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Debatte über einseitige Isolierung Älterer

In der Debatte über eine Rückkehr zur Normalität nach der Corona-Krise gibt es Streit darüber, ob Ältere und chronisch Kranke länger isoliert werden dürfen. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) sagte am Freitag dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, Vorschläge, sich bei der Isolierung auf die Risikogruppe kranker und älterer Menschen zu beschränken, seien „zynisch und falsch“.

(Symbolfoto: pixabay)

Der Zusammenhalt der Gesellschaft werde durch diejenigen gefährdet, die „einer ‚Rebellion der Jugend‘ das Wort reden, weil diese vom Coronavirus doch gar nicht betroffen sei“, so Reker. Sie werde sich „entschieden gegen jede Form der Spaltung unserer Gesellschaft“ wenden. Kein Politiker schränke „ohne gewissenhafteste Prüfung und im Bewusstsein der möglichen Konsequenzen Grundrechte ein“, betonte Reker am ersten Tag nach ihrer eigenen häuslichen Quarantäne.

Rekers Düsseldorfer Kollege Thomas Geisel (SPD) hatte am Mittwoch einen Strategiewechsel in der Pandemie-Bekämpfung vorgeschlagen. Man solle nur „die Risikogruppe der Älteren isolieren“, um einen monatelangen Stillstand des wirtschaftlichen Lebens zu vermeiden.

Reker entgegnete, es gehe um die Generation, „die – auch daran darf erinnert werden – dieses Land wiederaufgebaut hat“. „Wer einem neuen Generationenkonflikt das Wort rede, der irre. „Das Gegenteil ist der Fall! Wir dürfen nicht den Fehler machen, die Gesellschaft zu spalten, das Durchschnittsalter der Corona-Toten auf inhumane Weise zu instrumentalisieren oder die Verantwortung, sich nicht zu infizieren, den Menschen mit erhöhtem Risiko überlassen. Wir dürfen nicht zulassen, dass verschiedene Gruppen gegeneinander ausgespielt werden: Risikogruppen und Wirtschaft, Junge und Alte, Kranke und Gesunde.“

Der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BagSo), Franz Müntefering, hält es dagegen für möglich, dass ältere Menschen und chronisch Kranke im Zuge der Corona-Krise länger in Quarantäne bleiben müssen als andere Gruppen.Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BagSo), Franz Müntefering, hält es dagegen für möglich, dass ältere Menschen und chronisch Kranke im Zuge der Corona-Krise länger in Quarantäne bleiben müssen als andere Gruppen. „Wir haben es bisher in Deutschland geschafft, in einer extremen Ausnahmesituation mit vernünftiger und konsequenter Vorgehensweise vermeidbare Schäden zu vermeiden“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (Freitag).

„Es kann zu einem späteren Zeitpunkt durchaus berechtigt sein, dass die Öffnung der Gesellschaft mit unterschiedlichem Tempo geschieht, zum einen, um Wirtschaft und Bildungswesen schnell wieder in Gang zu setzen und die wirtschaftlichen Folgen der Krise zu minimieren, aber auch um den Schutz verletzlicher Gruppen bestmöglich zu gewährleisten.“ Gefragt seien „differenzierte Lösungen“.

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) hatte zuvor gesagt, man werde „junge Leute zuerst wieder auf die Straße“ lassen. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) sagte: „Menschen, die über 65 Jahre alt sind, und Risikogruppen werden aus dem Alltag herausgenommen und vermeiden weiter Kontakte. Jüngere, die weniger gefährdet sind, werden nach und nach kontrolliert wieder in den Produktionsprozess integriert.“

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