Wallfahrtskirche ist Denkmal des Monats

Der Landschaftverband Westfalen-Lippe (LWL) hat die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt im sauerländischen Hallenberg (Hochsauerlandkreis) zum Denkmal des Monats Juli ausgewählt. Sie werde stellvertretend für die vielen romanischen Kirchen in der Region ausgezeichnet, teilte der LWL am Montag in Münster mit.

Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Hallenberg.
Foto: Stadt Hallenberg

Die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt wurde im 11. und 12. Jahrhundert im romanischen Stil erbaut. „Es handelt sich um einen verputzten Bruchsteinbau. Auf der Ostseite der Kirche liegt der ehemalige Friedhof, auf der Westseite eine bemerkenswerte Außenkanzel aus dem Jahr 1677, die von Pastor Pölmann gestiftet wurde“, so LWL-Denkmalpflegerin Dr. Bettina Heine-Hippler. Den sakralen Mittelpunkt der Kirche bildet der Altar mit dem dahinter angeordneten Gnadenbild. In der Halbkuppel der Apsis (halbkreisförmiger Raum) ist eine sogenannte „Majestas Domini“ – ein thronender Christus – abgebildet, umgeben von Fabeltieren und den Symbolen der vier Evangelisten. Begleitend gibt es Rankenwerk und Flechtwerk sowie geometrische und florale Formen vor einem hellen Hintergrund mit roten Sternen.

Der LWL lobte besonders die zwischen 2016 und 2018 vorgenommenen Restaurierungsarbeiten, deren Ziel der Erhalt von Malereien in der Halbkuppel der Kirchenapsis war. Hier ist ein thronender Christus abgebildet, umgeben von Fabeltieren und den Symbolen der vier Evangelisten. Die Arbeiten, zu denen auch die Installation eines neuen Beleuchtungskonzepts gehörte, waren aus Mitteln der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gefördert worden.

Ziel der 2016 begonnenen Restaurierungsmaßnahme war es, diesen Malerei einschließlich der Retuschen aus den 1980er-Jahren zu erhalten. Nur der Chorbereich erhielt eine zusätzliche farbige Akzentuierung. Hohlstellen und Risse im Wand- und Deckenbereich haben die Restaurateure hinterfüllt und partiell gefestigt. Parallel zur Restaurierung hat die Kirchengemeinde ein neues Belichtungskonzept erarbeitet. Dabei akzentuieren optisch zurückhaltende Wandleuchten die Bögen der Kirche. 2018 ließ die Gemeinde außerdem das Dach mit heimischem Schiefer neu eindecken. „Diese vorbildliche Restaurierung haben die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien sowie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gefördert“, so Heine Hippler.

Durch einen sandsteingerahmten Eingang mit spätgotischen Profilen und kleinen Wappen mit dem Kreuz des Stiftes Köln in der Spitze erreicht man den Innenraum der Kirche. Für Licht sorgen kleine romanische Rundbogenfenster mit einer neuzeitlichen künstlerischen Verglasung, die 1994 nach Entwürfen von Prof. Johannes Schneider entstanden. An den Kreuzgratgewölben sowie an den Bögen sind Gewölbemalereien mit Putzritzungen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts erhalten, die 1981 im Zuge einer Restaurierung erstmals freigelegt wurden. Im Westjoch dominieren Lebensbäume, Achtecksterne und Rosetten.

„Neben der spätromanischen Ausmalung verfügt die Kirche über bemerkenswerte Ausstattungsstücke. Hier ist vor allem das Gnadenbild ‚Unsere liebe Frau von Merklinghausen‘ zu nennen – eine etwa 60 Zentimeter hohe thronende Madonna aus Lindenholz, geschnitzt um das Jahr 1260 mit einer Fassung in Rot-, Weiß-, Grün- und Goldtönen, die 1927 freigelegt wurde“, so Heine-Hippler.

Neben der Madonna befinden sich an der linken Chorwand ein Gabelkreuz (Kreuz in Y-Form) aus dem 14. Jahrhundert sowie eine Christophorusfigur. An der rechten Chorwand ist eine Darstellung von Maria mit ihrer Mutter Anna zu sehen. An der Südseite des Westjochs steht ein Flügelaltar aus dem Jahr 1562 mit alttestamentarischen Darstellungen. Der fragmentarisch erhaltene Flügelaltar war früher Teil des Hochaltars in der um 1250 erbauten Pfarrkirche St. Heribert, er steht seit 1963 in der Hallenberger Unterkirche.

Die Kirche am Zusammenfluss von Nuhne und Weife unterhalb der historischen Altstadt von Hallenberg war einst die Hofkapelle und Pfarrkirche des aufgelassenen Hofgutes Merklinghausen. Ganz im südlichsten Zipfel Westfalens gelegen, gehörte sie zum Benediktinerkloster Köln-Deutz, dessen Gründung Erzbischof Heribert als Vermächtnis seines Freundes Kaiser Otto III. 1003 vollzog. Die erste urkundliche Erwähnung der Merklinghauser Maria-Himmelfahrtskapelle findet sich im Codex-Theoderici, dem Verzeichnis der Gründungsgüter der Marienabtei von Deutz. Urkundlich erwähnt ist auch die erste Erweiterung um 1120, die unter Abt Bavo erfolgte.

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