Bonifatius: Fragen für die heutige Zeit

Deutsche Bischöfe haben am Wochenende an den heiligen Bonifatius erinnert.
Amöneburg/Fulda – Deutsche Bischöfe haben am Wochenende an den heiligen Bonifatius erinnert. Auch zogen sie Linien zu gegenwärtigen Fragen und Herausforderungen in Kirche und Gesellschaft. Bonifatius gilt als "Apostel der Deutschen". Die Kirche steht nach den Worten des Fuldaer Bischofs Michael Gerber vor einer entscheidenden Weichenstellung. "Nehmen wir den unbequemen Diskurs mit den Fragen der Menschen unserer Tage an und gehen wir damit das Risiko ein, dass sich die Gestalt unserer Kirche verändert?", fragte Gerber am Sonntag in einem Gottesdienst in Fulda zum Bonifatiusfest.

–Foto: Frank P./Pixabay

Deutsche Bischöfe haben am Wochenende an den heiligen Bonifatius erinnert. Auch zogen sie Linien zu gegenwärtigen Fragen und Herausforderungen in Kirche und Gesellschaft. Bonifatius gilt als „Apostel der Deutschen“. Die Kirche steht nach den Worten des Fuldaer Bischofs Michael Gerber vor einer entscheidenden Weichenstellung. „Nehmen wir den unbequemen Diskurs mit den Fragen der Menschen unserer Tage an und gehen wir damit das Risiko ein, dass sich die Gestalt unserer Kirche verändert?“, fragte Gerber am Sonntag in einem Gottesdienst in Fulda zum Bonifatiusfest.

Es sei Auftrag der Kirche, Menschen neu mit der Botschaft des Glaubens in Beziehung zu bringen, betonte Gerber. Sie stehe dabei vor einer doppelten Herausforderung: „Den furchtbaren Erfahrungen von Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt, die es aufzuarbeiten gilt, und einer säkularen Gesellschaft, mit der es weder Bonifatius noch Paulus oder andere große Gestalten der Kirchengeschichte bisher zu tun hatten.“

Die Menschen von heute seien selbstbewusst, eigenständig, aufgeklärt und hätten ein hohes Empfinden für Gerechtigkeit. Sie erwarteten ganz andere Antworten auf ihre Fragen, so Gerber: „Antworten, die noch keiner vor uns geben musste.“

Auch Bonifatius sei seinerzeit an Grenzen gestoßen. „Aber er verbittert nicht und bleibt offen für neue Formen und Wege“, betonte der Bischof. „Es gelingt ihm, immer wieder seinen Auftrag beim Wort zu nehmen und den Glauben kraftvoll zu verkünden.“

Im Sturm seien die Jünger Jesu wesentlich geformt worden: Auf dem See Genezareth, in der österlichen Dramatik, im Sturm des Pfingstgeistes und in vielen weiteren Stürmen des Lebens, erklärte Gerber. „Es ist meine tiefe Überzeugung geworden: In diesem Sturm, den wir als Kirche erleben, dessen Gründe wir – zumindest diejenigen, die in ihr Leitungsverantwortung haben – zu einem guten Teil selbst zu verantworten haben, in diesem Sturm will der Herr seine Kirche formen – neuer und radikaler als wir es zu glauben wagen.“

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick bezeichnete das Evangelium als eine Art „Grundgesetz“. Das durch Bonifatius im Frühmittelalter verbreitete Evangelium enthalte „auch einen allgemein verbindlichen moralischen Kompass, den wir für unser Zusammenleben brauchen“, sagte Schick am Samstag laut einer Mitteilung des Erzbistums. „Wir könnten es als Grundgesetz bezeichnen für das individuelle, familiäre, gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Leben.“

Schick äußerte sich anlässlich der Ankunft des heiligen Bonifatius vor 1.300 Jahren. Daran erinnerte der Erzbischof mit einem Gottesdienst im hessischen Amöneburg. 721 gründete Bonifatius das Kloster Amöneburg und legte damit nicht nur den Grundstein für die dortige Gemeinde, sondern auch für sein missionarisches Wirken im damaligen Frankenland, wie das Erzbistum hervorhob.

Bonifatius habe ein kostbares Erbe vermacht, das es „zu schätzen und weiterzugeben gilt“, sagte Schick in seiner Predigt. Das Erbe des heiligen Bonifatius bestehe im Evangelium. Jubiläen dürften nicht zu „Nostalgieveranstaltungen“ werden, sondern sollten die Erinnerung an das Gute der Vergangenheit wachhalten, „um es in die Zukunft zu tragen und um es weiterzugeben, damit auch die nächsten Generationen von diesem Erbe leben können“, erklärte der Erzbischof.

kna