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Erzbistum Köln verschiebt Veröffentlichung von Missbrauchsstudie

Generalvikar Markus Hofmann (Foto:  http://bilder.erzbistum-koeln.de CC BY-NC 3.0 DE)

Die unabhängige Studie über den Umgang führender Vertreter des Erzbistums Köln mit Missbrauchsfällen und mögliche Verfehlungen wird nicht wie geplant am Donnerstag veröffentlicht. Zur Begründung verwies Generalvikar Markus Hofmann am Dienstag in Köln darauf, dass die für eine Publizierung relevanten rechtlichen Fragen nicht abschließend geklärt seien. Die Vorlage des Abschlussberichtes der Münchner Kanzlei „Westpfahl Spilker Wastl“ müsse vorerst verschoben werden.

„Ich bedauere, dass es zu dieser Verzögerung kommt“, erklärte Hofmann. Notwendig sei aber Rechtssicherheit, „bevor wir die Ergebnisse dieser bislang einmaligen Aufklärungsarbeit veröffentlichen“. Eine spezialisierte Kanzlei habe in einem Gutachten festgestellt, „dass wir die Veröffentlichung der Ergebnisse so absichern müssen, dass eine identifizierbare Darstellung der Verantwortlichen nicht angegriffen werden kann“. Nur so ließe sich rechtssicher dokumentieren, wie Missbrauchsfälle im Erzbistum Köln gehandhabt worden seien und welche möglichen Versäumnisse es dabei gegeben habe.

Im Herbst 2018 in Auftrag gegeben

Der Kölner Kardinal Rainer Woelki hatte die Studie im Herbst 2018 in Auftrag gegeben, um Fehler von Verantwortlichen sowie systemische Defizite aufzudecken. Die Anwälte sollten dabei auch prüfen, ob gegen staatliches und kirchliches Recht verstoßen wurde. Laut Erzbistum kennen Woelki und andere Bistumsverantwortliche die Ergebnisse noch nicht; sie sollten erstmals in der Pressekonferenz über diese bundesweit bislang beispiellose Untersuchung informiert werden.

Die Erhebung knüpft an die Missbrauchsstudie an, die die Bischofskonferenz im Herbst 2018 vorgelegt hatte. Danach fanden sich in den Kirchenakten der Jahre 1946 bis 2014 Hinweise auf bundesweit 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe und auf rund 1.670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute. Für Köln verzeichnete die Untersuchung 135 Betroffene und 87 Beschuldigte. Andere Bistümer haben ähnliche, weiter in die Tiefe führende Untersuchungen in Auftrag gegeben. Dazu gehören die Erzdiözese München sowie die Bistümer Essen, Limburg, Mainz und Münster.

Untersuchungszeitraum reicht zurück bis in die Amtszeit von Kardinal Frings

Der Untersuchungszeitraum reicht zurück bis in die Amtszeiten der Kölner Kardinäle Josef Frings (1887-1978), Joseph Höffner (1906-1987) und Joachim Meisner (1933-2017). Auf den Prüfstand kommen auch die jeweiligen Generalvikare als Leiter der Kirchenverwaltung und die Personalchefs, darunter Norbert Feldhoff. Aber auch die Arbeit seiner Nachfolger, des heutigen Kölner Weihbischofs Dominikus Schwaderlapp und des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße, sind Gegenstand der Untersuchung.

kna
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