Euskirchen: Kaum weitere Corona-Fälle bei Mennoniten

Aufatmen in Euskirchen: Das Coronavirus scheint sich in einer betroffenen Mennoniten-Gemeinde nicht weiter ausgebreitet zu haben. Von den 648 Menschen, die der Kreis am Mittwoch getestet habe, seien nur 14 infiziert, sagte Landrat Günter Rosenke (parteilos) am Donnerstag in Euskirchen. Im Laufe des Tages sollen rund 300 weitere Gemeindemitglieder und Menschen aus ihrer Umgebung getestet werden, am Freitag will Rosenke das Endergebnis präsentieren. Vorerst rechnet er nicht mit einem Lockdown für den Kreis Euskirchen. „Ich sage aber ausdrücklich, das ist ein Zwischenergebnis.“

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(Symbolfoto: Orna Wachman/Pixabay)

13 Mitglieder von 15 Angehörigen einer Großfamilie, die zur Mennoniten-Brüdergemeinde in Euskirchen gehört, hatten sich mit dem Virus infiziert. Da sie in den vergangenen Wochen Gottesdienste der Gemeinde besucht hatten, untersagte der Kreis vorerst die Zusammenkünfte und verhängte eine Quarantäne für rund 1.000 Menschen. Auch eine Schule der Mennoniten wurde geschlossen. Da die Gläubigen im gesamten Kreis verteilt lebten, seien auch Bürgermeister anderer Kommunen informiert worden, sagte Rosenke. Bislang beziehe sich das Geschehen jedoch nur auf die Stadt Euskirchen.

14 Neu-Infizierte

Die 14 Neu-Infizierten gehören den Angaben zufolge vier weiteren Familien an und seien zwischen 11 und 61 Jahre alt. Derzeit würden die Kontakte dieser Menschen überprüft. Ein Teil von ihnen habe sich vermutlich im Ausland angesteckt, erklärte Amtsarzt Christian Ramolla. Die Vermutung, die Infektionen kämen aus der Gemeinde, sei damit relativiert.

Laut Rosenke wurden Abstand und Hygiene in der Gemeinde eingehalten. „Das haben sie uns glaubhaft versichert.“ Allerdings hätten die Mennoniten die Kontaktdaten der Gottesdienstteilnehmer nicht erfasst. „Da ist etwas unterlassen worden, was die Corona-Schutzverordnung deutlich vorschreibt.“ Rechtliche Schritte erwäge der Kreis jedoch nicht.

Corona-Regeln für Gottesdienste

Ob diese Einschätzung richtig ist, blieb zunächst offen. Die nordrhein-westfälische Corona-Schutzverordnung steht den Religionsgemeinschaften ausdrücklich zu, selbst Corona-Regeln für ihre Gottesdienste aufzustellen. Sie müssen aber den Mindestabstand, Hygiene und eine „Rückverfolgbarkeit“ gewährleisten.

Die Mennoniten in Euskirchen hätten den Gottesdienstbesuch nach Familiennamen zugeteilt, sagte Kreis-Sprecher Wolfgang Andres der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Zu bestimmten Feiern hätten nur Mitglieder mit einem Familiennamen von A bis K kommen dürfen, zu anderen die von L bis Z. Die Gläubigen hätten sich an diese Aufteilung jedoch nicht immer gehalten. „Teilweise ist es vorgekommen, dass die Leute die Gruppe gewechselt haben, weil sie zum Beispiel Schichtdienst hatten“, so Andres.

Wiederholt Fälle in freikirchlichen Gemeinden

Seit Ende der deutschlandweit strengen Kontaktbeschränkungen hat es mehrfach Corona-Fälle in freikirchlichen Gemeinden gegeben, zu denen auch die Mennoniten zählen. Zuletzt meldete der Kreis Gütersloh, dass es eine Verbindung zwischen den Corona-Infektionen in der Schlachterei Tönnies und einem Gottesdienst in Herzebrock-Clarholz gebe.

Von Anita Hirschbeck (KNA)
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