Corona-Krise schränkt religiöses Leben in Deutschland weiter ein

Die Ausbreitung des Coronavirus stellt auch das religiöse Leben in Deutschland vor Herausforderungen. Die gegenwärtige Situation erfordere außergewöhnliche Schritte, erklärte Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode in einem am Freitag veröffentlichen Schreiben. Laut Bode gibt es in der derzeitigen Situation für keinen Katholiken eine Verpflichtung zum Besuch von Gottesdiensten im Sinne der Sonntagspflicht. Als Alternative empfehle er die Nutzung medialer Gottesdienstangebote und das persönliche Gebet. Notwendig sei dies aus Solidarität mit den durch das Virus am stärksten Gefährdeten und Betroffenen.

(Foto: Judith Lorenz)

Auch der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Münchens Kardinal Reinhard Marx, entband die Gläubigen von ihrer Pflicht zum Besuch der Sonntagsmesse und erinnerte an die Tradition der „geistlichen Kommunion“. Geistliche Gemeinschaft in der Kirche entstehe auch „durch das innere Verlangen nach Jesus Christus im Gebet“.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch betonte die Bedeutung der Seelsorge in Zeiten der Corona-Krise: „Wir sind in dieser Situation als Seelsorger gefordert. Kranke und Sterbende zu besuchen und ihnen beizustehen ist Christenpflicht.“

Neymeyer: Coronavirus macht Menschen die eigene Endlichkeit bewusst,

Das Coronavirus mache viele Menschen die eigene Endlichkeit bewusst, erklärte der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr. „Unser Leben ist immer bedroht durch Unfälle, Katastrophen oder Krankheiten. Die Virus-Krise macht dies zurzeit allen Menschen gleichzeitig bewusst.“

Im Bistum Mainz ist der Oberhirte selbst betroffen: Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf befindet sich derzeit als erster deutscher katholischer Bischof in Quarantäne. Er habe sich in dieser Woche mit einer Person, die mit dem Coronavirus infiziert ist, im gleichen Raum aufgehalten und bleibe auf Anweisung der Gesundheitsbehörden vorerst zu Hause, teilte das Bistum mit. Kohlgraf gehe es aber gut und er sei frei von Symptomen.

Bischofsweihe in Augsburg fällt aus

Die für 21. März geplante Bischofsweihe in Augsburg fällt aus, ein neuer Termin steht noch nicht fest. Darauf verständigte sich der ernannte Bischof Bertram Meier (59) in München am Rande seiner Vereidigung mit der Staatsregierung und dem Münchner Kardinal Reinhard Marx. Dieser hätte die Weihe vornehmen sollen.

Viele katholische Bistümer und evangelische Landeskirchen in Deutschland zogen auch aus der Krise bereits ihre Konsequenzen. So wurden bisher in den (Erz-)Bistümern München, Hamburg, Paderborn, Essen, Trier, Mainz, Osnabrück, Hildesheim, Münster, Speyer, Magdeburg, Dresden-Meißen und Erfurt die Absage ganzer Gottesdienste, einzelner Feiern und anderer Veranstaltungen erklärt oder zumindest empfohlen.

Kölner Dom bleibt bislang laut Domkapitel geöffnet

Im Erzbistum Berlin solle wegen des Coronavirus im Gottesdienst nicht mehr gesungen werden, heißt es in einem Rundbrief. Im Bistum Regensburg sollen Priester bei der Beichte einen Meter Abstand halten und es soll neben dem Gitter eine Folie oder ein Vorhang geben. Die Pfarrgemeinderatswahl in der Erzdiözese Freiburg am 22. März wird nur per Online- oder Briefwahl durchgeführt, kündigte Erzbischof Stephan Burger an. Das Weltkulturerbe Kölner Dom bleibt bislang laut Domkapitel geöffnet.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, rief auf, nicht aus Angst, sondern aus dem Vertrauen zu leben. In einem Kanzelwort, das am Sonntag in allen Kirchengemeinden Bayerns verlesen werden soll, betonte er, es gelte das „richtige Maß zwischen zuversichtlicher Gelassenheit und Leichtsinn finden“.

Verzicht auf Freitagsgebet

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) rät wegen der Ausbreitung des Coronavirus von der Teilnahme am Freitagsgebet in Moscheen ab. Die Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD) sagte die Feier ihres zehnjährigen Bestehens an diesem Wochenende ab.

Fast alle Bundesländer schließen außerdem flächendeckend ihre Schulen und Kindertagesstätten, womit auch kirchliche Einrichtungen betroffen sind. So kündigten bisher 14 Landesregierungen an, dass ab Montag Schulen und Kindertagesstätten geschlossen blieben oder nur eine Notbetreuung bereit stehe. In Hessen und Mecklenburg-Vorpommern gibt es noch keine generelle Schul- und Kita-Schließung.

Von Denise Thomas (KNA)

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