Papst erinnert an Opfer des Holocaust

Papst Franziskus hat beim katholischen Weltjugendtag in Panama an den Holocaust erinnert. Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am Sonntag sagte er während eines Mittagsgebets in Panama-Stadt: „Wir müssen die Erinnerung lebendig halten und aus den dunklen Kapiteln der Vergangenheit lernen.“ Niemals wieder dürften die gleichen Fehler begangen werden, so das Kirchenoberhaupt.

(Archivfoto: © Palinchak | Dreamstime.com)

Das Papst forderte die Menschen auf, sich ohne Unterlass für Gerechtigkeit, Einigkeit und Integration einzusetzen, um „zu Werkzeugen des Friedens“ für eine bessere Welt zu werden. Bereits zuvor hatte er via Twitter zu den Opfern des Holocaust geschrieben: „Ihr unermessliches Leid ist eine Mahnung, die die Menschheit daran erinnert, dass wir alle Brüder und Schwestern sind.“

Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus haben Stimmen aus Politik und Gesellschaft zu einer lebendigen Erinnerungskultur gemahnt. „Dieser Tag lässt uns daran erinnern, was Rassenwahn, Hass und Menschenfeindlichkeit anrichten können“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in ihrem Podcast am Wochenende.

Merkel rief zudem jeden Einzelnen auf, „Verantwortung dafür zu tragen, dass wir null Toleranz gegen Antisemitismus, Menschenfeindlichkeit, Hass und Rassenwahn zeigen“. Für sie sei es auch mehr als 70 Jahre nach dem Holocaust unentbehrlich, an die Geschichte zu erinnern. Dabei nannte sie es besonders wichtig, Gedenken „neu zu gestalten“, auch weil es immer weniger Zeitzeugen gebe. Deshalb würden die verschiedenen Formen des Gedenkens, wie die Förderung von Gedenkstätten und privaten Initiativen, immer bedeutsamer. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte, es werde „in Deutschland kein Ende des Erinnerns geben“.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sprach sich für ein Umdenken in der Aufarbeitung der jüngeren deutschen Vergangenheit aus. „Unsere Erinnerungskultur bröckelt, sie steht unter Druck von extremen Rechten. Umso gefährlicher ist das Unwissen gerade der jungen Deutschen“, schrieb Maas in einem Gastbeitrag der „Welt am Sonntag“. „Wer heute geboren ist, für den ist etwa die Pogromnacht zeitlich genauso weit entfernt wie bei meiner Geburt ein Reichskanzler Bismarck. Das verändert das Gedenken, schafft mehr Distanz“. Erforderlich seien neue Ansätze, um historische Erfahrungen für die Gegenwart zu nutzen. „Unsere Geschichte muss von einem Erinnerungs- noch stärker zu einem Erkenntnisprojekt werden.“

Der Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Jürgen Dusel, forderte zu mehr Achtsamkeit im Umgang mit Menschen mit Behinderungen. „Mit unserem Gedenken wollen wir an die Opfer der ‚Euthanasie‘-Morde und ihre Angehörigen erinnern, aber auch Geschichte als Mahnung begreifen.“

Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, warnte, dass angesichts des wachsenden Antisemitismus immer mehr jüdische Deutsche das Land verlassen wollten. Sie wünsche mehr Engagement von jedem Einzelnen, „aber auch von Organisationen wie Kirchen und Gewerkschaften“, sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern der „Augsburger Allgemeinen“ (Montag).

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) betonte den Wert einer lebendigen Erinnerungskultur. Die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer, hob hervor, den Kirchen komme angesichts ihrer Verstrickung in die nationalsozialistischen Verbrechen eine besondere Verantwortung zu. Sie müssten dafür sorgen, dass sich so etwas niemals wiederhole.

Der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, äußerte sich besorgt über gesellschaftliche Entwicklungen: „An die Stelle von Empathie und Toleranz tritt Abgrenzung, Neid und aggressiver Hass“, so Heubner. Aber: „Gerade deshalb sind die Überlebenden von Auschwitz in diesen Tagen besonders froh darüber, dass ein Ruck durch Europa zu gehen scheint und immer mehr Menschen ihre gleichgültige Distanz aufgeben und diesen Entwicklungen entgegentreten.“

kna

 

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