Duisburg: Corona-Krise lässt Christen und Muslime im Gebet zusammenrücken

Abendgebete bei Glockengeläut und Gebetsruf: In der Krise rücken Menschen näher zusammen. Auch jene, die bislang vielleicht wenig Berührungspunkte miteinander hatten. Ein schönes Beispiel für dieses Phänomen des Zusammenrückens in Zeiten von Corona, wenn auch ohne körperlichen Kontakt, ist das aktuell zeitgleiche Beten von Christen und Muslimen am Abend entweder um 19.00 Uhr oder um 19.30 Uhr in ganz Duisburg.

(Foto: Nicole Cronauge | Bistum Essen)

Angefangen hatte alles mit einer in der vergangenen Woche gestarteten Gebetskette, bei der etliche christliche Gemeinden Duisburgs dazu aufriefen, am Abend im Gebet innezuhalten und eine brennende Kerze als Hoffnungszeichen in die Fenster zu stellen. Gebetszeiten sind entweder 19.00 Uhr oder 19.30 Uhr.

Kirchenglocken der katholischen und evangelischen Kirchen Duisburgs

Parallel läuten seitdem die Kirchenglocken sowohl in den katholischen als auch den evangelischen Kirchen Duisburgs für etwa fünf Minuten. Diese Idee fanden auch viele muslimische Gemeinden und Vereine in der Stadt sehr schön und schlossen sich den Gebetsaufrufen spontan an. So ertönt zum Beispiel in der Merkez-Moschee an der Warbruckstraße in Marxloh seit ein paar Tagen ebenfalls um 19.00 Uhr der Gebetsruf vom Minarett als Zeichen der Solidarität mit den Gläubigen, die derzeit Gotteshäuser oder Gebetsräume nicht gemeinsam nutzen können.

„Dass Menschen verschiedener Konfessionen und Religionen jetzt im Gebet vereint sind, das ist ein gutes und wichtiges Indiz für eingelingendes Zusammenleben in unserer Stadt“, begrüßt Stadtdechant Roland Winkelmann diesen symbolischen Schulterschluss aller Gläubigen.

„Verbindendes Element zwischen den monotheistischen Religionen“

„Mit Bittgebeten den Schöpfer des Himmels und der Erde anzurufen, ist ein verbindendes Element zwischen den monotheistischen Religionen“, betonen auch die im VEZ (Verband engagierte Zivilgesellschaft in NRW) organisierten Muslime, zu dem unter anderem drei Duisburger Bildungsvereine gehören. Auch sie haben ihre Mitglieder aufgerufen, am Abend entweder um 19.00 Uhr oder um 19.30 Uhr ein Gebet zu sprechen und um die erfolgreiche Bekämpfung des Corona-Virus zu bitten.

Bei dieser Gelegenheit stellen viele muslimische Familien übrigens ebenfalls eine brennende Kerze auf ihre Fensterbänke. Dieser gemeinsame Ritus macht noch einmal jenseits aller vielleicht unterschiedlichen Gebete eindrucksvoll die Verbundenheit vieler Duisburger gerade in der aktuellen Corona-Krise deutlich.

Corona-Krise: Kirche entwickelt neue Mitmach-Formate

Kommentar hinterlassen zu "Duisburg: Corona-Krise lässt Christen und Muslime im Gebet zusammenrücken"

Hinterlasse einen Kommentar

Neues Ruhr-Wort

Kostenfrei
Ansehen