Zöibat: Vatikan sucht Entschärfung in Debatte um Benedikt XVI.

Angesichts einer Debatte um den Priesterzölibat versucht der Vatikan den Eindruck eines Konflikts zwischen Benedikt XVI. und seinem Nachfolger Papst Franziskus zu zerstreuen. Der Privatsekretär des emeritierten Kirchenoberhaupts, Erzbischof Georg Gänswein, dementierte am Dienstag eine Mitautorenschaft des 92-Jährigen an einem Buch, das vor der Aufweichung der verpflichtenden Ehelosigkeit für Priester warnt.

Papst Benedikt XVI. (Foto: © Mario Bonotto | Dreamstime.com)

Die am Mittwoch erscheinende Publikation von Kurienkardinal Robert Sarah war als Affront gegen Franziskus verstanden worden. Dieser erwägt, eine Priesterweihe verheirateter Diakone in seelsorglichen Notlagen zuzulassen.

Sarah selbst beteuerte in einer Erklärung (Dienstag) seinen „kindlichen Gehorsam“ gegenüber dem amtierenden Papst Franziskus. Weiter kündigte er per Twitter an, wegen der entstandenen „Polemiken“ werde künftig er als Autor des betreffenden Buches firmieren und nur auf eine „Beteiligung von Benedikt XVI.“ hinweisen. Der Band „Des profondeurs de nos coeurs“ (Aus den Tiefen unserer Herzen) mit dem Untertitel „Priestertum, Zölibat und die Krise der Kirche“ enthält einen Beitrag Benedikts XVI., den dieser laut Gänswein im Sommer schrieb.

Gänswein sagte der Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag, er habe Sarah im Namen von Benedikt XVI. gebeten, die Entfernung seines Namens und Bildes auf dem Bucheinband zu veranlassen. Auch solle seine Unterschrift unter der Einführung und den Schlussfolgerungen gestrichen werden, da er diese Texte nicht mitverfasst habe. Der Beitrag des früheren Papstes im Hauptteil sei allerdings „100 Prozent Benedikt“, so der Privatsekretär.

Gänswein sagte weiter, Benedikt XVI. habe seinen Text dem Kardinal zwar zur freien Verfügung überlassen, sei aber nicht über die Form und Aufmachung des geplanten Buches informiert gewesen. Sarah erklärte hingegen, er habe Benedikt XVI. am 19. November ein komplettes Manuskript inklusive Deckblatt zugeschickt, für das er mit einem Schreiben vom 25. November die Freigabe erteilt habe.

Sarah veröffentlichte als Beleg Fotos von drei Briefen des emeritierten Papstes. In einem der per Twitter verbreiteten Schreiben mit Datum vom 20. September bekennt Benedikt XVI. allerdings auch, er habe nicht mehr die Kraft, einen theologischen Text zu verfassen.

Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der 2012 von Benedikt XVI. zum Leiter der Glaubenskongregation ernannt worden war, übte unterdessen Grundsatzkritik an der Idee eines „emeritierten Papstes“. „Wir haben keine zwei Päpste, es gibt nur einen Papst, Franziskus“, sagte Müller der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ (Dienstag). Die Anrede als Papst emeritus sei eine Höflichkeitsform. „In Wirklichkeit ist Benedikt XVI. ein emeritierter Bischof“, so der Kardinal, der 2012 von Benedikt XVI. zum Glaubenspräfekten berufen worden war und von Franziskus 2017 nicht verlängert wurde.

Am Sonntag hatte die französische Zeitung „Figaro“ einen Vorabdruck aus dem Mittwoch erscheinenden Band „Des profondeurs de nos coeurs“ veröffentlicht. Die Publikation mit Beiträgen von Sarah, Benedikt XVI. und Herausgeber Nicolas Diat spricht sich vehement für die Beibehaltung der Zölibatspflicht katholischer Priester aus und warnt vor einer Aufweichung.

Einige Kommentatoren deuteten dies als Affront auch des ehemaligen Papstes gegen den aktuellen Amtsinhaber Franziskus, von dem in Kürze ein Schreiben zur Amazonas-Synode erwartet wird. Dieses Bischofstreffen hatte sich im Oktober für eine begrenzte ausnahmsweise Lockerung des Zölibats ausgesprochen, um in Amazonas-Regionen mit starkem Priestermangel auch solche Diakone zu Priestern weihen zu können, die verheiratete Familienväter sind.

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