ihrer Solidarität. „Wir stehen an der Seite der Christen in Israel und all derer, die Diskriminierung bekämpfen und ihre Aufgabe darin sehen, den Pluralismus im Lande zu schützen“, heißt es in der Abschlusserklärung vom Donnerstag, in der sie sich gleichermaßen an die jeweiligen Regierungen in ihren Ländern wie auch an die politischen Kräfte in Israel richteten.

Die Gleichheit aller seiner Bürger als eines der Gründungsprinzipien Israel müsse „dringend zur allgemeinen Lebensrealität werden“, fordern die Bischöfe. Und die internationale Staatengemeinschaft müsse ihren Einsatz für „eine diplomatische Lösung und die friedliche Koexistenz zweier demokratischer souveräner Staaten, Israel und Palästina“ intensivieren.

Von Andrea Krogmann (KNA)
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