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Experte: Kirche hat in Corona-Krise Chance verpasst

Aus Sicht des Freiburger Finanzwissenschaftlers und Kirchensteuer-Experten Bernd Raffelhüschen haben die Kirchen in der Corona-Krise „die Chance verpasst, Fels in der Brandung zu sein, also ein beruhigender Faktor in einer gesellschaftlichen Paniksituation“. Kirche müsse „Präsenz zeigen in der Gesellschaft – und wo wäre das wichtiger als in einer solchen Krise“, sagte er im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

(Symbolfoto: Judith Lorenz)

Daher wäre es aus seiner Sicht auch der falsche Weg, sich bei den drohenden Sparzwängen als Folge der Krise nur noch auf das „Kerngeschäft“ der Pfarreien und der Seelsorge zu konzentrieren und sich aus Kliniken, Pflegeheimen oder Schulen zurückzuziehen: „Auf keinen Fall: Kein Rückzug in den frommen Elfenbeinturm. Schulen und Kitas gehören dazu, kirchliche Kindergärten gehören dazu. Aber da muss der Pastor auch mal hingehen.“

Studie zur Zukunft der Kirche

Raffelhüschen hatte 2019 eine große Studie zur Zukunft der Kirchen geleitet. Danach sinken bis 2060 sowohl die Mitgliederzahlen als auch das Kirchensteueraufkommen auf etwa die Hälfte. Die Corona-Krise könne dies jetzt noch verschärfen. Er sei zwar „kein Spökenkieker“, der die Zukunft voraussehen könne, aber man müsse sich auf einen Einbruch der Kirchensteuereinnahmen um bis zu 20 Prozent einstellen.

Dagegen könnten die Kirchen allerdings genauso wenig tun wie gegen die demografischen Entwicklungen, ergänzte der Finanzexperte: „Was uns wirklich umtreiben muss, sind die Austrittswahrscheinlichkeiten und die Taufwahrscheinlichkeiten. Wenn immer mehr Menschen austreten und wir es nicht mal schaffen, dass alle Kirchenmitglieder ihre Kinder taufen lassen, haben wir ein echtes Problem.“

Raffelhüschen: Kirche muss sich mehr auf Strömen besinnen

Die Kirchen müssten sich auf ihre Stärken besinnen, empfahl Raffelhüschen weiter – „nicht als Wissenschaftler, sondern als Kirchenmitglied“. Dafür sei es nie zu spät, was ja auch Kern der Studie von 2019 gewesen sei: „Die hat ja gezeigt, dass die Dinge, an denen wir nicht drehen können, etwa die Demografie, eigentlich untergeordnet sind. Entscheidend sind die Dinge, an denen man noch aktiv arbeiten kann für die nächste Zukunft.“

In dieer Hinsicht sei die Studie viel positiver gewesen, als sie oft aufgenommen wurde, ergänzte der Finanzexperte: „Sie hat gesagt: Leute, wir können es noch drehen, also lasst uns anfangen. Und das gilt auch jetzt in der Corona-Krise.“

kna
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