Appell: Entschädigung nicht aus Kirchensteuer finanzieren

Mit einem offenen Brief an die katholischen Bischöfe hat sich eine Gruppe von Katholikinnen und Katholiken gegen die Finanzierung von Entschädigungsleistungen für Missbrauchsopfer aus Kirchensteuermitteln gewandt. Die Kirchenleitung habe nicht das Recht, die Kirchensteuer zur Finanzierung heranzuziehen, heißt es in dem am Freitag auf der Internetseite www.kreuz-und-quer.de veröffentlichten Schreiben. „Das wäre ein Frontalangriff auf die Legitimität des geltenden Kirchensteuersystems.“

Bischof Stepan Ackermann (Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 [via Wikimedia Commons])

Stattdessen müssten die Bischöfe selbst aktiv werden, fordern die 19 Erstunterzeichner des Appells. Beispielsweise sollten alle amtierenden und emeritierten Bischöfe einen Teil ihres Gehalts oder ihrer Pension in einen Entschädigungsfonds für kirchliche Missbrauchsopfer einzahlen.

„Wir vermissen bei unserer Kirchenleitung die Bereitschaft, ohne relativierende Floskeln Verantwortung für eigenes Versagen zu übernehmen“, heißt es in dem Brief. In der katholischen Kirche habe ein „System struktureller Verantwortungslosigkeit die Verbrechen von Klerikern begünstigt“, nun dürften die Folgen nicht auf „Unbeteiligte“ abgewälzt werden. Die Erstunterzeichner riefen Katholiken bundesweit auf, sich ihrem Appell anzuschließen.

In der katholischen Kirche wird derzeit über Modalitäten und Höhe von Entschädigungsleistungen für kirchliche Missbrauchsopfer diskutiert. Zuletzt hatte der Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, betont, zur Finanzierung müssten auch Kirchensteuermitteln verwandt werden. Die Kirchenmitglieder seien als Solidargemeinschaft in der Pflicht.

Gegen diese Pläne formiert sich Widerstand. Auch der Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, und die Frauenbewegung „Maria 2.0“ sehen Entschädigungsleistungen aus Kirchensteuermitteln kritisch.

kna
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