Bischof Gerber: Wir müssen lernen, mit Unsicherheiten zu leben

Der Fuldaer katholische Bischof Michael Gerber warnt vor Gefahren für die Demokratie durch „Vereinfacher“, die die Corona-Krise „als ihre Chance sehen, um mit Polarisierung und einseitiger Schuldzuweisung Politik zu machen“. In einem Beitrag für die Zeitschrift „basis“, die von der Schönstatt-Bewegung herausgegeben wird, schreibt er weiter: „Wir hätten in diesen Zusammenhängen gerne lineare, vorhersehbare Entwicklungen. Wir müssen aber permanent mit sprunghaften neuen Zuständen rechnen, die wir nicht vorherbestimmen können.

Bischof Michael Gerber (Foto: Dr. Arnulf Müller / Bistum Fulda)

Die Welt werde immer komplexer, so Gerber weiter, und die Wirkung einzelner Maßnahmen und mögliche Wechselwirkungen ließen sich immer weniger vorhersagen. Zur wissenschaftlichen Exaktheit gehöre daher unbedingt, auch jene Fragen zu benennen, die seriös nicht beantwortet werden können: „Daraus ergibt sich eine bleibende Unsicherheit, in der dennoch Entscheidungen getroffen werden müssen und Maßnahmen umgesetzt werden.“

Mit Spannung umgehen

Mit dieser Spannung umzugehen, die nicht aufgelöst werden könne, sei einer der zentralen Herausforderungen heute – auch für die Kirchen: „Wo und wie schaffen wir Erfahrungsräume, in denen Menschen einen ‚letzten Halt‘ erfahren, der ihnen hilft, den Unsicherheiten unserer Zeit angemessen und zugleich kreativ zu begegnen?“ Als Bischof sei er dankbar, so Gerber weiter, auf viele solche Ansätze zu stoßen: „Fördern wir sie und helfen wir einander, mit der hier beschriebenen Komplexität der Herausforderungen angemessen umzugehen!“

Das Sinnangebot in der Tradition des Judentums und des Christentums zeige hier eine wesentliche Perspektive auf, ergänzte der Bischof: „Menschen erfahren sich als gehalten in einem tiefen Grund, in Gott. Sie erfahren, dass diese Wurzel hält und hilft, den genannten Unsicherheiten nicht auszuweichen, sie nicht vorschnell auszublenden, sondern sich ihnen zu stellen.“

kna
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