Bischof Kräutler wirbt für „viri probati“ und Frauendiakonat

Der frühere Amazonas-Bischof Erwin Kräutler hat sich erneut für eine mögliche Priesterweihe älterer verheirateter Männer („viri probati“) sowie eine weibliche Form des Diakonats in der katholischen Kirche ausgesprochen. Mit Blick auf „viri probati“ betonte er, dass es nicht um eine Abschaffung des Zölibats gehe. „Es geht nicht um Zölibat – Ja oder Nein. Es geht um die Eucharistiefeier. Wenn Tausende und Abertausende von Gemeinden nur ein oder zwei Mal im Jahr Eucharistie feiern, muss sich die Kirche etwas einfallen lassen“, sagte der Österreicher der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch.

Erwin Kräutler (Foto: Holger Motzkau 2010, Wikipedia/Wikimedia Commons [cc-by-sa-3.0])

Kräutler ist emeritierter Bischof der brasilianischen Diözese Xingu und Mitglied der Amazonas-Synode, die am Sonntag begann und noch bis 27. Oktober im Vatikan tagt. Wie die Seelsorge in dem riesigen und teilweise unwegsamen Gebiet verbessert werden kann, ist ein Thema des Bischofstreffens.Die Eucharistie sei der Höhepunkt des Glaubens. Der Zölibat könne daher nicht darüber gestellt werden, so Kräutler: „Es geht darum, dass die Menschen einen Zugang zur Eucharistie haben. Sie haben ein Recht darauf. Jesus hat nicht gesagt: ‚Wenn ihr wollt, dann könnt ihr‘. Sondern: ‚Tut dies zu meinem Gedächtnis.’“ Daher stelle sich die Frage, ob Eucharistie nur möglich sein könne, „wenn ein zölibatärer Mann da ist“.

Priestermangel sei nicht nur in der Amazonasregion ein Problem. Auch durch Gemeindezusammenlegungen würden „Priester verheizt“, und der direkte Kontakt zu den Leuten immer schwieriger. Auch in Österreich gebe es christliche Gemeinden, an denen zu Weihnachten, Ostern, in der Karwoche oder am Patronatsfest kein Priester da sei. Die Frage der „viri probati“ stelle sich daher „ganz sicher“ auch für Deutschland, Österreich und die Schweiz, so Kräutler.

Um die Seelsorge zu verbessern und die Rolle von Frauen in der Kirche zu stärken, sprach er sich zudem für ein weibliches Diakonat aus: „So wie man heute vom permanenten Diakon spricht, kann man doch auch von einer permanenten Diakonissin sprechen. Das gab es auch in der Urkirche. Ich sehe da absolut keine Schwierigkeiten.“ Es reiche nicht, immer nur von einer Aufwertung der Frau in der Kirche zu reden oder ihr für Blumenschmuck und Sonntagslesungen zu danken. Die Frage sei drängend und dürfe nicht aufgeschoben werden. Das Thema werde auch bei der Synode eingebracht, die sich jedoch noch ganz am Anfang befinde.

Zugleich hat Kräutler erneut auf die in seinen Augen dramatische Lage im Amazonasgebiet hingewiesen. „Es geht um Leben und Tod. Man darf das nicht herunterspielen und sagen: Es ist eh nicht so arg“, sagte er. Er glaube zwar kaum, dass das aktuelle Bischofstreffen die Sichtweise von Präsident Jair Messias Bolsonaro ändern könne. Es gehe jedoch darum, den Standpunkt der Kirche deutlich zu machen. Kräutler sprach sich erneut für einen strikteren Schutz der Umwelt sowie der Rechte der indigenen Bevölkerung in der Amazonasregion aus.

„Amazonien ist zunächst für das Leben dieser Völker da. Man darf ihnen ihre Mitwelt nicht einfach stehlen“, so Kräutler. Es dürfe nicht sein, dass die Menschen vor Ort unter den Folgen „krimineller Brandlegungen“ litten, weil man Weideland für Rinder gewinnen oder Soja- und Zuckerrohrfelder anbauen wolle, so der Geistliche.

kna
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