Bischof Ackermann bittet um Entschuldigung für Maut-Vergleich

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann bittet um Entschuldigung für einen Vergleich von Entschädigungszahlungen für Missbrauchsopfer mit der gescheiterten Pkw-Maut. Der Vergleich sei „zu salopp und unpassend“ gewesen, sagte der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz dem „Trierischen Volksfreund“ (Montag online). Er habe nur die Funktionsweise einer Solidargemeinschaft erläutern wollen. Menschen, die sich dadurch verletzt fühlten, bitte er um Entschuldigung.

Der Bischof hatte am Sonntag in Trier gesagt, er sehe keine Alternative zur Zahlung von Entschädigungsleistungen für Missbrauchsopfer aus der Kirchensteuer. Die Kirchenmitglieder seien als Solidargemeinschaft in der Pflicht – auch wenn es vielen Gläubigen widerstrebe, mit ihren Beiträgen für Verfehlungen einzelner Geistlicher einzustehen. Ähnlich müssten die Steuerzahler auch für die gescheiterte Pkw-Maut aufkommen. Dieser Vergleich stieß in Sozialen Medien und bei der katholischen Frauenbewegung „Maria 2.0“ auf Kritik.

Die Initiative wandte sich am Montag in Münster auch gegen den Plan, die Entschädigungen aus der Kirchensteuer zu entrichten. Für das kollektive Versagen der Bischöfe und ihrer leitenden Mitarbeiter dürften die Gläubigen als Solidargemeinschaft nicht in Haftung genommen werden. „Diese Idee der ‚Vergesellschaftung‘ von Wiedergutmachungen für begangene Verbrechen ist abstoßend.“ Als Erste müssten noch lebende Täter und zweitens die Bischöfe als verantwortliche Dienstherren mit einem Teil ihres Gehaltes herangezogen werden. Danach wären die Vermögen der Bischöflichen Stühle sowie für soziale Zwecke bestimmte Bistumsvermögen anzugehen.

Nach den Worten von Ackermann zahlt die Kirche aus Kirchensteuermitteln auch in den Entschädigungsfonds für Heimkinder ein und in die Stiftung „Anerkennung und Hilfe“ für Kinder und Jugendliche in Einrichtungen der Behindertenhilfe oder Psychiatrie. Auch hier müsse die Solidargemeinschaft eintreten, da die meist längst verstorbenen Täter nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden könnten.

Ackermann betonte auf der Facebookseite des Bistums, das Bistum Trier habe Leistungen für Missbrauchsopfer bislang aus Mitteln des Bischöflichen Stuhls finanziert und wolle dies auch weiterhin tun. Weiter sagte er, auch dabei handele es sich aber nicht um sein Privatvermögen, sondern um Mittel der Gemeinschaft. Darüber hinaus erklärte der Bischof, es sei „unstrittig“, dass „immer zuerst der Täter, sofern er noch lebt, auch finanziell zur Verantwortung gezogen werden muss“. Bei verstorbenen Tätern sei dies allerdings nicht mehr möglich.

Die Deutsche Bischofskonferenz will die Zahlungen an die Missbrauchsopfer neu regeln. Bislang erhalten Betroffene zur „Anerkennung zugefügten Leids“ Pauschalzahlungen von rund 5.000 Euro, in Einzelfällen auch mehr. Eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Missbrauchsopfern plädiert für eine pauschale Entschädigung von rund 300.000 Euro pro Fall oder ein abgestuftes Entschädigungsverfahren, bei dem je nach Schwere des Falls zwischen 40.000 und 400.000 Euro gezahlt werden sollen. Schätzungen zufolge könnte dies Zahlungen von insgesamt bis zu einer Milliarde Euro nach sich ziehen.

kna
Neues Ruhr-Wort

Kostenfrei
Ansehen