Bätzing kündigt „schmerzliche“ Anti-Missbrauch-Maßnahmen an

Die Ergebnisse eines umfangreichen Projekts zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Bistum Limburg sind am Wochenende in Frankfurt vorgestellt worden. Der Limburger Bischof Georg Bätzing als Auftraggeber zeigte sich anschließend entschlossen: „Es muss nun zu Maßnahmen kommen, die wehtun und Diskussionen auslösen“, sagte er am Samstag bei der Übergabe des mehrere hundert Seiten umfassenden Berichts in der Paulskirche. „Dieser Weg wird schmerzlich sein“, betonte Bätzing, der Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist.

Bischof Dr. Georg Bätzing (Foto: Bistum Limburg)

Insgesamt 70 Experten hatten seit September 2019 im Auftrag des Bistums in dem Projekt mit dem Titel „Betroffene hören – Missbrauch verhindern“ mitgearbeitet. In neun Teilprojekten analysierten sie den Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Diözese seit rund 70 Jahren. Zugleich entwickelten sie Vorschläge, wie systemische Faktoren künftig ausgeschlossen und Missbrauchstaten möglichst verhindert werden könnten.

Desaster bei der Führung früherer Personalakten

Bätzing sagte, im Anblick etwa des „Desasters“ bei der Führung früherer Personalakten werde es in diesem Bereich Verbesserungen geben, zudem eine „Gleichstellungsordnung“ im Bistum und „ein weniger großes Machtgefälle“ in der Kirche. Die Veranstaltung stand unter dem Motto: „Der Beginn von Ehrlichkeit“.

Josef Bill, Projektmitarbeiter und Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht im Ruhestand, bilanzierte: „Wir haben bei unseren Untersuchungen ein unbeschreiblich großes Maß an Elend und Leid der oft schwer traumatisiert zurückgelassenen Betroffenen feststellen müssen.“ Als Gegenstück habe sich „eine erhebliche Portion von sexuell motivierter und unvorstellbar schlimmer pädosexueller Eigensucht der beschuldigten Täter“ gezeigt.

46 aktenkundige Fälle aus der Zeit von 1946 bis heute untersucht

Insgesamt wurden den Angaben zufolge 46 aktenkundige Fälle aus der Zeit von 1946 bis heute untersucht, wovon 24 der Beschuldigten bereits verstorben seien. In einem Viertel der Fälle sei schwerer Missbrauch durch einen Priester über einen längeren Zeitraum beschrieben. Etwa zwei Drittel der Beschuldigten waren bei der ersten Aufdeckung über 40 Jahre alt.

Alle Beschuldigten seien zwar namentlich bekannt, sie würden aber „aus rechtlichen Gründen im öffentlichen Bericht pseudonymisiert“. Nur die in herausragenden Funktionen tätigen früheren „Entscheider“ – Bischöfe, Generalvikare und Personaldezernenten – würden mit Klarnamen benannt.

kna

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