Soziologe: Neben Kritik an Kirche auch Positives hervorheben

Angesichts eines starken Anstiegs von Austritten bei den beiden großen Kirchen rät der Religionssoziologe Detlef Pollack, neben Kritik an den Kirchen auch positive Aspekte hervorzuheben. "Ich denke, dass die Menschen in der Kirche anfangen müssen, über die Kirche gut zu reden. Wenn die ganze Zeit nur Kritik geübt wird, dann hat das eine verheerende Wirkung auf das Image der Kirche", sagte Pollack. "Und es wäre wahrscheinlich auch am besten, wenn die Menschen außerhalb der Kirche gut über sie reden würden. Durch Kommunikation und eine Veränderung des Diskurses kann man auch einiges erreichen."

Prof. Dr. Detlef Pollack (Foto: Exzellenzcluster „Religion und Politik“/Brigitte Heeke)

Das bedeute aber nicht, dass Kritik wie etwa die Frauen-Protestaktion Maria 2.0 kontraproduktiv seien, betonte Pollack. "Das sind ja hochengagierte Frauen, die an der Kirche leiden und nicht genug gehört werden. Ich würde sagen, dass auch für diese sehr kritischen und zum Teil auch provokativen Aktionen Raum in der Kirche sein muss." Das dürfe jedoch nicht alles sein. "Es sollten sich auch die zu Wort melden, die brav jede Woche zur Messe gehen und darunter leiden, dass die Kirche so ein schlechtes Image hat. Sie sollten darüber reden, was sie an die Kirche bindet." Die Änderung beginne damit, "dass man es lernt, anders zu denken".

Auch der demografische Wandel trug dazu bei, dass die Zahl der Kirchenmitglieder in Deutschland von 44,8 Millionen 2017 auf 44,14 Millionen gesunken ist. Bei den Kirchenaustritten lagen die evangelischen Landeskirchen mit 220.000 weiterhin höher als die katholische Kirche mit 216.078. Allerdings muss die katholische Kirche mit einem Plus von 29 Prozent eine stärkere Zunahme der Austrittszahlen hinnehmen als die Evangelische Kirche in Deutschland mit einem Plus von 11,6 Prozent.

Die Kirchen hätten den Abwärtstrend nicht stoppen oder umkehren können - "obwohl sie sich darum bemühen, Transparenz in ihr Handeln zu bringen oder sich schuldig bekennen, wenn Missbrauchsfälle bekannt werden", sagte Pollack. Wenn man die Entwicklung seit den 60er Jahren betrachte, gebe es einen stetigen Anstieg der Kirchenaustrittsrate. Heute seien die Zahlen selbst in den "Kirchenaustritts-Tälern" deutlich höher als vor 30, 40 Jahren. "Die Kirchen sind im Grunde genommen diesem Abwärtstrend wie einem unausweichlichen Schicksal ausgesetzt und können nicht allzu viel tun, um ihn zu stoppen oder umzukehren."

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„Menschen sollten auch darüber reden, was sie an Kirche bindet“

Religionssoziologe Pollack zu Anstieg bei Kirchenaustritten

Die beiden großen Kirchen in Deutschland verzeichnen für das Jahr 2018 einen starken Anstieg von Austritten. Der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack blickt im Interview auf mögliche Gründe und Gegenmaßnahmen sowie die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte. Er äußert sich auch zu den Folgen von Kritik an der Kirche.

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Herr Pollack, welche Gründe sehen Sie für die Kirchenaustritte?

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Gibt es noch weitere Gründe?

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Und welcher ist prominenter?

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Was zeigt sich denn im Vergleich zur Vergangenheit?

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Es gibt also eine Annäherung …

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Was bedeuten die heute bekannt gewordenen Zahlen aktuell für die Kirchen, auch auf lange Sicht?

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Kann denn dann der in der katholischen Kirche geplante „synodale Weg“ zum Thema Reformen überhaupt etwas bewirken?

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Auch ohne Missbrauchsskandal…

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Wie können die Kirchen gegensteuern?

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Haben Sie noch weitere Vorschläge?

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