Kirchen rufen zu Nächstenliebe in der Corona-Krise auf

Kirchenvertreter haben am Wochenende in der Corona-Krise zu Nächstenliebe und Seelsorge aufgerufen. Papst Franziskus appellierte an den Gemeinschaftssinn der Menschen. Die Pandemie führe dazu, dass viele „mehr oder weniger isoliert“ lebten. Christen sollten „den Wert der Gemeinschaft wiederentdecken und stärken, der alle Glieder der Kirche eint“, sagte der Papst in einer Videoansprache zum Mittagsgebet am Sonntag. Zudem wurde bekannt, dass in einem beispiellosen Vorgang die päpstlichen Gottesdienste der Kar- und Ostertage in Rom ohne Anwesenheit von Gläubigen stattfinden werden.

Der Petersdom (Symbolfoto: Websi/Pixabay)

Der Limburger Bischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sieht auch für die Kirche Herausforderungen in der Verbreitung des Coronavirus. „Sie ist gewiss keine Strafe Gottes, vor der wir Angst haben müssen und der wir nicht entkommen können. Gott liebt uns bedingungslos und er möchte, dass es uns gut geht“, schrieb Bätzing in einem Brief an die Limburger Gläubigen. Die Liebe Gottes werde sie durch die kommenden Wochen und durch diese herausfordernde Zeit tragen.

Brief des Essener Bischofs Franz-Josef Overbeck

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck ruft in einem Hirtenbrief „alle Christinnen und Christen dazu auf, jetzt mit besonderer Achtsamkeit und Hilfsbereitschaft mitzuhelfen, diese Krisenzeit zu bewältigen. Bitte stehen Sie den schwächeren Menschen und insbesondere auch den älteren Menschen bei. Leisten Sie Nachbarschaftshilfe, wo es nötig ist. Unterstützen Sie die Erkrankten und beruhigen Sie diejenigen, die verängstigt sind. Tragen Sie die notwendigen Entscheidungen und Maßnahmen mit, die unsere Behörden nach bestem Wissen in die Wege leiten. Vor allem: Bleiben Sie besonnen, wenn in dieser Situation manches hektisch und schwierig wird.“

In Krisenzeiten könne niemand für sich beanspruchen, alles perfekt zu machen und in jeder Situation die richtige Entscheidung zu treffen. „Darum brauchen wir Geduld und Nachsicht miteinander. Helfen Sie mit, Hysterie und Panik zu vermeiden. Mit Solidarität und einem liebevollen Blick füreinander werden wir diese schwierige Zeit bewältigen können“, so Overbeck. Im Bistum Essen sind bis auf Weiteres alle Gottesdienste abgesagt.

Dank allen Einsatzkräften, medizinischen Teams, politischen Entscheidungsträgern

Allen Einsatzkräften, medizinischen Teams, politischen Entscheidungsträgern und den vielen Helferinnen und Helfern, die in der aktuellen Krisensituation besonders gefordert sind, danke er herzlich für ihre gewissenhafte Arbeit. „Beten wir füreinander; und beten wir vor allem für diejenigen, die durch das Corona-Virus erkranken. Weil wir an menschliche Grenzen stoßen, brauchen wir umso mehr die Verbindung zu Gott, der uns seinen Beistand und Segen verspricht“, so Bischof Overbeck weiter. Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler habe „ein sehr schönes Gebet angesichts der Corona-Bedrohung verfasst, das ich uns für diese Zeit gerne ans Herz legen möchte. Ich füge es diesem Schreiben an und lade Sie ein, es in diesen Tagen und Wochen zu beten und weiterzugeben.“

Zum Gebet für alle Betroffenen der Corona-Krise rief unter anderen der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick auf. Besonders nannte er Erkrankte und deren Angehörige, Menschen in Quarantäne und alle Besorgten sowie Ärzte und Pflegekräfte, Forscher und Politiker. „Beten wir für sie alle, damit wir diese weltweite Krise bald überwinden.“ Auf Twitter schrieb der Weltkirche-Bischof der Deutschen Bischofskonferenz zudem: „Coronavirus als Strafe Gottes zu bezeichnen, ist zynisch und mit Jesu Botschaft unvereinbar.“

Kardinal Schönborn: Pandemie kann besiegt werden

Der Passauer Bischof, Stefan Oster, wünschte sich in einem Facebook-Video von den Christen, „ein Herz für die Menschen, die in Not sind“. Die Menschen sollten versuchen zu teilen, auch so, dass man es wirklich spüre, „auch materiell“. In dieser Krise könne jeder auch wachsen – „in unserer Gottesbeziehung und in der Beziehung zu unseren Nächsten“, so der Jugendbischof der Deutschen Bischofskonferenz.

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn erklärte, die gute Nachricht sei: Die Pandemie könne besiegt werden – „aber sie kann es nur, wenn wir alle unseren Teil dazu beitragen“. Und ergänzte: „Möglichst wenig Sozialkontakte: Ist das nicht unchristlich? Ist das nicht gegen die Nächstenliebe? Nein: Es ist ein Zeichen der Nächstenliebe, wenn wir einander nicht in Gefahr bringen! Und wir haben alle eine gesellschaftliche Verantwortung.“

Vatikan: Internationale Solidarität zeigen

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, unterstrich kirchliche Vorsichtsmaßnahmen. „An oberster Stelle steht für mich die Aufgabe, angesichts der besonderen Risiken, gerade für die Schwächsten, alles zu tun, um die Ausbreitung des Virus so weit wie möglich zu verlangsamen, und gleichzeitig die geistliche Kraft nicht schuldig zu bleiben, die wir gegenwärtig zum Umgang mit der Krise in ganz besonderer Weise brauchen“, schrieb der bayerische Landesbischof auf Facebook.

Der Vatikan rief Regierungen weltweit zur Unterstützung armer Staaten beim Kampf gegen die Corona-Krise auf. Länder mit schwachen Gesundheitssystemen seien mit den Auswirkungen der Virusepidemie überfordert. Jetzt gelte es internationale Solidarität zu zeigen und Mittel und Ressourcen zu teilen, erklärte der für Entwicklungsfragen zuständige Kurienkardinal Peter Turkson. Die Krise müsse eine Gelegenheit sein, Verbundenheit zwischen Staaten und Freundschaft zwischen Völkern zu stärken.

kna/rwm

Coronavirus: Mehr zum Thema

Neues Ruhr-Wort

Kostenfrei
Ansehen