Kirche und Politik besorgt über Corona-Demos

Politik und Kirche haben sich am Pfingstwochenende besorgt zu Demonstrationen gegen die Corona-Beschränkungen geäußert. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, sagte, über viele Wochen habe man in Deutschland und vielen anderen Ländern „in einer Art Schockstarre“ gelebt. Mit den Lockerungen hätten nun auch die Proteste zugenommen. Er verurteilte „teils krude Thesen und Forderungen“, die „leider sogar in hohen kirchlichen Kreisen Widerhall gefunden“ hätten.

Bischof Franz-Josef Bode (Foto: Bistum Osnabrück)

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) betonte: „Wir leben in einem freien Land, da kann jeder seine Meinung äußern, selbst wenn sie unsinnig ist und Verschwörungsmythen transportiert“, sagte der Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Die Gefahr sehe ich eher darin, dass Rechtsradikale solche Demonstrationen unterwandern. Das besorgt mich doch ganz erheblich.“

Der Dresdner katholische Bischof Heinrich Timmerevers plädierte für einen Austausch mit Demonstranten. „Wir müssen uns diesen Debatten einfach stellen und dann auch vielleicht von Mann zu Mann und von Frau zu Frau das Gespräch und den Dialog suchen. Ob wir überzeugen können, ist die zweite Frage, aber wir dürfen uns davon nicht wegducken“, sagte Timmerevers am Montag in der Podcast-Reihe „Himmelklar – Fürchtet euch nicht!“

In seinem Bistum sei man ein bisschen besorgt gewesen, dass sich Gruppen aus unterschiedlichsten Lagern zusammenfinden. „Der Ministerpräsident ist da ganz mutig draufzugegangen, um einfach das Gespräch und den Kontakt zu suchen und hat sich auch da hineingestellt“, so der Bischof. Das sei ein „starkes Zeichen“ von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) gewesen.

Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode warnte in diesem Zusammenhang vor Verschwörungstheorien sowie einem wachsenden Antisemitismus. Gegen solch ein „zersetzendes Virus der sozialen Klimavergiftung“ könne der Glaube ein wirksamer Antikörper sein.

Kritische Worte fand auch der Freiburger Erzbischof Stephan Burger: „Kaum beginnen wir, über Lockerungen und Entlastungen nachzudenken, Luft zu holen in der Pandemie, werden gleich Verschwörungstheorien befördert und erwogen, die manche wieder neu in Angst und Schrecken versetzen.“ Statt sich über gemeinsame „Aktionen zu freuen, die uns für ein paar Wochen beflügelt und geeint haben, geht es gleich wieder um die Risse und Spalten, die sich in unserem gesellschaftlichen wie kirchlichen Gefüge zeigen“, sagte der Bischof.

Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein, warb für Gesprächsbereitschaft. „Und wir haben da, wo vereinfacht, verurteilt und Schuld billig zugewiesen wird oder wo sich wieder Antisemitismus breitmacht, mit aller Entschiedenheit zu widersprechen“, sagte Stäblein dem „Tagesspiegel“. Ähnlich äußerte sich Nordkirchen-Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt. „Wie sich solche Dialoge gestalten lassen, muss man natürlich gut überlegen. Auf jeden Fall ist es wichtig, Ängste anzusprechen“, sagte sie der „Sylter Rundschau“.

Von Rainer Nolte (KNA)
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